Turngau Die Jugend ist der Star

Treffelhausen / Jochen Weis 09.07.2018

Sommer, Sonne, Sonnenschein – was will man da mehr? Na klar, Spiel, Spaß und Bewegung. Das gibt es am Sonntag geballt beim Gau-Kinder- und Jugendturnfest in Treffelhausen. Knapp 600 Kids aus 16 Vereinen, von ganz klein bis ganz groß: Es ist ein quirlig-bunter Ameisenhaufen, mit T-Shirts in allen Farben, der über den Sportplatz des Turnvereins und durch die nahe Roggentalhalle wuselt – die einen mit ihren Betreuern auf dem Weg zu den Wettkämpfen, die anderen, die bereits fertig sind, auf dem Weg zu Pommes oder zur Roten. Sport macht bekanntlich hungrig.

Für den Nachwuchs des Turngaus Staufen ist das Turnfest eine tolle Abwechslung zu den Übungsstunden. Er mag es, wenn so richtig was los ist, erzählt der kleine Paul, der am Sonntag ein Heimspiel hat. Gerade kommt er vom STB-Kindercup, dem Einsteiger-Wettkampf für die Sechs- bis Zehnjährigen, der auf die Entwicklung von Körper-Koordination und Motorik abzielt. Seine Medaille hat sich Paul bereits umgehängt. Die Stationen beim Kindercup sind schon ganz schön knifflig: ein Slalom um Pylone mit dem Rollbrett zum Beispiel. Oder Balancieren, über eine umgedrehte Gymnastikbank und – damit es nicht zu einfach ist – durch einen Gymnastikreif, den die Kinder um die horizontale Achse rotieren wie beim Seilspringen.

Paul hat aber eine ganz andere Lieblingsdisziplin: Seilweitwurf. „Das ist super. Wie Rennen“, erzählt der Sechsjährige. Beim Seilweitwurf ist es die große Kunst, im richtigen Moment loszulassen, damit das Ganze nicht wie eine leere Pflunze auf den Boden fällt. Wie weit er sein Seil gebracht hat? „Weiß ich nicht. Ganz weit“, sagt er – und ist auch schon wieder im Getümmel verschwunden, ist einfach zu viel los.

Beim Wahl-Dreikampf sind Leo vom TV Weißenstein und Sarah von Ausrichter Treffelhausen – der eine sieben, die andere acht – am Start. Bei diesem Wettbewerb stellen sich die Kinder und Jugendlichen ihre Disziplinen aus den Sparten Geräteturnen, Leichtathletik, Rope-Skipping und Mini-Trampolin selbst zusammen. Leos Lieblingsdisziplin: „Rennen. Und am liebsten gewinnen“, erzählt er.

Gewonnen, das hat Sarah gerade eben, die anderen haben sie beim Sprint nur von hinten gesehen. Und sie hat 2,98 Meter geschafft beim Weitsprung, ihrer zweitliebsten Disziplin. „Richtig gut“, sagt sie, sei das Turnfest, „aber ich mag eigentlich unsere Übungsstunden gleich gern“.

Beim Spielparcours schließlich tummeln sich die ganz Kleinen, die U 6 sozusagen. Das Thema: Wilder Westen. Da geht es dann mit dem Steckenpferd über einen Mattenhügel oder mit der Spritzpistole gegen Plastikbecher. Viele Papas und Mamas schauen ganz verzückt zu. Aber auch eine Menge andere Besucher.

Unter den Besuchern des Turnfestes ist Hermann Färber, der Bundestagsabgeordnete aus der Muttergemeinde Böhmenkirch. Der Mittfünfziger erinnert sich gut an seine Sportlerzeiten, an die Turnfeste seiner Jugend, „aber irgendwie hatte ich da nicht so die richtigen Gene für größere Erfolge“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Vom Turnfest in Treffelhausen ist er vollauf begeistert, „hier geht es darum, gemeinsam Spaß zu haben, um das gemeinsame Erlebnis. Und erst dabei lernt man zu gewinnen und zu verlieren “, erzählt Färber.

Treffelhausens Ortsvorsteher Erwin Lang genießt ebenso die Atmosphäre, ist beeindruckt von dieser Mammutveranstaltung. „Ich bin froh, dass wir unseren Turnverein haben, der so rührig ist. Deshalb freut es uns auch riesig, dass wir eine so große Veranstaltung in Treffelhausen haben, da steht der gesamte Ortschaftsrat dahinter.“

Beim TVT sind die Verantwortlichen stolz auf das, was sie gestemmt haben. Aus allen acht Abteilungen des 800 Mitglieder starken Vereins packen die Schaffer mit an, von Freitag bis Montag, vom Auf- bis zum Abbau. „Da steckt viel Arbeit dahinter, gut 140 Helfer – alle ehrenamtlich – sind im Einsatz. Ohne dieses Engagement wäre so eine Veranstaltung gar nicht möglich“, konstatiert Heidi Vesenmaier, Kassiererin des Vereins und die Frau, die ihre große Erfahrung, ihre Routine und Übersicht in die Organisation miteinbringt. „Und eines muss man auch mal betonen: Ohne unsere Rentner wären wir nichts. Was die wegarbeiten, wie die den Verein unterstützen, das ist sagenhaft.“ Das reicht bis zum großen Kuchenbüfett: Für wen die Arbeit vor Ort zu anstrengend ist, der greift dennoch daheim zu Rührbesen und Teigschaber. „Alle Kuchen  sind selbst gemacht“, betont Vesenmaier.

Vereinschef Joachim Brien ist ebenso hochzufrieden. „Wir richten das Turnfest ja schon zum neunten Mal aus“, sagt er, „für uns ist es immer eine tolle Gelegenheit, unsere Sportanlagen mit Leben zu erfüllen.“ Viele Vereine hätten dazu leider gar keine Möglichkeit, weil die notwendige Sportstätten-Infrastruktur fehle, erläutert Brien. Ziel also erfüllt? „Definitiv. Fast 600 Kinder machen bei den Wettbewerben mit, insgesamt sind gut 1200 Leute da – und wir haben perfektes Wetter. Ich denke, besser hätte es nicht laufen können.“

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