Martin Geiger ist kraft Amtes Optimist. Trotz sieben Zählern Rückstand auf einen Nicht­abstiegsplatz beziffert der Trainer die Chancen seiner SG Kuchen-Gingen auf den Klassenverbleib noch immer auf „Fünfzig zu Fünfzig“. Gerade Mal zwei Spiele hat seine Mannschaft bislang gewonnen, beide gegen den derzeitigen Viertletzten HC Feldkirch. Zwischen diesen beiden Partien setzte es zwölf Niederlagen am Stück.

Der 37:26-Heimsieg im letzten Spiel vor Weihnachten brachte die Hoffnung zurück.  Geiger hat den Glauben an Rettung „noch lange nicht aufgegeben“ und versucht, diesen Glauben auf seine Schützlinge zu übertragen. Die haben beim Triumph gegen Feldkirch ihren Trainer mit einer „deutlich verbesserten“ Abwehrarbeit überrascht. Genau das, was Geiger seit Amtsantritt Anfang November immer wieder trainieren ließ. Es hat lange gedauert, bis sie es verstanden haben.

Pozan bringt Leidenschaft

Die Steigerung in der Deckung macht der Coach an einem Namen fest. Der reaktivierte Cetin Pozan hat nach eineinhalb Jahren Pause bei seinem Debüt genau die Eigenschaften vorgelebt, die Geiger zuvor bei seiner Mannschaft vermisste: „Er brachte Sicherheit und Kampfeswillen rein“, lobt Geiger. Drei Zeitstrafen und die damit verbundene Rote Karte fünf Minuten vor Schluss dokumentieren die  von Pozan eingebrachte physische Komponente.

Im Angriff war der Rückkehrer mit einem Treffer noch kein entscheidender Faktor, die größten Sorgen drücken die SG ohnehin auf einer anderen Position. Cetin ist Kreisläufer, eng ist’s bei KuGi derzeit im Rückaum. Spielmacher Felix Däumling hat sich beim Albert-Bader-Turnier eine Knieverletzung zugezogen. Nach der MRT wissen die Ärzte nur, dass die Bänder stabil sind. Die Herkunft eines dicken Blutergusses müssen sie erst noch ergründen. Die Ausfalldauer beziffert Geiger nach derzeitigem Kenntnisstand auf „fünf oder sechs Wochen“.

Mit Knieproblemen fehlte zuletzt schon Marvin Freichel, sein Trainer hofft, dass der Rückraumschütze dank einer Bandage künftig wieder Tore werfen kann. Ob das klappt, ist noch offen, andere Optionen gibt es nicht. Der Trainer würde „gerne jemanden holen“, aber das sei zum jetzigen Zeitpunkt der Saison „nicht so einfach“. Es müssen wohl die richten, die schon da sind.

In Geigers Hochrechnung reichen 20 Punkte für die Rettung, seine Mannschaft hat bislang vier auf dem Konto. In den verbleibenden elf Spielen kalkuliert der Coach mit vier Siegen gegen die direkten Konkurrenten. Da diese acht Zähler noch längst nicht reichen, braucht sein Team zusätzlich noch  „zwei Überraschungssiege“.

Das wichtigste Spiel ist gleich das erste. Zum Jahresauftakt am 27. Januar kommt der Fünftletzte SG Lauterstein II in die Hohensteinhalle. Auf diese Partie trainiert die SG hin. Der Fokus in den Übungseinheiten liegt weiter auf der Abwehr, sie gibt gegen die zweite Mannschaft des Oberligisten den Ausschlag.

Ein Heimsieg gegen Lauterstein II soll eine Welle der Euphorie entfachen, auf der KuGi durch die restliche Rückrunde surfen kann. Das Unternehmen Klassenverbleib steht und fällt mit dem ersten Spiel. Verliert seine Mannschaft, droht auch der Optimismus des Trainers zu schwinden. In dem Fall, kündigt Geiger an, müsse er seine 50:50-Prognose „deutlich nach unten korrigieren“. Die Chancen, doch noch die Rettung zu schaffen, bewegen sich nach einer Pleite gegen die SGL II im Promillebreich.