Interview Lena Urbaniak: Sport erst, wenn Körper Ja sagt

Lena Urbaniak mit der Kugel im Ring. Wann und ob es solche Bilder wieder gibt, lässt sich derzeit noch nicht sagen.
Lena Urbaniak mit der Kugel im Ring. Wann und ob es solche Bilder wieder gibt, lässt sich derzeit noch nicht sagen. © Foto: dpa
Böhmenkirch / Thomas Friedrich 08.08.2018
Die verletzte Lena Urbaniak schaut sich das EM-Finale der Kugelstoßerinnen in Berlin live im Stadion an.

Früh in der Saison platzten schon die EM-Träume. Kugelstoßerin Lena Urbaniak aus Böhmenkirch kann wegen anhaltender Rückenschmerzen noch immer nicht trainieren. Im GZ-Interview spricht die 25-Jährige über ihre Situation und über das EM-Finale heute Abend in Berlin.

Zurzeit muss jedes Interview mit Ihnen mit derselben, wahrscheinlich langsam nervigen, Frage beginnen: Wie geht es Ihnen?

So weit ganz gut. Ich habe durch meine Rückenschmerzen noch ein paar Einschränkungen im Alltag, aber es geht schon.

Einschränkungen welcher Art?

Ich habe immer wieder Schmerzen beim Sitzen, Stehen, Liegen und Laufen. Außerdem kann ich keine schweren Wasserkästen tragen.

Da findet sich doch wohl jemand, oder?

Klar, da finde ich immer jemanden, der hilft. Ansonsten kann ich aber meinen Alltag alleine bewältigen.

Ab wann können Sie Ihren gewohnten sportlichen Alltag wieder aufnehmen?

Dafür gibt es noch keinen fixen Zeitpunkt. Ich mache mir da auch keinen Stress. Meine Trainer, Physios, Ärzte und ich sind uns völlig einig, dass meinem Körper genügend Ruhe gegeben werden muss. Sport gibt es erst dann wieder, wenn der Körper Ja sagt.

Ist denn wenigstens gesichert, dass Sie irgendwann wieder Hochleistungssport treiben können?

Das bleibt abzuwarten. Es muss sich alles geben, ich treffe auf jeden Fall keine voreiligen Entscheidungen.

Am Mittwochabend steigt in Berlin das Finale der Kugelstoßerinnen, an dem sie auch sehr gerne teilgenommen hätten. Wo schauen Sie es sich an?

Im Stadion. Ich bin schon seit Montag in Berlin, habe das Finale der Männer und auch die Qualifikation der Frauen gesehen. Ich schaue mir das Spektakel als begeisterte Sport-Enthusiastin an. Ich liebe die Leichtathletik zu sehr, um mir so ein Event entgehen zu lassen.

Mit einer Träne im Auge?

Natürlich hätte ich viel lieber selbst im Finale mitgestoßen. Aber deswegen werden auf der Tribüne die Emotionen nicht mit mir durchgehen. Ich wusste ja schon lange, dass ich nicht dabei sein kann. Ich schaue mir das Finale ganz neutral an.

Drücken Sie den Deutschen die Daumen oder sind Sie so neutral, dass es Ihnen völlig egal ist wer gewinnt?

Nein, natürlich freue ich mich für die deutschen Kugelstoß-Frauen. Es sind ja alles Kolleginnen, die ich lange kenne.

Wer gewinnt heute Abend?

Der Sieg geht nur über Christina Schwanitz. Wenn sie nicht gerade einen hundsmiserablen Tag erwischt, wird sie Gold holen.

Problemzone Wirbelsäule

Lena Urbaniak von der LG Filstal spürte schon fast das gesamte Jahr über Schmerzen im Rückenbereich. Wie sich herausstellte, war die Ursache der ständigen Schmerzen ein Gleitwirbel im Lendenwirbel-Bereich, ein sogenannter Spondylolisthesis. Dieser Wirbel behält nicht mehr seine fixe Position in der Wirbelsäule, sondern verschiebt sich ständig und drückt auf Nerv oder Bandscheibe. Im Nachhinein lässt sich nicht mehr feststellen, ob die Störung durch eine Überbeanspruchung verursacht wurde, wie sie bei Hochleistungssportlern immer wieder vorkommt, oder durch eine Fehlbildung.

Statt Leistungssport geht’s jetzt ein paar Stufen niedriger zu. Die 25-jährige Böhmenkircherin ist jeden Tag am Olympia-Stützpunkt in Stuttgart und macht Sport, aber eben nur Aufbautraining.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel