Interview Tim Fuchs verpasst Wettkampf

Tim Fuchs schnallt die Sprungskier in Oberstdorf ab. Um ein Haar hätte er sie einen Tag später wieder anziehen können.
Tim Fuchs schnallt die Sprungskier in Oberstdorf ab. Um ein Haar hätte er sie einen Tag später wieder anziehen können. © Foto: actionpress
Von Thomas Friedrich 03.01.2018
Tim Fuchs (Stubersheim) verpasst bei der Qualifikation in Oberstdorf haarscharf den Wettkampf der Vierschanzentournee.

Nur ein Meter fehlte Fuchs in Oberstdorf zur Teilnahme am Wettkampf, den er als 52. knapp verfehlte. In Garmisch sprang er auf Rang 62 deutlicher am Ziel vorbei. Vor wenigen Wochen noch war der 20-Jährige vom SC Degenfeld sogar aus dem zweitklassigen Continentalcup geflogen. Im GZ-Interview spricht er über sein schnelles Comeback und über mentale Stärke.

Hätte Ihnen vor sechs Wochen jemand vorausgesagt, Sie dürften die Qualifikationsspringen bei der Vierschanzentournee bestreiten, hätten Sie den gleich einliefern lassen?

Ich hätte ihm auf jeden Fall nicht geglaubt. Die Vierschanzentournee hatte ich zu dem Zeitpunkt längst abgeschrieben.

Was ist in den sechs Wochen passiert, in denen Sie sich erst die Rückkehr in den Continentalcup und dort noch das Ticket für Oberstdorf und Garmisch gesichert haben?

Ich habe mich nicht verrückt machen lassen und setzte im Wettkampf nur das um, was ich zuvor trainiert hatte. Die anderen haben sich vielleicht zuviel Druck gemacht, die Tournee unbedingt erreichen zu müssen. Ich bin dagegen ganz entspannt rangegangen.

Heißt das im Umkehrschluss, dass Sie sich in der Vergangenheit manchmal selbst zu sehr unter Druck gesetzt haben?

Das weiß ich nicht. Ich arbeite derzeit mit einer Psychologin, die sich jede Woche zwei bis drei Stunden um mich kümmert. Das hat vielleicht den Ausschlag gegeben, dass ich jetzt viel entspannter bin. Hinzu kommt ja auch noch eine gewisse Erfahrung, die man über die Jahre sammelt. Sie macht einen bei solchen Ausscheidungsspringen ruhiger.

Sind Sie trotz Ihres Höhenflugs etwas enttäuscht, dass es bei der Tournee mit dem Erreichen des Wettkampfs nicht geklappt hat? In Oberstdorf fehlte ja nur ein Meter.

Einerseits bin ich natürlich enttäuscht. Auf der anderen Seite hätte dann binnen weniger Wochen ja wirklich alles passen müssen. Mein Trainer sagte mir, Karl Geiger habe früher gar dreimal den Wertkampf knapp verpasst. Jetzt ist er fester Bestandteil des deutschen Weltcupteams.

Sie haben jetzt Blut geleckt?

Natürlich. Es waren ja hoffentlich nicht meine letzten Auftritte bei der Tournee. Dann habe ich vielleicht auch mal Glück mit dem Wind, was diesmal in Oberstdorf wie in Garmisch gefehlt hat.

Sie waren zum dritten Mal im nationalen Kontingent bei der Tournee. Bis jetzt hat’s nur einmal mit dem Erreichen des Wettkampfs geklappt.

Ja, gleich bei meiner Premiere als 17-Jähriger. Das ist bislang meine einzige A-Weltcup-Teilnahme geblieben. Es dürfen gerne noch einige dazukommen.

Jetzt aber erstmal die Ochsentour Continentalcup?

Am Wochenende springe ich in Titisee-Neustadt. Vielleicht gehöre ich ja schon zum festen Starterfeld, ansonsten eben zum nationalen Kontingent. Ich will auf jeden Fall schnellstmöglich wieder fix dazugehören.

Skispringer mögen ja eigentlich keinen Rückenwind. Der psychologische Rückenwind aus den vergangenen Springen kommt Ihnen aber sicher recht, oder?

Ich gehe auf jeden Fall mit deutlich mehr Selbstvertrauen an die Sache heran. Ich spüre, dass etwas in Bewegung ist und ich mein Gefühl für die Sprünge wieder bekomme. Mit freiem Kopf springt es sich einfach besser.

Die Tournee vor der Tournee

Drei Springen Anlauf brauchte Tim Fuchs, um sich für das nationale Kontingent zu qualifizieren, das die gastgebende Nation als Veranstalter bei der Vierschanzen-Tournee zusätzlich zu den fest qualifizierten Springern im Weltcup stellen darf.

Beim Deutschlandpokal Ende November in Seefeld belegte der 20-jährige Stubersheimer in Diensten des SC Degenfeld die Ränge zwei und drei. Die beförderten ihn ins deutsche Aufgebot für den FIS-Cup im norwegischen Notodden. Dort sprang er auf die Plätze 12 und 13, schaffte damit die Rückkehr in den Continental Cup (COC).

In Engelberg in der Schweiz ging es kurz nach Weihnachten im COC um das letzte deutsche Ticket für die Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen. Fuchs war auf den Plätzen 28 und 29 bester Deutscher und schnappte damit den Konkurrenten Paul Winter, Fabian Weigel, Cedric Weisl, Jonathan Siegel sowie dem renommierten Marinus Kraus den Platz im deutschen Aufgebot weg.