Leichtathletik „Die Waden machten zu und ich hatte Angst vor einem Krampf“

Jürgen Keller beim Laufen, künftig wieder gemeinsam mit der Gattin in den Bergen.
Jürgen Keller beim Laufen, künftig wieder gemeinsam mit der Gattin in den Bergen. © Foto: Ralf Görlitz
Geislingen / Von Thomas Friedrich 17.04.2018

Jürgen Keller von der LG Fils­tal lief bei der Deutschen Meisterschaft über 50 Kilometer in Ebershausen zum Titel in der Altersklasse der Senioren 55-60. Der 59-jährige Geislinger stellte in 3:33,41 Stunden gleich noch eine Jahres-Weltbestleistung für seine Altersklasse auf. Seine Ehefrau Elke Keller gehört zu den weltweit besten Berg­läuferinnen ihrer Jahrgänge.

Glückwunsch, Herr Keller. Sind Sie jetzt doch mal aus dem Schatten Ihrer Ehefrau herausgetreten?

So sehe ich das überhaupt nicht. Wir laufen ja schließlich nicht gegeneinander. Voriges Jahr sind wir bei der Deutschen Meisterschaft in Gmünd gemeinsam gelaufen und haben beide den Titel geholt. Dieses Jahr will Elke keine langen Läufe mehr bestreiten und fokussiert sich mehr auf die Berge.

Bei aller Freude über die jeweiligen Erfolge des Partners: Gibt’s nicht doch eine gewisse Rivalität?

Nullkommanull. Bei der Deutschen Crosslaufmeisterschaft zum Beispiel war klar, dass ich wegen Trainingsrückstands nichts reißen kann. Ich habe mich total über Elkes Rennen gefreut und sie ständig angefeuert. Während meines Laufes habe ich sogar das Handy gezückt, um Bilder von ihr zu machen. Vor lauter Aufregung habe ich versehentlich die Videofunktion aktiviert. Jeder von uns freut sich einfach über die Erfolge des anderen.

Jetzt sind Sie Weltjahresbestzeit gelaufen. Welche Aussagekraft hat die zum jetzigen Zeitpunkt?

Eine große. Klar kommen weltweit noch einige Wettkämpfe, aber wenn ich es mit dem Vorjahr vergleiche, wäre ich mit meiner Zeit am Ende auf Platz zwei  der weltweiten Bestenliste gestanden.

Sie hatten mit so einer Leistung gar nicht gerechnet, weil Sie die DM direkt aus dem Trainingslager am Gardasee bestritten und viele Kilometer in den Beinen hatten. Wie schnell wäre es denn sonst gegangen?

Mit einer vernünftigen Vorbereitung vielleicht so Richtung 3:30 Stunden oder knapp darunter. Da wäre ich wohl in den Bereich des Weltjahresbesten 2017 gekommen.

Haben die 113 Trainingskilometer bei 5100 Höhenmeter am Gardasee eine Woche zuvor die Beine wirklich so schwer gemacht?

Das kann man wohl sagen. In der siebten von zehn Runden habe ich schon abgewunken und gedacht, da geht gar nichts mehr. In dem Moment machten die Waden ein bisschen zu und ich hatte Angst, einen Krampf zu bekommen. Der blieb zum Glück aber doch aus.

Wollen Sie Ihre Zeit dieses Jahr noch verbessern?

Nein, das war mein letzter flacher Fünfziger für 2018. Solche Anstrengungen sollte man selbst als Junger sich schon nicht zu oft zumuten, in meinem Alter erst recht nicht mehr. Ich habe die ganze Woche nach dem Rennen nichts mehr gemacht.

Sie haben’s ja wie Ihre Gattin auch lieber hügelig. Was steht noch an in diesem Jahr?

Im Mai fliegen wir nach La Palma und laufen die Transvulcania. Da geht’s 74 Kilometer über die gesamte Insel, inklusive 4300 Höhenmetern. In den Bergen kann ich auch mit meiner Frau gemeinsam laufen. Das ist viel schöner, als wenn jeder sein eigenes Rennen bestreitet und der andere nur zuschaut.

Kein Senior lief schneller als Keller

Jürgen Keller von der LG Filstal lief bei der Deutschen Meisterschaft über 50 Kiölometer in Ebershausen zum Titel in der Altersklasse der Senioren 55-60. Der 59-jährige Geislinger stellte in 3:33,41 Stunden gleich noch eine Jahres-Weltbestleistung für seine Altersklasse auf. Seine Ehefrau Elke Keller gehört zu den weltweit besten Bergläuferinnen ihrer Jahrgänge.