Ringen Profiringer: Aus Kriegsgebiet in Bundesliga

Blaufelden / RALF MANGOLD 02.07.2013
Seit einem Dreivierteljahr lebt Lal Mohammad Heidary nun schon in Deutschland. Doch seine Zukunft ist mehr als ungewiss - er ist nämlich Asylbewerber und kommt aus den Kriegswirren Afghanistans.

Der Tagesablauf ist recht eintönig. Mit drei weiteren Männern teilt er sich ein Zimmer. "Ich halte mich fit durch Kraftübungen und Joggen", erzählt Heidary, der seit knapp acht Monaten im Asylbewerberheim in Blaufelden untergebracht ist, dafür aber schon recht ordentlich Deutsch versteht und spricht. "Nur an das deutsche Essen muss ich mich noch gewöhnen", erzählt er schmunzelnd. Schade findet er, dass die Bewohner der Asylunterkunft wenig Kontakt zu den Einheimischen haben. So könnte er die Sprache noch schneller lernen.

In Afghanistan herrscht immer noch Krieg

Wegen des Kriegs in Afghanistan ist er vor rund neun Monaten nach Deutschland geflüchtet. Ständig lebt er in Angst um seine Familie, die noch in Afghanistan lebt. Nur über das Handy hat er Kontakt zu den Verwandten. "Auch wenn es in der Öffentlichkeit nicht mehr so wahrgenommen wird, in Afghanistan herrscht immer noch Krieg und es ist lebensgefährlich, sich dort aufzuhalten." Wegen einer Tante, die in Freiburg lebt, sei er nach Deutschland geflüchtet.

Doch inzwischen hat er ein bisschen Hoffnung, in Deutschland Fuß zu fassen. Früher war Heidary nämlich Profisportler. Schon mit sieben Jahren hat er mit dem Ringen begonnen. Er durfte vor vier Jahren beim Weltcup in Aserbeidschan in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm für die afghanische Nationalmannschaft auf die Matte. Und Ringen ist in Afghanistan neben Cricket, Fußball und Volleyball ein Volkssport.

Nun hat Heidary ein Angebot, für den KSV Aalen in der Bundesliga zu ringen. Seit rund zwei Monaten trainiert er bereits zweimal wöchentlich dort mit. "Es ist sehr schwierig, nach Aalen mit dem Zug zu kommen, aber vielleicht klappt es ja bis September, dass ich da eine Wohnung oder Unterkunft bekomme."

Dem Krieg entfliehen

So bietet ihm der Sport möglicherweise eine große Chance, dem Krieg zu entfliehen und in der Gesellschaft anzukommen. Der Ausgang der Geschichte ist allerdings - wie bei wohl allen Asylbewerbern - äußerst ungewiss. Heidary kann nur hoffen, dass er nicht irgendwann zurück in die Krisenregion muss. Oder, dass es Frieden gibt.

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