Moment mal, bitte! „Die Kinder haben keine Angst“

Christina Schmelcher drückt ihrer Tochter Dominique die Daumen, wenn sie für den MSV Bühlertann BMX-Rennen bestreitet. Zudem ist Christina Schmelcher die stellvertretende Abteilungsleiterin.
Christina Schmelcher drückt ihrer Tochter Dominique die Daumen, wenn sie für den MSV Bühlertann BMX-Rennen bestreitet. Zudem ist Christina Schmelcher die stellvertretende Abteilungsleiterin. © Foto: Ufuk Arslan
Bühlertann / Viktor Taschner 30.06.2018

Für die BMX-Abteilung des MSV Bühlertann sind die Heimrennen am Sonntag der Höhepunkt. Die stellvertretende Abteilungsleiterin Christina Schmelcher erzählt über den Organisationsaufwand und das Gefühl, wenn die eigene Tochter ihr Rennen fährt.

Frau Schmelcher, wie laufen die Vorbereitungen auf das Heimrennen?

Christina Schmelcher: Etwas schleppend, weil auch bei uns die helfenden Hände nicht so ausreichend da sind. Wir sind eine kleine Abteilung im großen Verein, deswegen brauchen wir alle. Wir gehen dann in der Woche des Wettbewerbs verstärkt ran und dann wird bis Sonntag alles passen.

Welche Aufgaben stehen kurz vor dem Rennen noch an?

Wichtig ist zum Beispiel, die Strecke auf Vordermann zu bringen. Der alte Belag wird abgekratzt und der neue wird dann aufgetragen. Zudem muss das Unkraut entfernt werden, damit die Strecke wieder etwas breiter wird. Zum Schluss müssen wir den Startbereich aufbauen und die Streckenbegrenzungen anbringen.

Am Sonntag sind bestimmt wieder einige Neulinge dabei, die ihr allererstes BMX-Rennen bestreiten …

Ja, bei unseren Nachwuchsfahrern sind es zehn Neulinge. Sie haben im April erst mit dem Schnuppertraining angefangen und trauen sich jetzt, ihr erstes Rennen zu fahren.

Sind sie besonders nervös?

Ja, natürlich. Ein Rennen ist etwas ganz anderes als ein Training. Die Saison läuft ja bereits, deswegen werden die anderen Kinder einen Vorsprung haben an Erfahrung. Die wissen schon, was sie machen müssen. Deswegen wird es schon spannend sein, wie sich unsere Neulinge schlagen.

Wie nimmt man den Kindern die Angst vor einem Sturz?

(überlegt kurz) Die Kinder haben da keine Angst. Sie haben Respekt, aber Angst wie wir Erwachsenen, dass wir uns verletzen könnten, haben sie nicht. Klar gibt es manchmal Tränen, wenn es wehtut, aber dann heißt es, sich schütteln und weiter geht’s. Die Kinder sind da echt robust.

Was lernen die Kinder beim BMX-Training zuerst?

Zum Beispiel, wie man über die Hindernisse fährt, wie viel Schwung man dazu braucht und wie man die Hügel anfährt. Im BMX-Sport fährt man nur im Stehen. Im Sitzen hebelt es einen schnell aus. Sie müssen lernen, die ganze Bahn im Stehen zu fahren.

Wie unterscheidet sich ein BMX-Rad von einem normalen Fahrrad?

Das BMX-Rad hat eine spezielle Geometrie. Es gibt nur eine Bremse. Eine Rücktrittbremsung  ist nicht möglich, weil ein Leerlauf drin ist. Und das Rad hat nur einen Gang. Wenn eine kleine Übersetzung eingestellt ist, muss man über eine schnelle Trittfrequenz aufs Tempo kommen. Wenn ein großer Gang eingestellt ist, dann kommt man mehr über die Kraft.

Was kostet ein BMX-Rad?

Je nachdem. Von 450 Euro bis 1200 Euro ist alles dabei. Das kommt auf das Material an. Wenn es zum Beispiel einen Karbonrahmen hat, dann ist es teurer.

Sie sind selbst nicht BMX gefahren. Wie kamen Sie trotzdem dazu?

Wegen meines Neffen Jannik Hermann. Durch ihn sind meine Töchter auf BMX gestoßen. Meine große Tochter Denise hat es auch versucht, aber sie ist dann eher aufs Pferd übergegangen. Aber Dominique hat recht schnell Fahrradfahren gelernt und eine Woche später ist sie mit ihrem Rädle auf die BMX-Bahn. Seitdem sind wir dabei. Und die Gemeinschaft ist toll.

Mit Sicherheit ist die Aufregung größer, wenn die eigene Tochter ihre Rennen fährt …

Mittlerweile geht’s. Am Anfang dachte ich natürlich: das kleine Mädchen und die großen, hohen Hindernisse, die Steilwandkurven, geht das gut? Da hat man schon Angst und die Sorge, ob alles passt. Sie war dreieinhalb, als sie mit dem Sport angefangen hat. Aber jetzt, bei den Baden-Württemberg-Cup-Rennen zum Beispiel, bin ich entspannt, weil ich weiß, dass sie ihr Ding macht. Sie fährt ja vorne mit. Aber in der nächsten Woche sind die deutschen Meisterschaften in Weiterstadt. Das wird für sie das erste große Highlight. Da werde ich bestimmt tierisch angespannt sein.

Um welche Aufgaben müssen Sie sich am Sonntag, dem Renntag, alles kümmern?

Vormittags teile ich das Personal ein. Dann schaue ich bei der Rennleitung, ob beim Einschreiben alles passt. Und ich werfe natürlich auch ein Auge auf unsere Neulinge, damit sie sich zurechtfinden. Ich muss sie wahrscheinlich auch etwas runterbremsen, damit sie nicht die ganze Zeit mit ihrem Rad herumwuseln und auch mal Pause machen. Ab Mittag helfe ich bei der Erfassung der Ergebnisse im Ziel mit und danach kümmere ich mich um die Siegerehrungen. Und am Ende kommt noch das Aufräumen.

Das freie Training beginnt um 10 Uhr, die Rennen starten ab 12.30 Uhr. Wie lange dauert dann der Sonntag für Sie?

Von morgens um acht bis abends um acht. Wenn alles gut läuft, dann kann man zu Hause schneller entspannen. Aber man ist schon den ganzen Tag angespannt, weil man den anderen Vereinen ja was bieten will. Bislang gab es aber nur Lob von den anderen. Wenn man genügend Personal hat, dann läuft’s eigentlich immer gut. Und das Wetter soll ja am Sonntag auch ziemlich mitspielen. Deswegen sind wir optimistisch und hoffen, dass sich kein Teilnehmer schwer verletzt.

Steckbrief Christina Schmelcher

Geburtstag: 19. August 1977
Geburtsort: Gaildorf
Wohnort: Fichtenberg
Familienstand: verheiratet, zwei Töchter: Denise (geboren 2006), Dominique (2009)
Beruf: Fitnessberaterin
Hobbys: BMX, Reiten, Familie
Bisherige Stationen: MSV Bühlertann (seit 2012), TSF Welzheim Abteilung Radsport (seit Januar 2018)

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