Körperwahrnehmung, Ganzkörperkräftigung und Koordination sind drei zentrale Begriffe
­bei den Übungseinheiten von ­Taekwondo. Das spüre ich übrigens bei meinem Selbstversuch schon bei den ersten Aufwärmübungen am eigenen Körper. Nach dem Warmlaufen und Dehnen sind zudem bereits die ersten Schrittfolgen gefordert, die bei dem Kampfsport eingesetzt werden.

Ich merke schnell, dass ich lange nicht mehr so gelenkig bin wie die knapp 20 Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 14 Jahren, die beim TSV Schrozberg in der Taekwondo-Abteilung mittrainieren. Mit den Füßen komme ich nicht ganz so hoch wie die anderen und meine Hände berühren beim Dehnen bei Weitem nicht wie gefordert den Boden. „Das ist aber überhaupt kein Problem. Wir nehmen jeden auf dem Leistungsstand mit, auf dem er gerade ist“, benötige ich laut Trainerin Lilo Brunner nur genügend Training, dann könne ich da auch mithalten.

Gefallen hat mir, dass mich keiner auslacht, wenn mir etwas nicht ganz oder auch gar nicht gelingt. Meine jugendlichen Sportkameradinnen und -kameraden helfen mir dabei, die Abläufe richtig hinzubekommen – und dies mit größter Geduld, denn ich vergesse immer wieder einen Teil davon. Doch Lilo Brunner macht mir erneut Hoffnung: „Taekwondo kann man in jedem Alter lernen.“ Die 58-Jährige hat selbst erst vor rund 18 Jahren Gefallen an dem Sport gefunden, inzwischen hat sie sogar den 3. Dan. „Mein Sohn war beim Taekwondo und so bin ich eigentlich ganz zufällig dazugekommen.“

Seit sie die Abteilung vor rund sieben Jahren gegründet hat, kommt sie allerdings nur noch ganz selten zum Selberüben. Mittwochs und donnerstags leitet sie nämlich ehrenamtlich die Übungseinheiten von 17 bis 18.30 Uhr in der Stadthalle neben ihrem zeitaufwendigen Beruf als Lehrerin an einer Sonderschule für Kinder mit Behinderung. „Mir ist wichtig, dass die Kinder Freude am Sport haben und nicht nur die Leistung im Vordergrund steht. Jeder kann mitmachen“, will sie auch weniger sportlichen Kindern eine Möglichkeit zum Trainieren anbieten. „Das wäre bei einem Mannschaftssport sicherlich schwieriger.“

Kooperation mit TSV Blaufelden

Besonders talentierte Jugendliche empfiehlt sie die Taekwondo-Abteilung in Blaufelden, „ich könnte sie in unserer Gruppe nicht entsprechend fördern“. Lilo Brunner schätzt die gute Zusammenarbeit mit der Taekwondo-Abteilung des TSV Blaufelden. „Wenn ich beruflich verhindert bin, werde ich von einem Blaufeldener Trainer vertreten.“ Hermann Deeg, Gründer und Cheftrainer der Blaufeldener, nimmt zudem die Gürtelprüfungen in Langenburg ab. „Unsere Kooperation ist eine ganz tolle Sache.“

Stephan Krämer ist seit zwei Jahren beim Taekwondo und trainiert einmal wöchentlich. In einer Karate-AG an der Schule hatte der 13-Jährige ersten Kontakt mit einem Kampfsport und gleich Gefallen daran gefunden. Durch einen Freund kam er dann zum Taekwondo und hat inzwischen den gelb-grünen Gurt.

Trainingspartner mit Geduld

Der Junge aus Oberloh wird mir als Trainingspartner zugeteilt. „Ganz wichtig beim Taekwondo sind Disziplin und Aufmerksamkeit“, gibt er mir als Tipp gleich zu Beginn. „Jede Übung hat einen speziellen Namen“, erklärt er mir weiter, als es an die ersten Drehkicks geht, die mit dem lauten Kampfschrei noch bedrohlicher wirken.

Im zweiten Teil des Trainings sind gemeinsame Übungen für den Formenlauf angesagt. Da muss ich passen, ich würde die Gruppe wohl vollständig aus dem Konzept bringen. Erst wird dort der Ablauf feststehender Figuren gegen „unsichtbare“ Gegner geübt, dann geht es an den Feinschliff. Die Jugendlichen unterstützen sich beim Training gegenseitig. Zum Schluss machen alle noch einmal einen Kreis und die Muskeln werden gelockert. Da bin ich dann auch wieder dabei und wie zu Beginn der intensiven Trainingsstunde verbeuge ich mich. „Die Übungen beim Taekwondo sind nur zur Selbstverteidigung“, erklärt mir Stephan noch. Manchmal werden die Kicks und Schläge auf eine Pratze durchgeführt, um das Training wirklichkeitsnäher zu gestalten. „Mir ist es eigentlich egal, mit wem ich übe, man kann immer voneinander lernen“, war er sehr geduldig mit mir als Anfänger. Teamwork wird bei den Übungseinheiten allgemein ganz großgeschrieben. „Wenn man konzentriert trainiert, sieht man auch schnell Fortschritte“, gibt er mir am Ende noch mit auf den Weg.

Ein gemeinsames Ziel

Na ja, ganz so schnell ging es dann doch nicht. Nach einer Einheit war ich eigentlich so schlau wie vorher, Kinder lernen einfach leichter und schneller. Aber ich habe dennoch etwas mitgenommen: Alle haben hier ein gemeinsames Ziel und helfen sich gegenseitig, dies zu erreichen. So etwas fehlt oftmals bei anderen Sportarten, in denen der Konkurrenzdruck und das Leistungsprinzip oftmals zu sehr im Vordergrund stehen.

HT-Mitarbeiter probieren selbst aus


Als Fortsetzung der Sommerserie besuchen Mitarbeiter des Hohenloher Tagblatts wieder verschiedene Gemeinden im Verbreitungsgebiet und probieren sich in diversen Sportarten aus, die normalerweise nicht so sehr im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. rama