Michael Jung war 23 Jahre alt, als er Zuwachs in seiner Box bekam. Mit Sam, dem Wallach aus Württemberger Zucht, sollte der Vielseitigkeitsreiter drei Goldmedaillen gewinnen. Ein sportliches Traumpaar. Sam ist mittlerweile mit 18 Jahren in den Ruhestand gegangen.

Im Pferdesport gibt es manch’ eine Liaison, die Gold wert ist. Eva Terpeluk ist heuer jene 23 Jahre alt. Seit November 2016 sitzt sie auf der neunjährigen Uni’s Black Pearl, einer wunderschönen, schwarzbraunen Trakehner-Stute, ihr „Herzenspferd“, sagt Eva Terpeluk. Und wie es scheint, bilden die beiden ebenso ein sportliches Traumpaar. Jüngst holte das Duo bei einem internationalen Turnier im Haupt- und Landgestüt Marbach Gold. Die Einsterne-Prüfung (CCI*) meisterten die beiden grandios. Eva Terpeluk vom RV Ehingen darf sich Landesmeisterin im Vielseitigkeitsreiten nennen. Und das mit ihr und Uni’s Black Pearl könnte noch eine
Erfolgsstory geben.

Doch derzeit beschäftigt die hoffnungsvolle Buschreiterin auch noch eine ganz andere „Uni“. Sie studiert im vierten Semester Tiermedizin in München. Ein hoch anspruchsvolles Studium, das ihr gerade jetzt im „schlimmsten“ Semester mit insgesamt 13 Prüfungen alles abverlangt. „Ich stecke sehr im Zwiespalt zwischen Reiten und Studium. Ob ich zu einem Turnier fahre, mache ich von den Prüfungen abhängig. Häufig geht es dann nach einem Turnier-Wochenende direkt zurück nach München“, erklärt Eva Terpeluk, die auf die Unterstützung ihrer Eltern zählen kann. „Mein großer Dank gilt Mama, die mit Uni auch ins Gelände geht und den Stall mistet, wenn ich in München bin“, sagt die 23-Jährige – sonst wäre all das gar nicht möglich.

Am Hof ihrer Eltern gab es schon immer Ponys. Eva Terpeluk wuchs mit dem Stallgeruch und den schnaubenden Vierbeinern auf. Und sie saß schon immer gern auf deren Rücken. Nur der Berufswunsch ging in eine andere Richtung: „Kinderärztin wollte ich werden“, erinnert sie sich. Doch als sie dann einmal in Marbach reinschnupperte, da packte sie die Lust am Buschreiten, also der Kombination aus Dressur und Springen im Gelände. Und nach dem Abitur begann sie in Marbach zunächst die Ausbildung als Pferdewirtin. Doch schon immer faszinierte sie der medizinische Aspekt. Keine Frage: An der tierärztlichen Fakultät erhält sie das Wissen über alle biochemischen und anatomischen Aspekte ihres Sports.

Bereits jetzt scheint Eva Terpeluk eine Expertin auf ihrem Gebiet. Sie weiß nur zu gut, das ein PS im Gelände „enormes leisten muss“. Die Vielseitigkeit erfordert eine starke Kondition. Drei Kilometer geht es im Vollgalopp über Hindernisse, meist sind auf dieser Strecke 25 Hürden zu nehmen. Bei mehrtägigen Events werden die Pferde stets auf ihre Verfassung geprüft. „Geeignete Pferde sind dynamisch, nervenstark, aber auch vorsichtig“, sagt sie. Von schweren Stürzen hört man viel. Eva Terpeluk ist froh darüber, noch nie schlimm gestürzt zu sein. Sie kennt ihre Grenzen und die des Pferdes.

Ihrer Stute, die sie im Sommer 2017 dem Züchter Schwalbenrain abgekauft hat, traut sie viel zu. Nächster Schritt wird eine Zweisterne-Prüfung sein. Hier sind die Sprünge höher, die Hecken schräger, alles ist in noch weniger Zeit zu schaffen. Doch das Rüstzeug bringt das Paar mit. „Ich habe doch mit Oliver Schaal einen tollen Springtrainer“, meint die Allmendingerin. Der Marbacher Ausbilder hat ihren Stil nochmal komplett umgestellt. „Früher bin ich viel zu kräftezehrend geritten.“ Jetzt klappt es besser. Und vielleicht flüstert ihr auch Michi Jung ein paar Tipps ins Ohr. Dem berühmten Titelsammler aus Horb begegnet sie regelmäßig auf Turnieren.

520


Meter pro Minute (MpM) muss ein Pferd galoppieren, um eine bis zu 4 km lange Strecke zu absolvieren. Will Eva Terpeluk bei einer CCI** teilnehmen, muss ihre „Uni“ 550 MpM schnell sein.