Jiri Heinisch beschreibt die Situation besonders anschaulich: „Zwei Wochen ohne Spielpraxis sind schon viel. Drei Monate kein Tennis ist wie nach einer Knie-OP“, sagt der Cheftrainer des Tennis-Clubs Ehingen. Die Corona-Pandemie trifft die Rückschlagsportart, deren Freiluft-Saison in den Startlöchern stand, hart. Die Vereine hätten Ende März mit dem Richten ihrer Sandplätze begonnen, Anfang April die Saison eröffnet. Viele hatten bereits erste Turniere für Aktive und Jugendliche geplant. Aber all das muss jetzt Warten bis Juni, nach aktuellen Informationen auf der Verbands-Homepage. Das einzige, was dem Tennisfreund bleibt, ist das Jonglieren eines Balles oder wahlweise einer Klopapierrolle, mit dem Schläger.

Joggen kann keine Matchpraxis ersetzen

„Du kannst Joggen gehen und dich fit halten, aber das ersetzt keine Matchpraxis“, meint Heinisch, dessen Tennis-Schüler nun auch erstmal kein Racket in die Hand nehmen werden. Die Mannschaftsmeldungen der Aktiven und der Jugend wurden längst getätigt. Der Verband hält die Listen aber zunächst unter Verschluss, solange der Saisonbeginn noch in weiter Ferne liegt. „So eine lange Pause ist schwierig. Und dann geht die Runde los und man muss von 0 auf 100 starten“, gibt Heinisch zu bedenken.

„Das Ballgefühl kommt erst wieder mit dem Training“, sagt auch Thomas Unsöld von der TA SV Unterstadion. Er bedauert, dass weder das Training für die Kinder, noch das Bändelesturnier Ende April stattfinden können. Die kleine Tennisanlage in Unterstadion mit drei Plätzen bleibt jetzt erst mal in ihrem Winterzustand.

Auch die TG 83 Ehingen hält sich strikt an die Vorgabe des Verbandes, sich auf der Anlage nicht aufzuhalten. Für die Instandsetzung und die Anbringung der Netze braucht es eine gewisse Anzahl an Leuten. „Die Plätze liegen jetzt da. Vor Juni wird es nichts mit dem Tennisspielen“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Elvira Thielemann.

Glücksfall Kunstrasen

Etwas unkomplizierter gestaltet sich die Situation immerhin bei der TA SV Granheim. Da die Abteilung über Kunstrasenplätze verfügt, gilt es lediglich, die Netze aufzubauen. Abteilungsleiterin Melanie Broß schätzt sich glücklich: „An manchen Stellen Sand ausbringen oder kleinere Verunreinigungen entfernen kann relativ problemlos, auch von Einzelnen, bewerkstelligt werden“, sagt sie. Aber rein sportlich gesehen geht es auch den Granheimern nicht besser: „Für die Saison heißt es natürlich, dass wir uns nicht im gemeinsamen Spiel vorbereiten können. Wobei ja auch nicht klar ist, ob dieses Jahr Rundenspiele stattfinden können.“ Was sie und ihre Vereinskameraden besonders „wehmütig“ stimmt, ist, „dass man bis auf unabsehbare Zeit die Gemeinschaft und den Sport im Verein missen muss.“

Geduld haben bis Juni


Der WTB aktualisierte am 25. März die Bestimmungen hinsichtlich der Corona-Krise:  Die Verbandsrunde, die Hobbyrunde, die VR-Talentiade, der WGV Jugend-Bezirkscup, der WGV-Tennis-Cup in Nord-/Süd-Württemberg und der WTB-Talentcup beginnen nicht wie ursprünglich geplant im Monat Mai, sondern im Juni. Daraus ergibt sich, dass die Spielpläne erst frühestens Ende April veröffentlicht werden können. Diese Entscheidung ermöglicht es den Vereinen, die Frühjahrs-Instandsetzungen der Tennisplätze später durchzuführen. Alle Maßnahmen des Lehrwesens sind bis mindestens 31. Mai abgesagt. Alle vom 16. März erzielten Ergebnisse werden weder für die DTB-Rangliste noch für die Leistungsklassen gewertet.

WTB-Präsident Stefan Hofherr rät indes: „Versuchen Sie in der Zwischenzeit durch Spaziergänge oder häusliche sportliche Betätigung etwas Abwechslung in den Alltag zu bringen. Kommunizieren Sie – jetzt eben in digitaler Form – weiterhin mit Ihren Sportkameraden*innen und lassen Sie den sozialen Kontakt nicht abbrechen.“ hel