Basketball 2. Bundesliga Steeples mit viel Bock

Defensiv eine Mauer, offensiv eine Wucht: Kevin Yebo, Tanner Leissner und Seger Bonifant (v.l.) gegen Kirchheim, das das Team Ehingen Urspring mit 86:84 gewann.
Defensiv eine Mauer, offensiv eine Wucht: Kevin Yebo, Tanner Leissner und Seger Bonifant (v.l.) gegen Kirchheim, das das Team Ehingen Urspring mit 86:84 gewann. © Foto: Emmenlauer
Ehingen / Helen Weible 03.12.2018
Die Mannschaft und einzelne Spieler vom Team Ehingen Urspring versetzen die ganze Liga in Staunen. Diese ProA-Saison ist schon jetzt eine besondere.

Dem Manager vom Team Ehingen Urspring ging es am Samstagabend nicht anders als allen Fans und Basketball-Beobachtern. Was die Mannschaft in der Maspernhölle von Paderborn abgerufen hat, ist außergewöhnlich. Ein verloren geglaubtes Spiel wurde zum zweiten Auswärtssieg umgemünzt. Das 113:100 war auch der vierte Sieg in Serie, der siebte insgesamt. Damit belegen die Steeples derzeit Platz vier.

„Die Mannschaft von Trainer Domenik Reinboth beeindruckt durch tolles Teamplay, unbändigen Einsatz und spektakuläre Aktionen“, formuliert es Nico Drmota und weiß auch warum: „Die Jungs fühlen sich einfach wohl in Ehingen, spüren den Zuspruch des Umfelds und geben dies auf dem Spielfeld zurück.“

Die Voraussetzungen: Der Kader in dieser Saison ist perfekt zusammengestellt worden. „Domenik und Krists Plendiskis haben beim Recruiting einen tollen Job gemacht“, sagt Drmota. Goldjunge Kevin Yebo konnte gehalten werden. Er steht bei den meisten Punkten auf Platz eins und ist zudem bester Rebounder der Liga – und das als deutscher Spieler. Platz drei belegt bei in der Punkte-Statistik US-Einkauf Tanner Leissner. Ein herausragender Korbvorlagengeber ist wie schon mehrfach erwähnt RayShawn Simmons. Das sind die Superlativen. Vom Teamspirit ganz zu schweigen. Die Spieler leben in WGs zusammen, gehen zusammen ins Bad Blau. Die Mannschaft unterstützt sich, die ganze Basketball-Familie unterstützt sich. In Paderborn waren drei Trommler dabei. Auch die JBBL hat jetzt einen Fanclub, den Schüler gegründet haben. „Alles hat seine persönliche Note“, sagt Oliver Heptner, Trainer der U-16-Bundesliga-Auswahl. Professionelles Basketball auf familiärer Basis also – anscheinend ein Erfolgsrezept.

Die Ansprüche: Drmota bleibt dabei, dass der überraschende, sportliche Erfolg nur als Moment­aufnahme gesehen werden darf. Man stehe zwar deutlich besser da als noch vergangene Saison, als es nach elf Spielen 2:9 hieß. Aber den Klassenerhalt hat dieses Team in dieser engen Liga noch nicht geschafft. Der Ehinger Manager geht davon aus, dass zehn, elf Siege benötigt werden, dass das Saisonziel erreicht wird, eventuell noch mehr.

Die Endgegner: Wenn die Chemnitz 99ers das Maß aller Dinge sind, dann verleiht das der anstehenden Partie in der JVG-Halle den absoluten Reiz eines Topspiels. Was wäre, wenn den Ehinger Basketballern die Sensation gelänge? Die Verantwortlichen wollen und können schlichtweg nicht bis dahin weiterdenken. „Den Jungs haben gerade viel Bock und sie sollen weiter so spielen“, so Drmota diplomatisch. Jetzt nehme man alles mit, was geht, und freut sich an allem, was noch kommt.

Auf Mannschaften, die über den Steeples in der Tabelle stehen, trifft man erst im kommenden Jahr: das drittplatzierte und punktgleiche Trier kommt am vorletzten Spieltag am 23. März nach Ehingen. Und auch Hamburg, das bislang acht Siege gefeiert hat, gastiert am 10. März an der Donau. Bis dahin können sich noch viele Verschiebungen ergeben. Doch eins ist jetzt schon sicher: So konstant, wie dieses Team Ehingen Urspring spielt, das hat man lange nicht gesehen.

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