Zum ersten Mal in dieser Saison waren die Ehinger Basketballer froh, dass keine Fans zur Halle Zutritt haben. Denn das, was die Mannschaft bei der 63:108-Niederlage im ProA-Derby gegen die Tigers Tübingen ablieferte, war absolut nicht vorzeigbar. Die Klatsche mit 45 Punkten Differenz gegen einen vermeintlichen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt hinterließ auch Trainer Domenik Reinboth ein wenig ratlos.
So richtig konnte der 37-Jährige das zuvor Geschehene unmittelbar nach der Schlusssirene nicht erklären. Seine Mannschaft war gegen den Ex-Bundesligisten von der ersten Sekunde an in allen Belangen unterlegen. Dabei hatte vor dem Sprungball durchaus Hoffnung auf den zweiten Saisonsieg bestanden. Schließlich hatten die Tübinger in der bisherigen Spielzeit mit erst zwei Erfolgen ebenfalls nicht überzeugt und reisten zudem mit der schlechtesten Defensive der Liga an. Ein Makel, der nun den Ehingern anhaftet.
Denen fiel vom ersten Angriff an nichts gegen die vermeintlich schlechte Abwehr der Gäste ein. Die wurden ihrem Ruf in der leeren JVG-Halle allerdings auch nicht gerecht, sondern präsentierten sich überaus aggressiv und stellten Ehingen vor unlösbare Probleme. Die Tigers waren immer nah am Gegenspieler, ermöglichten den Hausherren keine einfachen Würfe und forcierten so bereits im ersten Viertel acht Ballverluste. „Wenn du keinen Pass spielen kannst, ist es schwer, offensiv reinzukommen“, sagte Reinboth, dessen Team einen Katastrophenstart hinlegte. Bereits nach fünfeinhalb Minuten lag Tübingen, das immer wieder nach Ballgewinnen zu einfachen Punkten kam, mit zehn Punkte vorne (17:7).

5 Punkte in einem Angriff

Der Ex-Ehinger Gianni Otto sorgte mit seinem Treffer für das 32:13 nach zehn Minuten. Im zweiten Durchgang war keine Besserung im Spiel der Gastgeber zu erkennen – im Gegenteil. Als die Tigers bereits mit 48:18 führten (zur Erinnerung, es ist das zweite Viertel!), traf Troy Simons einen Dreier samt unsportlichem Foul. Der Amerikaner verwarf zwar den Bonusfreiwurf, trotzdem waren die Tübinger nach dem fälligen Einwurf erfolgreich und legten mit nur einem Angriff einen 5:0-Lauf zum 53:18 hin. Zur Halbzeit betrug der Rückstand der Ehinger 26 Punkte (29:55).

Debakel zeichnet sich schon früh ab

Mit einem frühen 10:0-Lauf zog die Mannschaft von Trainer Danny Jansson nach der Pause von 55:31 auf 65:31 davon. Da war schon längst absehbar, dass das Derby in einem Debakel endet. Vor allem, weil das Tabellenschlusslicht in der Defensive keinerlei Gegenwehr zeigte und den Gegner zu keinem Zeitpunkt stoppen konnten. Vor allem Joshua Crawley (31 Punkte) war unterm Korb nicht aufzuhalten. Kein gutes Omen für das Heimspiel am Sonntag, wenn Paderborn mit dem ehemaligen Ulmer Center und zweimaligen Bundesliga-MVP John Bryant zu Gast ist.

Jonah einziger Lichtblick

Aber auch sonst hatten die Tübinger wenig Mühe zum Korberfolg zu kommen. Sie spielten sich locker den Frust von der Seele, konnten den Ball nach Belieben laufenlassen, kamen auf 21 Assists und knackten als vierte Mannschaft gegen Ehingen die 100-Punkte-Marke. „Defensiv war es, als ob wir alles vergessen haben, was wir uns in den vergangenen Wochen erarbeitet haben“, sagte ein enttäuschter Reinboth. Der wollte seiner Mannschaft keineswegs den Einsatz absprechen, bezeichnetet den Auftritt aber als „energielos“.
Einziger Lichtblick war noch Center Akim-Jamal Jonah, der mit 17 Punkten eine neue Karrierebestleistung aufstellte und sich mit seinem Einsatz und seinen sieben Rebounds als einziger so richtig gegen die Niederlage stemmte. Der Rest des Teams erwischte einen rabenschwarzen Tag. Oder wie Reinboth das Spiel zusammenfasste: „Das war gar nichts.“