Basketball  Passgeber mit viel Übersicht

RayShawn Simmons setzt nicht nur seine Teamkollegen in Szene, sondern zieht auch selbst zum Korb.
RayShawn Simmons setzt nicht nur seine Teamkollegen in Szene, sondern zieht auch selbst zum Korb. © Foto: Emmenlauer
Ehingen / Maurice Glienke 05.12.2018

Die Spezialität von Ray­Shawn Simmons sind die Assists. In der 2. Bundesliga ProA wurde der Aufbauspieler der Ehinger Basketballer nicht zuletzt wegen seiner überragenden Passquote – im Schnitt 10,4 pro Spiel im vergangenen Monat – zum Spieler des Monats November ernannt (wir berichteten). Bescheiden sagt Simmons dazu: „Ich kann nur so viele Assists passen, wenn der andere auch trifft. Es gehören immer zwei dazu. Dass ich so gut bin, beruht auch auf einem guten Team, welches mir mein Spiel ermöglicht.“ Trainer Domenik Reinboth nennt ihn seinen „General“, seinen verlängerten Arm auf dem Spielfeld.

In seiner dritten Profisaison ist RayShawn Simmons derjenige, der unter den Basketballern von Team Ehingen Urspring schon die meisten Erfahrungen gesammelt hat. „Das hat kein Virgil Matthews geschafft und auch sonst kein Spielmacher in der ProA, an den ich mich erinnern kann“, sagt Teammanger Nico Drmota über die knapp zehn Korbvorlagen,  die  Simmons im Saisonschnitt bisher aufgelegt hat – ein guter Point Guard schafft im besten Fall sechs Vorlagen pro Spiel. Durch die gute Ballbewegung, die der Spielmacher initiiert, kommt das Spiel der Ehinger ins Rollen. Er wolle jeden Spieler mit einbeziehen und merke sich, wie oft jeder Spieler zuletzt den Ball hatte, um so den bestmöglichen Pass zu finden, sagt Simmons.

Woher diese Übersicht kommt, kann sich der 25-Jährige nur daher erklären, dass er in der High School im American Football als Quarterback (Spielmacher) auflief. „Dort braucht es diese Übersicht, um den Mitspieler bei den Spielzügen zu finden“, sagt er. Dazu kommt: Die Kommunikation mit den Mitspielern stimmt einfach bei den Steeples.

In seinem zweiten Jahr an der Webster Groves High School in seiner Heimatstadt St. Louis hatte Simmons mit Football begonnen. Als „Ray“ wie ihn alle nennen, ein Jahr alt war, musste sein Vater für 13 Jahre ins Gefängnis. Sein Onkel wurde eine Art Vaterfigur für ihn, der ihn auch das Football spielen lehrte. Ein Jahr lang probierte er sich dort aus, dann wurde sein Vater aus der Haft entlassen, zwei Monate später starb sein Onkel bei einem Motorradunfall. Knapp zwei Jahre später, in seinem letzten Spiel, zog sich Simmons eine schwere Gehirnerschütterung zu und beendete den Ausflug zum Football. Trotzdem schaut er mit großer Leidenschaft noch so viele Footballspiele wie möglich an und unterhält sich mit seinem Mitspieler Dan Monteroso, der am College auch als Footballer aktiv war, oft darüber.

Freunde sind gefeierte Stars

Simmons verstorbener Onkel war Fan der Dallas Cowboys aus der amerikanischen Profiliga NFL  – dem wertvollsten Sportverein der Welt – und so wurde auch Ray zum Fan. Dass einer seiner besten Freunde, Ezekiel Ellitot, ebenfalls aus St. Louis, nun dort zum Starspieler avancierte, macht ihn zu einem noch größeren Fan. Der ist Simmons aber auch vom NBA-Team Washington Wizards. Nicht nur, weil er sich selbst 2016 und 2017 für diese Mannschaft in der Summer League zeigen durfte, sondern auch, weil sein bester Freund Bradley Beal dort der gefeierte Star ist. „Wir sind seit über zehn Jahren wie Brüder und telefonieren jeden Tag“, erklärt Ray und wirft hinterher: „Bradley schaut sich auch jedes Spiel des Teams Ehingen Urspring an und wir reden über meine Leistung.“ Mit den bisherigen Vorstellungen in dieser Spielzeit haben die Steeples also wohl einen Fan, der pro Jahr mehr als 25 Millionen Dollar verdient, dazu gewonnen.

Dass der Ehinger Spielmacher mit seinen Mitspielern Gianni Otto und Tanner Leissner zusammen wohnt, sieht er eher als Vorteil für die beiden anderen Jungs. „Ich kann meine Erfahrung als Ältester des Teams weiter geben und ihnen hoffentlich eine Hilfe sein.“

Vor seinem Engagement in Ehingen spielte Simmons in Tschechien, Ungarn und Australien und sammelte dort nicht nur positive Erfahrungen abseits des Basketballfelds. „In Ungarn sprachen weder die Leute in der Stadt noch mein Trainer ein Wort Englisch. Das war sehr schwer für mich“, meint der oft in sich gekehrt wirkende 25-Jährige. Er will sich weiter entwickeln und für höhere Aufgaben empfehlen, „eines Tages in der BBL oder in der Euroleague zu spielen, das wäre mein Traum“, so Simmons. „Alles ist möglich. Vor sechs Jahren hätte ich nicht einmal gedacht, in Deutschland als Profi zu spielen“.

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