Leichtathletik Mit Blase ins Ziel

Lauterach / Helen Weible 08.05.2018

Sarah Baumann vom Lauftreff Ehingen konnte es gar nicht glauben. Sie war als drittschnellste Frau beim Hauptlauf über 12,6 Kilometer durchs frühlingsgeküsste Lauter- und Wolfstal ins Ziel gekommen. Sie hatte eine Stunde gebraucht (1:00,40) und wirkte gar nicht arg ausgepowert. Vor lauter Adrenalin hatte sie im Zieleinlauf die lobenden Worte von Moderator JoJo Riedel wohl nicht gehört.

Ein Tag vor ihrem 24. Geburtstag machte Sarah Baumann sich selbst ein schönes Geschenk. „Echt, Drittschnellste? Darauf bin ich stolz“, sagte sie, als sie es in den Ergebnislisten schwarz auf weiß lesen konnte. Im Ziel hatte sie sich mit der Schnellsten unterhalten. Veronika Ulrich, die drahtige, nimmermüde Titelsammlerin von der TSG Ehingen, die Sarah Baumanns Mutter sein könnte. „Ich fühl mich hier wie zu Hause“, sagte die 50-Jährige, sie sei aber mit angezogener Handbremse gelaufen, denn nächstes Wochenende stünden die Deutschen Meisterschaften in Nürnberg an. Bei Kilometer 6 sei sie noch an Stelle zwei gelegen, was sie nicht einfach so hinnehmen wollte. Also nochmal beherzt aufs Gas gedrückt für Platz eins mit 00:55,27. Die Schnellste, wie schon drei Tage vorher beim Stadtlauf in Riedlingen, und wie schon im Vorjahr, aber da zwei Minuten flinker. Veronika Ulrich war 21. von 286 Finisherin im stark besetzten Hauptlauf. Und überhaupt, meinte sie lachend: „Ich bin hier noch mit 80 Jahren dabei!“

Apropos topfit im Alter: Der betagteste 12,6-km-Walker war mit Jahrgang 1936 Georg Schneider (MI-KA Sports) – Hut ab vor dieser Leistung. Zwei Finisher, die schon die 70 erreicht haben, gab es sogar beim Hauptlauf. Beim Jedermannlauf über 6000 Meter pushten sich zwei 13-jährige Jungs zu Höchstleistungen. Hannes Werkmann und Leon Hirsch (beide Team Erdgas Südwest) kamen nach 00:30,34 Minuten zusammen ins Ziel. Leon hatte dabei seinen 50-jährigen Vater Alex Hirsch versägt. Der kam zwei Minuten später ins Ziel. Bei der Lautertalhalle standen sie alle – bestens gelaunt – zusammen und plauderten über den schönen Tag. Die eintrudelten Läufer strömten sofort zum Verpflegungsstand und kippten sich Wasser in die Kehlen und über den Kopf. Auch wenn die Strecken teilweise durch schattige Waldstücke führten, so brannte die Sonne größtenteils für den Monat Mai erbarmungslos herunter.

Dem Sieger war’s zu heiß

„Heiß war’s, schon ’ne Extremsituation“, meinte Hauptlauf-Sieger Alexander Härdtner von der TSG Ehingen. Er inspizierte nach seiner Zeit von 44:36,3 erstmal den rechten Fuß nach der Blase. Am großen Zeh hatte in sich den relativ neuen Schuhen eine ordentliche Blase gebildet. „Die spürte ich ab Kilometer 9“, wusste Härdtner ganz genau; ab da wurde es doch ein bisschen unangenehm für ihn. Er sei mit „sehr gutem Gefühl“ losgelaufen und musste sich dann etwas einbremsen. Mit dem am Ende fünftplatzierten Teamkollegen Stefan Stahl habe er anfangs das Tempo vorgegeben. Stahl musste dann mit Beschwerden abreißen lassen und am Berg hat sich Härdtner schließlich mit Teamkamerad Fabian Löffler zusammengetan und sich abgesetzt. Löffler kam mit sechs Sekunden Rückstand ins Ziel und damit war auch der Mannschaftserfolg der TSG Ehingen unter Dach und Fach. Für den 35-jährigen Härdtner ist es der zweite Gesamtsieg, im Vorjahr wurde er Zweiter.

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