Gespräch Interview mit SSV Ehingen-Süd Trainer Michael Bochtler

Mit Basecap und immer positiver Einstellung am Spielfeldrans: Süd-Trainer Michael Bochtler
Mit Basecap und immer positiver Einstellung am Spielfeldrans: Süd-Trainer Michael Bochtler © Foto: Emmenlauer
Ehingen / Helen Weible 16.06.2018

Der SSV Ehingen-Süd hat das Saisonziel Klassenerhalt in seinem ersten Jahr in der Verbandsliga souverän erreicht. Wie Trainer Michael Bochtler dieses Jahr einschätzt, wie es kommende Saison weiter gehen soll und wie er es mit der DFB-Elf bei der WM hält, lesen Sie hier.

Zum Rückrundenstart sah es noch nicht so rosig für Ehingen-Süd aus. Was lief anders?

Michael Bochtler: Da haben zwei Dinge nicht so gepasst. Zum einen haben wir zu viele Tore bekommen und daraufhin umgestellt und viel mit Fünfer-Kette gespielt und sind 10, 15 Meter tiefer gestanden. Das zweite ist, dass die Spieler in dem halben Jahr in der Verbandsliga gereift sind und einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung gemacht haben. Ich denke da beispielswiese an Lukas Schick, Aaron Akhabue oder Timo Kästle. Jeder hat gezeigt, dass er das Zeug hat, in der Liga zu spielen.

Anfang Mai drohte sogar ein personeller Engpass und ein Ende des Abstiegskampfes war noch nicht in Sicht. Wie haben Sie das kompensiert?

Die Mannschaft war sich im Klaren darüber, dass es nur gemeinsam geht – egal, wer auf welcher Position zum Einsatz gekommen ist. Ich glaube auch, dass wir nach den verletzungsbedingten Ausfällen noch enger zusammengerückt sind. Grundsätzlich richten wir uns im Spiel sehr flexibel aus, sodass wir auf Aktionen des Gegner reagieren können. Nach dem Sieg gegen Rutesheim war es dann etwas entspannter.

Was ist gut gelaufen und wo mussten Sie Korrekturen vornehmen?

Wir können nicht groß meckern. Aber wir müssen spielerisch noch dazulegen, mehr Tempo im Passspiel machen und auch das Timing des Freilaufverhaltens sollte sich verbessern. Auch das Abstimmungsverhalten zwischen Sechser-Position und Innenverteidigung muss besser werden. Bei der Frage, wer übernimmt wen, muss der Sechser auch bereit sein, in der Abwehrkette mitzuarbeiten. Da ist eine noch stärkere Kommunikation gefragt.

Haben Sie sich auf ein bestimmtes System festgelegt?

Wir haben viel im 5-4-1 gespielt und häufiger 4-4-2, aber auch da laufen neue Überlegungen.

Woran ist da gedacht?

Ich denke an ein 4-2-3-1-System, aber die Grundformation ist nicht so wichtig. Wir sollten uns stets flexibel auf die jeweilige Spielsituation einstellen können.

Welche Erfahrungen haben Sie generell im ersten Verbandsliga-Jahr gemacht?

Es ist ein großer Unterschied zur Landesliga. Nicht nur die Qualität der Einzelspieler ist höher, auch taktisch sind die Teams sehr gut geschult. Sobald wir etwas verändern, reagiert der Gegner darauf. Des Weiteren hat das Scouting der Spiele eine verbesserte Qualität. Die Mannschaften sind grundsätzlich besser auf den Gegner vorbereitet.

Hat es auch mal Risse, ein tiefes Tal oder Zweifel gegeben?

Ja, diese Phase hatten wir, als wir in der Vorrunde sechs Spiele am Stück verloren. Das war nicht einfach. Aber wir haben es im Verein geschafft, den Druck von der Mannschaft zu nehmen. Der Pluspunkt in dieser Phase war, dass keiner in Aktionismus verfallen ist. Meine Position wurde seitens des Vereins nie in Frage gestellt, was sich positiv auf die Mannschaft ausgewirkt hat. Im Laufe der Saison gab es immer wieder die Situation, dass einzelne Spieler mit der Einsatzzeit nicht zu 100 Prozent zufrieden waren und doch möchte ich hier betonen, dass alle Spieler mitgeholfen haben, das Saisonziel zu erreichen.

Was würden Sie anders machen?

Gar nicht so viel. Aber in puncto Physis müssen wir zulegen und in der Vorbereitung eine Schippe draufpacken. Und wenn ich die Zeit nochmals zurückdrehen könnte, würde ich das Spiel gegen Dorfmerkingen (0:6-Niederlage) mit einem anderen Matchplan beginnen.

Sie bleiben ja nächste Saison beim SSV Süd. Sind die restlichen noch offenen personellen Fragen geklärt?

Nein, noch nicht ganz. Es fehlen weiter ein zweiter Torhüter und ein Außenverteidiger.

Und was machen die Langzeitverletzten?

Daniel Weber macht ganz gute Fortschritte, er absolviert Teile des Mannschaftstrainings und dürfte im Laufe der Vorrunde wieder soweit sein. Bei Michael Turkalj und Jonas Guggenmoser  dauert es länger. Turkalj wird frühestens im März 2019 mit Lauftraining beginnen können, Guggenmoser dürfte die ganze nächste Saison noch ausfallen und Dominik Gemeinder hat mit dem Fußball abgeschlossen.

Wann beginnt die Vorbereitung?

Vorläufiger Trainingsstart ist am 9. Juli.

Von den Amateuren zu den Profis; am Sonntag startet Deutschland gegen Mexiko in die WM in Russland. Was trauen Sie der deutschen Elf zu?

Man weiß nicht, was sie in der Lage ist zu spielen. Die Mannschaft befindet sich noch nicht im Turniermodus, aber das kann sich schnell ändern. Wenn Deutschland die Vorrunde übersteht, sollte das Halbfinale drin sein.

Wenn Sie Bundestrainer wären, wen hätten Sie mitgenommen, Petersen oder Sané oder beide?

Petersen hätte ich schon gar nicht zum Trainingslager eingeladen. Lieber einen ganz jungen Spieler mit Perspektive für die nächsten Jahre, vielleicht einen aus der U 21. Über Sané kann man streiten, aber lieber Sané als Draxler. Die Spieler müssen aber auch ins Gefüge passen.

Auf welche Mannschaft freuen Sie sich ganz besonders?

Auf Frankreich, das ist mein Geheimfavorit. Den Franzosen traue ich sehr viel zu.

Wie beurteilen Sie die Causa Özil/Gündogan?

Ich glaube, dass der Fall die Mannschaft belastet. Was die beiden gemacht haben, finde ich unmöglich. Es war doch klar, dass ein solcher öffentlicher Auftritt kontrovers diskutiert wird und dass es auch heftige Kritik geben würde. Der DFB würde es zwar gerne klein-reden, aber die Pfiffe sind völlig verständlich. Ich erkenne keine klare Linie beim DFB im Umgang mit diesem Thema.

Tippen Sie?

Nein, in der Firma gibt es zwar ein Tipp-Spiel, aber ohne mich.

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