Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für die Breitensport-Vereine im Land werden immer deutlicher. Durch die Einstellung des Sportbetriebs und ausfallende Veranstaltungen entgehen den Vereinen überlebenswichtige Einnahmen. Andreas Felchle, Präsident des Württembergischen Landessportbundes (WLSB), ruft daher das Land Baden-Württemberg auf, den Breitensport-Vereinen zur Seite zu stehen und appelliert an die Mitglieder, solidarisch zu handeln: „Wer jetzt Beiträge zurückfordert, weil kein Sportangebot möglich ist, gefährdet die Existenz der Sportvereine noch mehr.“

Sportler vermissen vor allem die Gemeinschaft

Beim größten Verein in Ehingen, der TSG, gab es bislang noch keine derartigen Reaktionen. „Die meisten Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag, der im Mai eingezogen wird“, sagt Geschäftsstellenleiterin Petra Kuch, „die, die einen Monatsbeitrag für die Kindersportschule oder Schwimmkurse zahlen müssen, haben sich bislang verständnisvoll gezeigt“, meint sie weiter. Sie könne sich aber vorstellen, dass sich die ersten melden könnten, falls die Corona-Krise länger anhält und vor allem die Eltern ihre Kinder nicht mehr zum Jugendtraining schicken können. „Eventuell fordern Mitglieder dann einen Teil zurück, aber dies müsste man erst im Vorstand und im Vereinsrat besprechen. Nur sind ja derzeit keine Sitzungen möglich“, so Petra Kuch, die feststellt, dass bei den Mitgliedern vor allem der Frust, den geliebten Sport nicht wie gewohnt ausüben zu können, überwiege. „Den meisten fehlt der Gemeinschaftssinn und das Zusammensitzen nach dem Sport“, sagt sie.

Vierstellige Verluste vor allem für Kursleiter

Hart trifft es vor allem Trainerinnen und Kursleiter, die nicht ehrenamtlich tätig sind. So zum Beispiel Anja Brobeil, die bei der TSG Ehingen Zumba-Kurse gibt. „Mir fehlt momentan das Geld“, sagt Anja Brobeil, die außerdem an der VHS Kurse für „Body-Work­out“ anbietet und in Teilzeit im Krankenhaus arbeitet. Die Kurse werden voraussichtlich bis 15. Juni ausgesetzt, was für die Fitness-Trainerin Tausende an Euro Verlust bedeutet. Laufende Ausgaben für die Zumba-Lizenz muss sie dennoch tragen. „Für die Lizenz zahle ich 30 Dollar im Monat, aufgrund des schwankenden Kurses sind es inzwischen fast 30 Euro“, sagt Anja Brobeil. Aufgrund der Anstellung im Krankenhaus hofft sie nun, dass wenigstens hier das Gehalt weiter gezahlt wird. Sie ist froh, nicht allein auf die Arbeit in einem Fitness-Studio angewiesen zu sein: „Anderen geht es wahrscheinlich noch schlechter als mir.“