Da war sie wieder. Diese wahnsinnige Stimmung in der JVG-Halle. Alle Fans standen, alle Fans waren begeistert. Und in diese riesige Begeisterung hinein fiel der letzte Wurf des Rostockers Donte Nicholas mit der Schlusssirene durch die Reuse. Brutale Stille.

Die Ehinger Zweitliga-Basketballer waren so kurz davor, ihren zweiten Heimsieg der Saison zu feiern, einen Sieg nach einer elf Spiele andauernden Durststrecke. Und mit was für einer sensationell starken Leistung! Doch das Spiel endete 90:91 (42:44) und damit um einen Punkt zugunsten der Rostock Seawolves. Das Team Ehingen Urspring hat nach dieser Niederlage, die eigentlich keine sein durfte, nun kaum mehr eine Chance auf den Klassenerhalt. Für Rostock bedeutet es, noch im Rennen um die Playoffs zu stehen. „Der moralischer Sieger ist für mich Ehingen. Hochachtung vor dieser Leistung“, sagte Trainer Dirk Bauermann. Aber kaum einen konnten diese Worte trösten. Denn es wäre mehr als fair gewesen, hätten die Ehinger, die „bemerkenswerte Energie“ an den Tag gelegt hatten, den Sieg davongetragen. „Das war wohl das beste Spiel der Saison“, so Ehingens Trainer Domenik Reinboth. Und damit war alles gesagt.

Ohne die kranken Spielmacher Gianni Otto und Cullen Neal spielte Reinboths Mannschaft mit einer Neuner-Rotation. Ehingen brauchte drei Minuten, um in Fahrt zu kommen, aber dann lief es. Akim Jonah dunkte zum 12:15 nach fünf Minuten und das Momentum schlug schon Richtung der Hausherren aus. Die Seawolves trugen ihre Angriffe nicht sauber genug aus, schossen viel von außen, trafen zunächst nur wenig. Bei Ehingen war viel Ballbewegung drin und die erste knappe Führung eingetütet (16:15/7.). Nur aufgrund eines verwandelten Dreiers von Grant Sitton ging es mit 16:18 in die Viertelpause.

Ehingen leistet sich keine Fehler

In den zweiten Durchgang waren die Ehinger besser gestartet, gaben aber auf die Dreierschützen nicht genug Acht. Mauricio Marin traf zum 23:23-Ausgleich. Ein 5:0-Lauf der Gäste veranlasste Reinboth zur ersten Auszeit (14.). Zwischenzeitlich war Rostock in der Folge auf sieben Punkte weg, aber Ehingen blieb immer dran, leistete sich keine Fehler, fand stets die Lücke und den freien Mann. Und so waren beide Teams wieder auf Augenhöhe (33:33/16.). Jedes Team hatte mal seine feinen Momente. So ging es mit einem aussichtsreichen 42:44 in die Halbzeit.

Hasbargen mit 33 Punkten der überragende Akteur

Vom dritten Viertel hatten die Wölfe deutlich mehr. Über einige erfolgreiche Distanzwürfe zogen sie bis auf 15 Zähler weg (49:64/25.). Angeführt von Kapitän Tim Hasbargen, der einen Tag nach seinem 24. Geburtstag ein episches Spiel ablieferte, pirschten sich die Ehinger aber wieder heran. Vor dem Schlussviertel stand es 68:72. In diesem letzten Durchgang stimmte bei der Mannschaft von Domenik Reinboth einfach alles: Einsatz und Ausführung waren „hervorragend“, wie es Gianni Otto nach dem Spiel formulieren sollte. Die Führung lag zwar bis zur 35. Minute knapp bei den Gästen. Doch Hasbargens Aktionen mit Steals, Blocks und Fastbreak-Punkten gaben dem Team Sicherheit. Mit der Unterstützung der Fans stellte Ehingen Urspring auf 83:83 und ging in Führung. Knapp eine Minute vor Ende stand es 90:85. Doch Rostocks Topscorer Lofton durfte noch seine Punkte 20 und 21 markieren und mit Ablauf der Uhr nahm dieses Duell sein tragisches Ende.

So spielten sie:


Ehingen – Rostock

90:91

Viertelstände:
16:18, 26:26, 26:28, 22:19.
2er-Quote (Ehi/Rost): 22:41 (54%)/ 23:38 (61%).
3er-Quote: 9:22 (41%)/10:25 (40%).
Rebounds: 30:33.
Turnover: 10:13.
Punkte Ehingen: Hasbargen 33, Alston 14, Jonah 10, Scheive 9, Strangmeyer 8, Gille 7, Hawkins 6, Albrecht 3, Aunitz 0.
Punkte Rostock: Lofton 21, Diouf, Nicholas je 18, Sitton 15, Marin 12, Pwono, Alte je 2. Hicks, Bogdanov je 0.
Nächstes Spiel: Bremerhaven – Ehingen (Dienstag, 19.30 Uhr).