Hayingen "Onaitig Loch" mit Sinn

Der Kappenturm und die Stadtmauer in Hayingen wurden für 60 000 Euro saniert.  Foto: Maria Bloching
Der Kappenturm und die Stadtmauer in Hayingen wurden für 60 000 Euro saniert. Foto: Maria Bloching
Hayingen / MARIA BLOCHING 09.08.2013
Wer den Hayinger Kappenturm sucht, muss schon in den hintersten Winkel des Städtchens eintauchen. Hier breitet er sich nun in voller Pracht aus.

Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung Hayingens ist die südwestlich gelegene Ecke der ursprünglichen Stadtmauer mit überdachtem Wehrgang und "Kappenturm" bis heute erhalten. Stadtgründung und Errichtung der Mauer werden in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert. Für Hayingen ist die Stadtmauer samt Kappenturm ein einmaliges Kulturdenkmal, das von April bis Juni umfangreich saniert wurde. Lose Putzschichten wurden entfernt und das Mauerwerk wieder mit feinem Kalkputz entsprechend der Erstfassung überarbeitet, abschließend erfolgte ein Kalkanstrich. Wer am Kappenturm steht, der kann sich gut vorstellen, warum Hayingen 1303 den Namen "Stadt mit Mauern und Toren" erhielt.

Hier wird deutlich, dass der Ort nicht als eine Einheit entstanden ist, sondern zunächst vermutlich im Jahr 1247 durch den Ritter "Swigger von Gundelfingen" gegründet und schließlich 1285 als Stadt erweitert wurde. Dies zeigt sich besonders daran, dass die Stadtmauer im Osten einen Knick aufweist und dass sich die Nord-/Südstraßen über die Marktstraße hinaus gleichfalls seitlich verschoben haben. Von den ehemals drei Toren ist lediglich noch das Tor im Kappenturm übrig geblieben, das sogenannte "Onaitig Loch", also ein unnötiges Loch.

Denn einer Sage nach wurde das Tor einst im Schwedenkrieg vom Torhüter "Kaltmatheis" mit einem Dorschen (Mark eines Krautkopfes) verschlossen, da er den zur Verriegelung notwendige Eisendorn verloren hatte und sich feindliche Truppen bedrohlich der Stadt näherten. Doch eine Geiß fraß den Dorschen ab und der Feind konnte somit ungehindert in die Stadt eindringen. Seither ist die Geiß Wahrzeichen der Stadt und dient auch der Narrenzunft als Traditionsfigur.

Der Kappenturm hat somit für Hayingen eine traditionelle Bedeutung, die Sanierung wurde mit 50 000 Euro im Haushalt vorgesehen. Nachdem sich die Gesamtkosten auf rund 60 000 Euro belaufen und auch noch Planabweichungen bei anderen Maßnahmen vorliegen, werden die Mehrkosten in einem Nachtragsplan aufgenommen. Die Sanierung ist weitgehend abgeschlossen, was noch fehlt ist eine Innenbeleuchtung im Wehrgang, so dass sich das gesamte Areal rund um Kappenturm und Stadtmauer insbesondere bei Nacht beeindruckend präsentieren kann.

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