Dass Martin Romig, Geschäftsführer der Hakro Merlins Crailsheim, nie um einen guten Spruch verlegen ist, hat er am Samstag in der Halbzeitpause des Spiels der Merlins in Frankfurt wieder unter Beweis gestellt. „Er kann auf jeden Fall ein Geschäftsmodell daraus machen“, sagte Romig im Interview mit dem Telekomsport-­Reporter. Mit „er“ war Ben Mad­gen gemeint, der am Freitag kurz vor Mitternacht zum zweiten Mal Vater eines Sohnes geworden war und aus Merlins-Sicht der Held der ersten Halbzeit war. 20 seiner insgesamt 22 Punkte erzielte er in der ersten Spielhälfte, schien von der Geburt immens beflügelt. Im Gegensatz zum Rest der Mannschaft, die aufgrund der Wetterverhältnisse bereits am Freitag nach Hessen gereist war, kam der Australier erst am Samstag nach. „Die Glückshormone sind noch da“, mutmaßte Romig und grinste. Über das Geschäftsmodell Babyproduktion sollte auf jeden Fall nachgedacht werden, wenn Madgen und die Merlins so auftreten wie am Samstag.

In Frankfurt holten die Zauberer völlig verdient den zweiten Saisonsieg, natürlich gegen stark ersatzgeschwächte Skyliners, die auf etliche Stammkräfte verzichten mussten, aber immer noch genügend Qualität auf dem Platz hatten. „Es gibt keine Ausreden. Wenn man sich so warm macht, wie wir es heute getan haben, dann bekommt man im ersten Viertel dafür die Rechnung. Wir haben unseren Fokus verloren, unsere Verteidigung war furchtbar und Crailsheim hat dadurch Selbstvertrauen gewonnen. Sie waren heute das deutlich bessere Team“, resümierte Frankfurts Trainer Gordon Herbert.

„Stolz auf unsere Spieler“

Die Qualität der Hessen, die auf einen Play-off-Platz schielen, ließen die Merlins nur selten zur Entfaltung kommen. Quantez Robertson zum Beispiel kam überhaupt nicht ins Spiel und musste mit Foulproblemen früh meist von außen zuschauen. Die Gäste schafften es dieses Mal, über die gesamte Spielzeit konzentriert zu bleiben und sich kein verschlafenes Viertel zu leisten. „Die Mannschaft hat heute von Anfang an eine ganz andere Körpersprache gezeigt“, sagte der sportliche Leiter Ingo Enskat.

Mit zwölf Punkten in Folge ging Crailsheim 12:3 in Führung, ließ sich auch nicht durch zwischenzeitliche Aufholjagden und Führungen der Frankfurter beirren. Die Merlins schafften es, in die erste Viertel- und in die Halbzeitpause mit acht Punkten Vorsprung zu gehen. „Ganz wichtig war, dass wir auf die Läufe von Frankfurt immer eine passende Antwort gefunden haben“, sagte Enskat. Überragte in der ersten Hälfte Ben Madgen, so schlüpfte in der zweiten DeWayne Russell in die Heldenrolle. Alleine im dritten Abschnitt erzielte er 15 seiner 22 Punkte, verpasste den Frankfurtern immer wieder heftige Nackenschläge. Der junge Spielmacher benötigte dafür nicht einmal 15 Minuten!

Merlins-Trainer Tuomas Iisalo freute sich über den Sieg seiner Mannschaft, den zweiten seiner BBL-Karriere: „Ich denke, wir haben heute sehr mutig gespielt. Frankfurt hatte eine schwere Woche mit zwei Spielen in Ulm. Sie waren ein wenig müde und konnten sich nicht so intensiv auf dieses Spiel vorbereiten. Das ist im Laufe der Partie zu unserem Vorteil geworden. Ich bin stolz auf unsere Spieler, unseren Kampf und heute unser Selbstvertrauen. Wir haben von Anfang bis Ende gut gespielt, das war diese Saison nicht immer so. Es war ein großer Sieg für uns.“

Und auch der frischgebackene Vater Ben Madgen strahlte und sagte: „Jeder einzelne Spieler hat zu diesem Sieg beigetragen, das ist es, was ein gutes Team auszeichnet. Hoffentlich können wir nun ein paar Spiele in Folge gewinnen. Es ist gut für unser Selbstvertrauen.“

Die Merlins müssen nun versuchen, diesen guten Auftritt im nächsten Heimspiel gegen Braunschweig zu bestätigen. Dieses findet erst am Mittwoch, 16. Januar, statt, weil am kommenden Wochenende in der Arena Hohenlohe der BWK-Arena-Cup für Fußball-C-Junioren ausgetragen wird.

Ben Madgen wird die Zeit bis dahin nicht nur für Training nutzen, sondern auch hoffentlich viele schöne Momente mit seinem zweiten Sohn Mack River, seiner Frau Bria und seinem Erstgeborenen Xavier Gene erleben dürfen. Der stolze große Bruder versuche schon, seinen kleinen Bruder, der 54 Zentimeter groß und 3720 Gramm schwer ist, zum Körbewerfen zu bringen, teilte Ben Madgen via Instagram mit. „Es waren unglaubliche 24 Stunden, ich schwebe auf Wolke 7. Meine Frau ist eine Heldin“, sagte er.

Das könnte dich auch interessieren:

So spielten sie


Frankfurt – Crailsheim

77:91

Frankfurt: Murphy (19 Punkte, 7 Rebounds), Clark (15), Freudenberg (12,
3 von 5 Dreier), Huff (9), Clarance (9), Robertson (8, 5 Assists, 2 Steals), Zeeb (5), Völler

Crailsheim: Madgen (22 Punkte,
9 Rebounds, 3 von 7 Dreier, 2 Steals), Russell (22, 2 von 3 Dreier), Gay (13), Turner (10, 6 Assists, 3 Steals), Herrera (9), Arnold (4), Cuffee (4, 7 Rebounds), Neumann (4), Wysocki (3,
4 Assists), Ferner

Viertel: 21:29, 19:19, 21:20, 16:23
Rebounds: 28:33
Assists: 19:19
Ballverluste: 9:9
Field Goals:
43 % (25/58) : 56 % (34/61)
Dreier: 36 % (9/25) : 33 % (8/24)
Freiwürfe:
72 % (18/25) : 79 % (15/19)

7


scheint eine magische Ziffer zu sein: 77 Tage warteten die Merlins auf ihren zweiten Sieg in der BBL-Saison nach dem 101:78 gegen Jena am 20. Oktober 2018. Beim ersten Auswärtssieg nach zuvor sieben Auswärtsniederlagen gestatteten die Zauberer Frankfurt nur 77 Punkte. Die Skyliners lagen in dieser Saison siebenmal zur Pause in Rückstand und verloren alle sieben Spiele. Frankfurt (5) und Crailsheim (2) haben zusammen nun sieben Spiele gewonnen.