Basketball Zwei Gesichter zum Karnevalsauftakt

Spielmacher Frank Turner steuert 13 Punkte bei. Dennoch reicht es wieder nicht zum zweiten Saisonsieg der Merlins.
Spielmacher Frank Turner steuert 13 Punkte bei. Dennoch reicht es wieder nicht zum zweiten Saisonsieg der Merlins. © Foto: EIBNER/beautiful sports/LASCHET
Bonn / Alexander Schreiber 12.11.2018
Die Hakro Merlins Crailsheim unterliegen bei den Telekom Baskets Bonn mit 87:89 trotz eines starken Center-Duos um Philipp Neumann und Sherman Gay. Bonn glänzt mit 13 Dreiern

Der 11. November ist für die Rheinländer stets ein besonderer Tag. Er markiert den Beginn der für sie schönsten Zeit des Jahres. Es gehört zum guten Stil, sich zu maskieren. Am Sonntag beschränkte sich dieses Brauchtum in Bonn allerdings nicht auf die Einheimischen: Auch die Gäste aus Crailsheim zeigten zwei Gesichter.

Letztlich hat es aus Crailsheimer Sicht wieder nicht gereicht. Nachdem die Merlins vor einer Woche in letzter Sekunde mit 68:70 gegen Rasta Vechta unterlagen, verpassten sie gestern auch in Bonn knapp den Sieg. Bei noch 3,3 Sekunden auf der Uhr brachte Wysocki den Ball ins Spiel, passte zu Sherman Gay nahe dem Korb. Statt selbst einen Wurf zu versuchen, spielte dieser raus zu Ben Madgen. Madgen hob zum Sprungwurf ab, wurde gegen den eng verteidigenden Ra’Shad James den Ball jedoch nicht los. Der Crailsheimer landete wieder auf seinen Füßen, die Schiedsrichter entschieden sofort auf Schrittfehler. Madgen riss verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen, Endstand 89:87 für Bonn. Abgesehen von dieser unglück­lichen Aktion zeigte sich der Australier gut aufgelegt. Mad­gen war bester Punktesammler seines Teams (19) und hatte kurz zuvor durch einen Dreier zum 88:87 überhaupt erst dafür gesorgt, dass die Partie bis zur Schlusssirene offen blieb.

Starke zweite Hälfte

Die Begegnung fügte sich gewissermaßen nahtlos in das Saison-Narrativ der Merlins ein. In der zweiten Hälfte spielten sie stark, teilweise „über ihren Möglichkeiten“, wie Center Philipp Neumann im Internet-Interview nach der Partie erklärte. Sie drohten den Bonnern die gute Laune zum Karnevalsauftakt zu vermiesen.

In der Verteidigung waren die Gäste aggressiv, doppelten schnell, hielten ihre Gegenspieler vor sich. Im Angriff zeigten sie sich versiert, kamen immer wieder zu einfachen Korblegern. Diese Leistung genügte letztlich nicht, um die schwache erste Hälfte wettzumachen. In dieser zeigte Crailsheim mittlerweile bekannte Schwächen in der Verteidigung, 51 Punkte hatten die Gäste zur Pause zugelassen, bei 38 eigenen Zählern.

„Wir müssen lernen, besser ins Spiel zu kommen“, so Crailsheims sportlicher Leiter Ingo Enskat nach dem Spiel. Abgesehen von dem Spiel gegen Vechta haben die Merlins in dieser Saison kein erstes Viertel für sich entscheiden können. Auch in Bonn liefen sie ab der ersten Minute einem Rückstand hinterher, in Führung lagen die Crailsheimer nie. Erst im Schlussviertel gelang Philipp Neumann von der Freiwurflinie der Ausgleich (76:76).

Crailsheims Trainer Tuomas Iisalo hatte im Vorfeld der Partie vor der Bonner Rebound-Stärke gewarnt. Mit dem bulligen Charles Jackson (2,08 Meter) haben die Bonner den statistisch gesehen besten Offensiv-Rebounder der Liga in ihren Reihen (3,7 pro Spiel). Auch als Reaktion auf ihn hatte Iisalo wieder Center Sherman Gay in den Kader geholt. Für ihn musste Joseph Lawson Platz machen. Gay kam von der Bank als Back-up für Philipp Neumann und machte seine Aufgabe gut. Der wendige 2,03-Meter-Mann stellte sein Gegenüber Charles Jackson in der Verteidigung mit seiner Schnelligkeit vor Probleme. Auf der Gegenseite hielt Gay trotz seiner körperlichen Nachteile engagiert dagegen, nahm Jackson im dritten und vierten Viertel so gut es ging aus dem Spiel.

„Sherman hat ein überzeugendes Spiel gemacht. So brauchen wir ihn“, lobte Enskat den US-Amerikaner. Gay beendete die Partie mit 18 Punkten in 20 Minuten Spielzeit, ebenso wie Kollege Neumann. Der sammelte zudem acht Rebounds und verwandelte obendrein alle seiner sechs Wurfversuche aus dem Spiel heraus. Dass sich die Crailsheimer trotzdem so schwertaten, lag auch
am erneut fahrlässigen Umgang mit eigenem Ballbesitz: 15 Ball­verluste standen sieben Ballverlusten auf Bonner Seite gegenüber.

„So schenken wir Bonn sieben Würfe“, ärgerte sich Enskat. Sieben Würfe mehr – bei Bonns Treffsicherheit gestern eine schwere Hypothek: 32 Mal drückten die Rheinländer hinter der Dreipunktelinie ab, verwandelten dabei 13 Würfe (41 Prozent Dreierquote). Crailsheim, ansonsten selbst für den gefährlichen Dreipunktwurf bekannt, konnte da nicht ganz mithalten (7/18 Dreier, 39 Prozent).

Fünf Spiele ohne Sieg

Durch den Erfolg beendete Bonn eine Durststrecke von drei Niederlagen in Folge. Der bislang einzige Crailsheimer Sieg liegt nun fünf Spiele zurück. Den Merlins bleiben jetzt kaum zwei Wochen, die knappen Niederlagen aus den zurückliegenden Spielen abzuschütteln. Dann müssen sie in Oldenburg antreten. Ein „sehr schweres Auswärtsspiel“, wie Enskat sagt. Aber: „Wenn wir die Leistung aus der zweiten Hälfte dort von Anfang an zeigen, können wir da sogar ernsthaft mitspielen.“

So spielten sie

Bonn – Crailsheim

89:87

Die Viertel im Überblick: 23:14; 28:24; 17:24; 21:25
Bonn: James (22 Punkte), Gibson (17, 5 Dreier), Mayo (15), Jackson (11, 9 Rebounds), Webb (7), Reischel (6), Polas (6), Breunig (5), DiLeo (0), Jasinski
Crailsheim: Madgen (19 Punkte), Neumann (18), Gay (18), Turner (13), Cuffee (11), Wysocki (4), Russell (2), Herrera (2), Rush, Ferner

So spielten sie

Bonn – Crailsheim

89:87

Die Viertel im Überblick: 23:14; 28:24; 17:24; 21:25

Bonn: James (22 Punkte), Gibson (17, 5 Dreier), Mayo (15), Jackson (11, 9 Rebounds), Webb (7), Reischel (6), Polas (6), Breunig (5), DiLeo (0), Jasinski

Crailsheim: Madgen (19 Punkte), Neumann (18), Gay (18), Turner (13), Cuffee (11), Wysocki (4), Russell (2), Herrera (2), Rush, Ferner

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