Eine der größten Herausforderungen der Unicorns dürfte heute sein, dass sie sich von der Favoritenrolle nicht beeindrucken lassen. Die wird ihnen in Rothenburg allseits zugeschrieben. Eine logische Konsequenz aus den bisherigen Ergebnissen: Hall konnte in der europäischen BIG 6 und in der deutschen GFL fünf teilweise sehr klare Siege verbuchen, während die Knights bei ihren beiden GFL-Auftritten gegen Stuttgart und München Niederlagen einstecken mussten und nur einen Touchdown erzielen konnten.

Auch die Knights selbst stapeln vor dem Lokalderby tief: "Ich hoffe die Unicorns sind gnädig und werden die Umstände bei uns berücksichtigen", sagte Franken-Headcoach Erwin Rieger nach der Niederlage seines Teams gegen München. Rieger spielt damit insbesondere auf den aus beruflichen und verletzungsbedingten Gründen ausgedünnten Kader der Franken an.

Seit letztem Samstag haben sie noch mit einer weiteren Bürde zu kämpfen: Der neue US-Quarterback Jonny West verletzte sich gegen die Münchner im dritten Viertel und fällt wohl für mehrere Wochen aus.

In ihrer bislang ohnehin noch nicht auf Touren gekommenen Offense müssen die Franken nun für schnellen Ersatz sorgen. Eine Möglichkeit dürfte Sebastian Krauthahn sein. Der 27-Jährige war bereits in der Jugend und zwei Jahre lang in der 2. Bundesliga bei den Franken Knights aktiv. Über die Stuttgart Silver Arrows und eine Spielpause führte ihn sein Weg letztes Jahr zu den Unicorns, wo er als Back-up für Marco Ehrenfried fungierte. Für diese Saison hatte sich Krauthahn noch nicht entschieden, und nun ging die Anfrage der Franken für seine Freigabe in Hall ein.

Der nun verletzte Spielmacher Jonny West fand den Weg nach Rothenburg über Kyle Linville, der für die Unicorns ein guter Bekannter ist. Linville war wie West in seiner Studienzeit am Franklin College in Indiana aktiv und kam im letzten Jahr als Receiver zu den TSG-Footballern. Er verletzte sich aber schon in seinem ersten Spiel - ausgerechnet in Rothenburg - und fiel für den Rest der Saison aus. Für 2015 heuerte Linville nun bei den Franken als Offensive-Coordinator an und soll möglicherweise auch als Receiver eingesetzt werden.

Der Favoritenrolle ist sich auch Halls Headcoach Siegfried Gehrke bewusst. "Ja, nach der Papierform und den bislang gezeigten Leistungen müssen wir klar auf Sieg setzen", sagt der Haller Cheftrainer. "Wir dürfen aber nicht leichtsinnig werden. Dieses Spiel haben wir noch nicht gewonnen!"

Auch Siegfried Gehrke weiß, dass die Knights Probleme in der Offense haben, ist aber doch der Meinung, dass die Franken "in der Defense im Spiel gegen München schon eine klare Steigerung gezeigt und sich dabei besser als im Vorjahr präsentiert haben."