Marathon Zieleinlauf am 64.Geburtstag

Ulrich Tomaschewski – schon umgezogen, immer noch sehr erschöpft, aber auch sehr zufrieden – nicht nur wegen seines Geburtstags.
Ulrich Tomaschewski – schon umgezogen, immer noch sehr erschöpft, aber auch sehr zufrieden – nicht nur wegen seines Geburtstags. © Foto: Privat
Südafrika / SWP 03.07.2018
Der Crailsheimer Ulrich Tomaschewski absolviert die 90,2 Kilometer von Pietermaritzburg nach Durban in 11:48.42 Stunden. Ein Erfahrungsbericht.

Der größte Ultralauf der Welt findet jedes Jahr in Südafrika statt. Von den in diesem Jahr 23.400 angemeldeten Läufern haben 21.200 den Nachweis einer Qualifikationszeit erbracht und waren damit zum Lauf zugelassen. Davon sind 19.000 am 10. Juni um 5.30 Uhr an den Start gegangen. 90 Prozent der Läufer kommen aus Südafrika, sieben Prozent sind internationale Läufer und drei kommen aus anderen Ländern Afrikas. 25 Prozent der Teilnehmer nehmen zum ersten Mal teil und stellen sich damit der Herausforderung, diese Laufstrecke von 90,2 Kilometern in maximal zwölf Stunden zu absolvieren. Es gibt sechs sogenannte „Cut-off“ auf der Strecke. Erreicht man den „Cut-off“ nicht in der vorgegebenen Maximalzeit, wird man aus dem Rennen genommen. Das wird extrem konsequent durchgeführt und auf die Sekunde genau eingehalten. „Cut-offs“ sind bei Kilometer 15, 30, 44, 57, 69 und 81. Hier stehen Busse bereit, um die Ausgeschiedenen zum Ziel zu transportieren.

In den letzten drei Jahren ist Ulrich Tomaschewski am letzten Cut-off gescheitert. Der starke und lange Winter machte die Laufvorbereitung schwierig. Ulrich Tomaschewski hat zehn Marathons bis Mai absolviert und ist in den Monaten März bis Mai jede Woche 100 Kilometer gelaufen. Der „Comrades“ ist das drittgrößte Sportereignis in Südafrika. Im Flugzeug bei der Anreise nach Durban begrüßt der Flugkapitän die „Comrades Runner“. Der Lauf wird im TV über zwölf Stunden live übertragen, ganz Südafrika schaut zu.

An der Laufstrecke stehen Tausende Menschen, feiern und feuern die Läufer an. Tausendfach wird Ulrich Tomaschewski in seiner Muttersprache begrüßt. „Guten Morgen, wie geht es dir, alles Gute“, das sind die Zurufe der Südafrikaner. Auch die Läufer aus Südafrika freuen sich; es gibt immer wieder Gespräche. Ulrich Tomaschewski hat als einer der wenigen Deutschen die „Green Number“, damit hat er zehnmal das Ziel erreicht. Seine Startnummer ist grün, das wird besonders von den Südafrikanern honoriert.

Nicht zu schnell loslaufen

Nach der sehr ergreifenden Startzeremonie geht es mit einem Kanonenschuss um 5.30 Uhr los. Voller Konzentration, nicht zu schnell loslaufen, nicht über weggeworfene Kleidungsstücke fallen und sich verletzen. Es sind am Start drei Grad, viele Läufer werfen die wärmenden Kleidungsstücke auf die Laufstrecke. Ulrich Tomaschewski hat ebenfalls ein wärmendes Langarmshirt übergezogen, weiß aber, dass es bei Kilometer zehn nochmals in eine Senke geht, in der es sehr kalt ist.

Nach einer Stunde Laufzeit geht die Sonne auf und damit kommt Licht und Wärme. Nun heißt es seinen Rhythmus zu laufen. Die ersten 60 Kilometer geht es ständig bergauf/bergab. Ulrich Tomaschewski läuft die flacheren Anstiege und geht an den steileren. Bergab besteht die Gefahr zu schnell zu laufen und damit zu viele Körner zu verbrennen.

Nach 60 Kilometern geht es überwiegend bergab, nun zeigt sich die richtige Renneinteilung. Wer anfangs zu schnell unterwegs war, wird hier vor Schmerzen nicht mehr zügig laufen können. Ulrich Tomaschewski hat sich das Rennen gut eingeteilt und läuft flüssig die langen Bergabpassagen.

Stadion in Sichtweite

Nach 84 Kilometern kommt das ­Moses Mabhida Stadion in Sichtweite. Das Stadion wurde zur Fußball-WM von deutschen Architekten entworfen und von deutschen Firmen gebaut. Der Schwiegersohn To­maschewskis hatte Teile des Glasdachs gefertigt.

Es sollen sehr schmerzvolle und harte letzte sechs Kilometer werden. Die Oberschenkel wollen nicht mehr. Da hilft Ulrich Tomaschewski eine bewährte Strategie: Laufe so lange es geht und gehe so lange, bis es wieder läuft; der Kopf lenkt und der Körper folgt!

Der Einlauf in das Stadion wird sehr emotional. Endlich nach drei Jahren wieder das Ziel erreicht und das an seinem Geburtstag. So läuft Ulrich Tomaschewski mit Tränen in den Augen ins Ziel, nach 11:48.42 Stunden, auf Platz 14.768. In den verbleibenden zwölf Minuten bis zum Zielschluss sind noch weitere 1700 Läufer ins Ziel gekommen.

Die Geburtstagsfeier von Ulrich Tomaschewski findet am Folgetag statt. Das schönste Geschenk hat er sich erlaufen, den elften Zieleinlauf beim größten Ultralauf der Welt.

Der Comrades Marathon in Südafrika

Am 10. Juni, seinem 64. Geburtstag, ist Ulrich Tomaschewski den Com­rades Marathon gelaufen, 90,2 Kilometer von Pietermaritzburg nach Durban beträgt die zu absolvierende Distanz. Nach 11:48.42 Stunden hat Tomaschewski zum elften Mal das Ziel erreicht. Finished man zehnmal, dann wird der Starter als „Green Number“ geführt und erhält eine ewige Startnummer in Grün. Das haben bis dato erst sechs Deutsche erreicht. Ein Siebter schaffte es bei diesem Lauf. Damit hat Ulrich Tomaschewski seinen 446. Marathon/Ultralauf absolviert – unter dem Strich eine beeindruckende Gesamtbilanz.

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