Bogenschießen Ziehen, zielen, schießen

Elisabeth Gaspert nimmt mit ihrem Bogen schon die nächste WM-Teilnahme ins Visier.
Elisabeth Gaspert nimmt mit ihrem Bogen schon die nächste WM-Teilnahme ins Visier. © Foto: Günter Archery Photography
Crailsheim / Luca Schmidt 12.02.2018

Geburtsstadt von Lionel Messi und Che Guevara, Austragungsort der Weltmeisterschaften im Bogenschießen – Rosario in Argentinien ist eine Weltstadt. Das weiß auch Elisabeth Gaspert. Sie nahm an der Jugend-Weltmeisterschaft der Bogenschützen für Deutschland teil.

Begonnen hat sie den Sport vor sechs Jahren. „Ich hab beim Horaffenfest zum ersten Mal geschossen“, erklärt die 16-Jährige. Nachdem sie es ausprobiert hatte, habe es ihr so gefallen, dass sie gleich in den Verein eingetreten sei. Von da an ging es steil bergauf. Bereits nach einem Jahr war Elisabeth Gaspert Dritte bei den württembergischen Meisterschaften. 2013 gehörte sie zum Württemberg-Kader, der sich aus den besten Schützen des Landes zusammensetzt.

Allerdings gab es auch Zeiten, in denen sie nicht erfolgreich war und sogar daran zweifelte, ob sie weiter schießen solle. „Im Frühjahr 2017 habe ich überlegt, das Bogenschießen sein zu lassen. Ich habe nur wenig erreicht.“ An was es lag, weiß sie nicht. „Vielleicht hat der Kopf einfach nicht mitgespielt.“ Doch zum Glück haben Eltern und Trainer sie zum Weitermachen animiert.

Im Sommer lief es dann richtig gut. „Es ging während der Saison immer weiter aufwärts.“ Ein kleiner Rückschlag waren die deutschen Meisterschaften – sie wurde nur Sechste. „Dort war der Druck möglicherweise zu groß. Ich habe mir mehr erhofft.“ Nur wenige Tage später folgte das Comeback: Bei der Qualifikation zu den Weltmeisterschaften in Argentinien schoss sie einen neuen württembergischen Rekord – so durfte sie mit zur WM fahren.

„Wir waren schon eine halbe Woche früher in Rosario, weil wir trainieren wollten“, erzählt Gaspert. Allerdings war das nicht möglich: Ein heftiger Sturm verhinderte es. Vielleicht war das mit ein Grund dafür, dass es nicht so gut lief. Im Einzel schied sie in der ersten Runde aus. Im Team und Mixed-Schießen hatte sie Pech – sie musste zweimal gegen das Team aus Südkorea ran und schied aus. Würde man das Bogenschießen mit der Fußball-Bundesliga vergleichen, wäre Südkorea der FC Bayern München.

„Es war eine coole Erfahrung aber ich war auch enttäuscht, dass ich ausgeschieden bin“, bilanziert Gaspert. „Bei der nächsten Weltmeisterschaft läuft es besser.“

Anfang Januar schoss sie bei der WM-Ausscheidung und wurde Zweite – aber nur der Gewinner qualifizierte sich. „Am ersten Tag war ich nicht so gut. Den Rückstand konnte ich dann später nicht mehr wettmachen“, sagt Gaspert. Sie habe ihr Bestes gegeben.

Gaspert schießt mit einem Recurve-Bogen. Die Wurfarme haben eine nach außen, vom Schützen wegweisende Form. Dadurch speichert er in den Wurfarmen mehr Energie und hat beim Schießen einen höheren Wirkungsgrad im Vergleich zum Flach- oder Langbogen. Außerdem ist das Schießen mit dem Recurve-Bogen olympische Disziplin.

Fast täglich trainieren

Eine Saison beim Bogenschießen läuft folgendermaßen ab: Zunächst werden Vereins-, Kreis und Bezirksmeisterschaften abgehalten. Dann kommen die württembergischen und die deutschen Meisterschaften. Ab den Bezirksmeisterschaften muss eine bestimmte Ringzahl erreicht werden, um sich für die nächsthöhere Meisterschaft zu qualifizieren.

Um so gut Bogen zu schießen wie Gaspert, ist viel Training erforderlich. „Während der Schulzeit sind es vier Trainingseinheiten und ein Wettbewerb am Wochen­ende. In den Ferien ist es noch mal mehr“, sagt Gaspert.

Während der Trainingszeiten werde viel geschossen, es geht um die Technik. Das geschieht unter erschwerten Bedingungen – beispielsweise mit Gewichten am Bogen. Zusätzlich zu den Einheiten geht sie noch joggen und macht Krafttraining.

Ein guter Bogenschütze muss laut Gaspert so einiges mitbringen. „Er sollte eine gute Körperspannung und feinmotorische Fähigkeiten haben.“ Außerdem sollte er sich konzentrieren können und gleichzeitig mentale Stärke besitzen, um mit dem Druck bei Wettbewerben umgehen zu können.

So spielten sie
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