Konrad Wysocki zählte nicht nur in sportlicher Hinsicht zu den herausragenden Persönlichkeiten im Bundesliga-Team der Hakro Merlins Crailsheim. Der 37 Jahre alte und 2,02 Meter große Forward war auch jenseits des Parketts ein gefragter Gesprächspartner und Sympathieträger. Nun hat er seine Laufbahn beendet. Im Abschlussinterview spricht er über den Last-minute-­Klassenerhalt und den neuen Lebensabschnitt.

Klassenerhalt auf den letzten Drücker, Heimspiel in fremder Halle, tolle Stimmung mit 1400 Fans in der Fremde: Haben Sie so etwas wie beim Saisonfinale in Würzburg schon einmal erlebt in Ihrer Karriere?

Konrad Wysocki: Nein! Zunächst war ich wirklich überrascht, dass so viele Leute mit nach Würzburg gekommen sind. Als es zur Sache ging, spürte man einen richtigen Hexenkessel, eine tolle Atmosphäre für jeden, der dabei war, für uns Spieler natürlich auch!

Die Saison ist vorbei. Mehr noch: Eine lange Karriere als Profi-Basketballer hat ihr Ende gefunden. Und das mit zwei Spielen in drei Tagen. Wie geht es Ihnen? Was sagt der Körper, was macht die Psyche?

Dem Körper geht es überraschend gut. Die Psyche will noch nicht ganz wahrhaben, dass es jetzt vorbei ist. Ich habe noch nicht realisiert, dass wir tatsächlich in der Liga geblieben sind. Es nach dem Debakel gegen Göttingen, wo uns alle schon abgeschrieben hatten, doch noch einmal zu schaffen, ist ein sehr schönes Gefühl. Ich glaube, wenn der ganze Trubel vorbei ist, fängt man erst richtig an, zu begreifen, was da los ist, dass das tatsächlich mein letztes Spiel war. Mal gucken, wie es mir dann geht!

Dirk Nowitzki hat jetzt mit 40 Jahren seine Karriere in der NBA beendet. Sie sind 37 Jahre alt. Juckt es da nicht auch noch ein bisschen in den Fingern?

Crailsheim

Es wird immer in den Fingern jucken. Ich bin mit Leib und Seele Basketballer. Ich liebe diesen Sport. Und es funktioniert ja alles auch noch. Ich habe auch am Sonntag ein paar Würfe getroffen, die wichtig waren. Je schneller ich jetzt aber den Übergang in ein anderes Leben schaffe, desto mehr Zeit habe ich, mir da etwas aufzubauen. Mein Kleiner kommt heuer in die Schule. Der Zeitpunkt ist perfekt. Als Totgesagte noch einmal aufzustehen, den Klassenerhalt zu schaffen und das mit einer Leistung, wie ich sie in den letzten Wochen abgeliefert habe. Ich bin sehr zufrieden, wenn mich die Leute so in Erinnerung behalten.

Stehende Ovationen beim Heimfinale gegen Göttingen, 2000 Menschen, die in der Arena Hohenlohe beim letzten Wechsel Ihren Namen skandieren und laut applaudieren. In Würzburg wollten Sie viele Zuschauer nach dem Abpfiff umarmen. Wird Ihnen das fehlen?

Das werde ich auf jeden Fall vermissen. Man wird ja zur kleinen Rampensau, wartet auf das Wochenende und das Gefühl, dort unten auf dem Spielfeld zu stehen. Es ist ein Spiel, aber wir sind ja auch Entertainer. Wenn man einen Dreier trifft, mit Foul und dann ein kleines Tänzchen macht. Alle freuen sich. Das macht Spaß, ist toll. Ich habe schon zu meiner Frau gesagt, wenn ich das zu sehr vermisse, wird sie meinen Namen schreien müssen!

Die Hakro Merlins haben den Klassenerhalt in der Bundesliga auf den letzten Drücker geschafft, nach einer Saison mit Ups and Downs. Wie beurteilen Sie die Spielzeit im Gesamtrückblick?

Wir haben sehr viele Spiele sehr knapp verloren. Dann kam eine Phase, wo wir gedacht haben, wir kriegen es gar nicht auf die Reihe, schließlich haben wir ein paar Partien nacheinander gewonnen, wo wir einen wirklich guten Basketball gespielt haben. Ich glaube, uns hat etwas die Abgeklärtheit gefehlt. Vielleicht war es auch das Selbstvertrauen in uns als Mannschaft und als Individuen. Die großen Teams stellen sich dann einfach hin und machen etwas. Wir standen manchmal da und haben gedacht, mein Gott, was ist, wenn wir jetzt wieder danebenwerfen oder einen Ballverlust haben. Sobald man als Sportler anfängt großartig nachzudenken geht es meistens in die Hose. So war es auch bei den großen Spielen, die wir hatten, dem Weihnachtsspiel, dem gegen Göttingen. Das waren die größten Debakel, weil der Druck so groß war. Jetzt freut es mich umso mehr, dass wir diesem Druck im letzten Spiel standhalten konnten und einen so schönen Abschluss hatten.

Sie sind studierter Architekt und wollen auch in diesem Metier arbeiten. Wie schwierig ist es, nach einer längeren Pause zwischen Studium und Berufsstart dort einzusteigen?

Es wird eine sehr schwere Zeit. Ich muss mich wieder einarbeiten, werde neue Entwicklungen auf dem Markt zur Kenntnis nehmen, auch mein Denken wieder umstellen auf ein ganz normales Alltags- und Büroleben. Mein bisheriger Tagesablauf sah zwei Stunden maximale Intensität im Training vor, dann folgte eine Pause und danach wieder zwei Stunden maximale Intensität. Ich weiß nicht, wie schnell ich mich wieder hineinfinde, nehme solche Herausforderungen aber gerne an. Das bringt mich als Person noch einmal weiter.

Herr Wysocki, wagen Sie eine Spekulation: Wie könnte sich der Basketball-Standort Crailsheim in Zukunft entwickeln?

Crailsheim ist eine basketballverrückte Stadt. Es gibt sehr viele Anhänger und Fans, die mit vollem Herzen dabei sind. Das freut mich unheimlich. Crailsheim gehört in die BBL, ist ein toller Standort. Ich wünsche allen, die mit dem Basketball zu tun haben, dass die Mannschaft nächste Saison nichts mit dem Abstieg zu tun bekommt, sich Jahr um Jahr ein bisschen steigert.

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Steckbrief Konrad Wysocki


Geburtstag: 28. März 1982
Geburtsort: Rzeszów (Polen)
Wohnort: Heidenheim
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Beruf: Basketballprofi, Architekt
Hobbys: Lesen, Faulenzen, in der Sonne liegen, Autos, alles rund um das Haus, Architektur, alles, was man zum Wohlfühlen braucht
Stationen: Princeton University, Düsseldorf, Göttingen, Ulm, Frankfurt, Zgorzelec, Oldenburg, Wloclawek, Crailsheim; 51 Länderspiele, 256 Bundesligaspiele
Größter sportlicher Erfolg: Teilnahme an der Olympiade 2008 in Peking