American Football Abenteuer Sport: vom Volontär zum Titanen

Crailsheim / Luca Schmidt 19.07.2018
Im dritten Teil der Sportserie haben wir die Crailsheim Titans beim Training in Onolzheim besucht, Fazit: Der Ball ist gar nicht so leicht zu fangen und zum Runningback fehlt die Übersicht.

Down, set, hut“ – das sollte der Quarterback der Crailsheim Titans, die in Onolzheim trainieren, eigentlich rufen, bevor er eine Offensiv-Aktion mit dem Ball startet. Allerdings kommt er dieses mal nur bis zum Down; dann bin ich schon gestartet und der gegnerischen Abwehr entwischt – leider ohne Ball und viel zu früh.

Aber der Reihe nach: Schon der Weg auf den Platz ist gar nicht so einfach, wie zunächst vermutet. Das Anziehen des Brustschutzes ist schon etwas komplizierter als gedacht, Helm mit Brille ist sogar noch schwieriger. Mit auf den Weg bekomme ich: „Keine Sorge, die Neuen werden bei uns nicht allzu sehr angegangen.“ Signalisieren soll das ein rotes Trikot, das ich angezogen bekomme und das normalerweise nur die Quarterbacks anhaben. Eigentlich ziemlich beruhigend. Aber als ich es das dritte Mal zu hören bekomme, fange ich an, daran zu zweifeln. 

Kein Vorbeikommen

Die erste Übung nach einem kurzen Aufwärmprogramm ist noch simpel: Der Quarterback übergibt mir den Ball und ich laufe damit los – ohne Gegenspieler. Die kommen bei der folgenden Aufgabe: Ich soll mich gegen einen Defensiv-Spieler durchsetzen. Ich nehme also den Ball und laufe auf ihn zu. Instinktiv drehe ich dabei meine linke Schulter nach vorne – ein Fehler. Der Brustschutz wirkt nämlich nur vorne. Zum Glück werde ich von meinen Gegenspielern weitestgehend geschont.

Jetzt kommt ein geworfener Ball dran. Der Quarterback gibt das Signal, ich laufe los und versuche, den Ball zu fangen – vergeblich. Das schaffe ich erst, als ich in einem Bogen vor den Quarterback laufe – trotzdem ein gutes Gefühl. Nun geht es richtig los: Die Offensive und die Defensive stehen sich gegenüber, es werden Spielzüge trainiert. Ich werde als Wide Receiver eingeteilt – immerhin habe ich schon einen Ball gefangen. Und tatsächlich fange ich wirklich noch mal einen Ball. Weniger erfolgreich läuft es, als ich einen Lauf als Runningback versuche: Als ich den Ball bekomme, folge ich nicht meinem Fullback, also dem Mann vor mir, der mir den Weg freiräumen soll, sondern versuche einen Ausbruch über außen – und werde natürlich sofort abgefangen.

Alles in allem macht das Training echt Spaß, nur eines irritiert mich: Vom Fußball bin ich es gewohnt, dass beinahe alle Spieler eine ähnliche Statur haben – das ist beim Football nicht der Fall. „Die Sportart ist für jeden geeignet. Jede Position stellt an die Spieler andere Anforderungen“, erklärt Headcoach Thomas Kaiser.

Filigran und körperbetont

Dabei sei Football auch abwechslungsreicher als andere Sportarten. „Es gibt sowohl das Lauf- als auch das Passspiel“, so Kaiser. Außerdem müsse man filigran und körperbetont spielen können. Zusätzlich sei der Teamgeist besonders wichtig, sagt der Headcoach. Und nicht zuletzt sind es beim Football die kurzen Konzentrationsphasen während der Spielzüge, die eine Partie entscheiden. „In 10 bis 20 Sekunden haut man hier alles rein“, sagt Kaiser.

Er ist erst seit Mai Headcoach bei den Titans. „Eine Herausforderung war, das Team in der Spur zu halten. Das alte Playbook musste mit nur wenigen Eingriffen auf das Team zugeschnitten werden.“ Beim Playbook handelt es sich quasi um den Heiligen Gral der Offensive einer Mannschaft: Darin stehen die Spielzüge. Wer sich die nicht merken kann, hat zusätzlich einen sogenannten Wrist-Coach, eine Art Schweißband, in welchem die Spielzüge noch einmal aufgelistet sind.

Seit 2005 gibt es die Titans. Die Idee dazu hatte Tom Nittel, der gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitspieler Martin Rückert ein Konzept aufstellte. Beide spielten in der Jugend für die Footballer aus Rothenburg. Aktuell haben die Titans 44 Spieler in ihrem Kader. Die Mannschaft spielt in der Bezirksliga Baden-Württemberg.

Sommerserie „Abenteuer Sport“

Luca Schmidt und Johannes Ihle, beides Volontäre des Hohenloher Tagblatts, werden sich in diesem Sommer in verschiedenen Sportarten ausprobieren. Da geht es beispielsweise zum Segelfliegen, Motocross oder auch zum Bogenschießen. Im Winter wird die Sportredaktion dann diese Serie fortsetzen und bei Gemeinden im HT-Verbreitungsgebiet vorbeischauen.

Info: Die Crailsheim Titans (Herren) und die Crailsheim Hurricanes (Frauen) trainieren jeden Donnerstag von 19 bis 21 Uhr auf dem Sportplatz in Onolzheim. Wer mitmachen möchte, kann vorbeischauen.

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