Reiten Self-made Profi aus Honhardt

Luca Schmidt 24.06.2017
Tabea Lausenmeyer vom RFV Frankenhardt ist württembergische Meisterin im Springreiten. Die 25-Jährige zeigt sich im Moment in bestechender Form.

Eine Woche nach ihrem Triumph bei den württembergischen Meisterschaften hat Tabea Lausenmeyer schon wieder gewonnen, dieses Mal bei den Ichenheim Classics. Doch dieser Sieg soll nur eine Etappe sein auf dem Weg zu einem ihrer Träume.

Zwei Qualifikationstage mussten Lausenmeyer und ihre Stute Chuanita überstehen, am dritten kam dann das Finale. Alle Durchläufe fließen in die Rechnung ein, und am Ende war klar: Die neue württembergische Meisterin kommt aus Honhardt. Bereits im vergangenen Jahr wurde Lausenmeyer württembergische Meisterin, damals allerdings noch in der U-25-Klasse.

Aber sie erringt so schnell Erfolge, dass dieser schon fast wieder veraltet ist. Am vergangenen Wochenende gewann sie ihr erstes S**-Springen in Ichenheim. „S** heißt, dass die Hindernisse zwischen 1,45 und 1,50 Meter hoch sind“, erklärt die sympathische 25-Jährige.

Aber auch dieser Erfolg ist nur eine Etappe. „Dieses war das erste von vier Qualifikationsturnieren für das Hallenchampionat in Stuttgart.“ Eine Teilnahme dort sei einer ihrer großen Träume. Zum einen ist es in der Nähe und eines der größten Turniere in Süddeutschland, zum anderen wird dort auf Weltklasse-Niveau geritten. Ein weiterer Traum steht bereits kurz vor der Erfüllung, das goldene Reitabzeichen. „Dafür braucht man zehn Siege bei S-Springen, mir fehlen jetzt noch zwei“, sagt sie.

Mit vier Jahren angefangen

Dabei wurde Lausenmeyer das Reiten nicht direkt in die Wiege gelegt. „Meine Familie hatte nichts mit Pferden zu tun, ich reite aber schon seit meinem vierten Lebensjahr.“ Das Reiten gelernt hat sie in Saurach.

Heute ist das natürlich was anderes. Nach einer Ausbildung zur Konditorin wusste sie, was sie in Zukunft machen möchte: reiten. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und trainiere dafür jeden Tag.“

Acht Pferde habe sie unter dem Sattel, fünf davon können auf Turnieren starten. Aber von diesen fünf können wiederum lediglich zwei bei den S-Springen antreten. „Der Rest ist noch unter vier Jahre alt und damit zu jung.“ Die Pferde gehören dabei nicht ihr, sondern Rudolf Kühnle. Bereut hat sie die Entscheidung, ein Profi zu werden, nie. „Ich bin sehr ehrgeizig und freue mich jeden Morgen auf die Arbeit.“ In ganz Deutschland ist sie für ihren Beruf unterwegs, rund 20 Wochenenden im Jahr. Neben ihren Pferden ist immer ihr Lkw dabei, auf dessen Türen ihr Name prangt. Der hat ein bisschen was von einem gigantischen Wohnmobil, und so ganz falsch ist dieser Eindruck auch nicht: Vorne ist ein Ess-, Wohn- und Schlafbereich. Im hinteren Teil, vom vorderen abgetrennt, ist noch Platz für bis zu vier Pferde. „Damit habe ich mein Wohnzimmer immer dabei.“

Zusätzlich gibt es noch einen weiteren Pferdeanhänger für bis zu drei Pferde. „Wenn ich damit durch Crailsheim fahre, werde ich schon ab und zu mit großen Augen angeschaut“, sagt sie, und kein Wunder: Zusammen mit dem Anhänger ist das Gespann riesig. Für ihren Erfolg trainieren sie und ihre Pferde hart. „Pro Pferd trainiere ich ungefähr eine halbe Stunde bis Stunde, je nachdem, ob das Pferd will oder nicht.“

Kaum Freizeit neben dem Reiten

Dass da nicht allzu viel Freizeit und Zeit für Freunde übrig bleibt kann man gut nachvollziehen. Ganze vier Tage sei sie letztes Jahr im Urlaub gewesen. „Aber meine Freunde nehmen mich so, wie ich bin“, erklärt sie. Ein Grund warum sie so wenig frei hat: Sie macht alles selbst. „Ich habe keinen Trainer, und eigentlich sind wir so auch ganz erfolgreich, also warum sollten wir etwas ändern?“