Mit einer klaren Leistungssteigerung im Vergleich zum Spiel gegen den MBC hielten die Hakro Merlins Crailsheim die Partie in Bayreuth lange Zeit offen. Zu viele Ballverluste sorgten aber dafür, dass der Favorit am Ende doch als klarer Sieger (102:85) vom Feld ging.

Die treuen Anhänger der Merlins standen auch im letzten Spiel des Kalenderjahres hinter ihrem Team, waren mit einer Hundertschaft angereist und gaben in der gut gefüllten und stimmungsvollen Oberfrankenhalle alles, um ihre Mannschaft anzufeuern.

Beiden Teams gelang in den ersten Angriffen nichts Zählbares, unter anderem weil Sherman Gay in der Merlins-Defensive hellwach war und den ersten Wurf der Bayreuther stark wegblockte. Nach der Führung durch Michael Cuffee (5:4) fand Bayreuth aber besser ins Spiel und zog davon. Zu viele Ballverluste der Gäste begünstigten dies, zudem hatten die Oberfranken auf den starken Beginn von Cuffee (drei Dreier) immer die passende Antwort.

Der Forward kam bei Crailsheim wieder zum Einsatz, nachdem er als sogenannter siebter Ausländer gegen den MBC nicht im Kader gestanden hatte. Gegen Bayreuth musste Joe Lawson aussetzen. Cuffee bedankte sich für das Vertrauen der Trainer mit einer starken Vorstellung, traf am Ende sechs seiner neun Dreierversuche und war mit 20 Zählern bester Punktesammler des Spiels.

Gegen Ende des ersten Abschnittes konnten sich die Zauberer noch einmal heranschleichen, doch mit dem Buzzerbeater zum 26:18-Pausenstand starteten die Hausherren einen 10:0-Run und hatten erstmals ein größeres Polster auf ihrer Seite. Ganz abschütteln ließen sich die Merlins nicht, unnachahmlich legte Frank Turner zum 42:34 ab und zwang Bayreuths Coach Raoul Korner zur Auszeit. In die Kabine ging es mit einem 48:39 zugunsten der Wagnerstädter.

Die zweite Halbzeit begann mit Ballverlusten auf beiden Seiten, ehe Ben Madgen in Fahrt kam. Sieben Punkte erzielte er für die Merlins in Folge, verkürzte damit auf 52:58. Auch Reggie Arnold bestätigte, dass die Merlins ihre Dreierquote in diesem Spiel wiedergefunden hatten. Beide Mannschaften hatten am Ende 44 Prozent ihrer Würfe von jenseits der Dreierlinie getroffen.

Der Rückstand vor dem Schlussviertel blieb trotz der Aufholjagd derselbe wie zur Halbzeit (75:66). Der letzte Spielabschnitt passte nicht zur recht konstanten Merlins-Leistung: In mehr als sechs Minuten erzielten die Gäste nur vier Punkte, gestatteten dem Favoriten 13 (88:70). Diese Hypothek war gegen den Champions-League-Vertreter zu groß, am Ende stand eine 85:102-Niederlage auf dem Konto.

„Wir haben einen guten Schritt nach vorne gemacht im Vergleich zum Mittwoch, aber gegen einen starken Gegner wie Bayreuth reicht das nicht, um sich im Ergebnis niederzuschlagen“, sagte Merlins-Trainer Tuomas Iisalo. Bayreuth habe sehr solide und ausgeglichen gespielt, während sich sein Team zu Beginn zu viele Turnover geleistet habe. „32 Punkte hat Bayreuth aus den Fastbreaks und aus den Offensivrebounds geholt, das war für mich der entscheidende Faktor.“ Außerdem haben gerade die langen Kerls der Bayreuther den Merlins große Probleme bereitet.

Die beiden Power Forwards De’Mon Brooks und Hassan Martin kamen auf starke Statistiken: Brooks erzielte 19 Punkte, traf alle sechs Würfe aus der Zweierdistanz, griff sich zudem fünf Rebounds. Martin kam auf 14 Punkte, fünf Rebounds sowie je drei Blocks und Steals. Der Sohn von NBA-Legende John Stockton, Spielmacher David Stockton, steuerte 15 Zähler (drei von sechs Dreiern), sieben Assists, fünf Rebounds und drei Steals zum Bayreuther Sieg bei.

„Sieg war nie wirklich gefährdet“

Medi-Trainer Raoul Korner war „vor allem mit der Offensive sehr zufrieden. Wir haben den Ball gut bewegt und haben gute Lösungen gefunden. Insgesamt war es eine solide Vorstellung.“ Defensiv hätte sein Team gegen die Werfer allerdings einen besseren Job machen müssen. „Vor allem wieder gegen die Stretch-Vierer, das scheint etwas unsere Schwäche zu sein. Aber nichtsdestotrotz war es alles in allem ein solides Spiel und ein solider Sieg, der nie wirklich gefährdet war, da wir immer, wenn Crailsheim einen Run hatte, eine Antwort gefunden haben. Es war für uns ein Schritt nach vorne.“

Diesen hatte auch Gästecoach Iisalo ausgemacht: „Wie gesagt, es war ein Schritt vorwärts, aber leider nicht genug.“ Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, erklärte: „In Sachen Kampfgeist waren vor allem die ersten drei Viertel ein deutlicher Schritt nach vorne, vor allem nach den beiden letzten Auftritten gegen Ludwigsburg und den MBC. Dennoch müssen wir vor allem die Anzahl unserer Ballverluste klar minimieren. Denn wenn wir dem Gegner auf diese Weise so viele zusätzliche Würfe auf den Weg geben, wird es schwierig, solch ein Spiel zu gewinnen.“

Enskat hatte im Vorfeld der Partie an den Kampfgeist der Spieler appelliert, weil man nur so auch die zuletzt zaudernden Fans wieder mehr erreichen werde. Das scheint gelungen zu sein. „Ich möchte mich im Namen der Mannschaft auch noch einmal besonders bei den Fans bedanken, die sogar nach dem Spiel noch am Bus waren und für die Mannschaft ein tolles Zeichen der Unterstützung gesetzt haben.“

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So spielten sie


Bayreuth – Crailsheim

102:85

Bayreuth: Brooks (19 Punkte, 6 von 6 Zweiern, 5 Rebounds), Stockton (15, 3 von 6 Dreiern, 7 Assists, 5 Rebounds, 3 Steals), Martin (14, 5 Rebounds, 3 Blocks, 3 Steals), Robertson (13), Hrovat (11), Meisner (10), Doreth (6), Thomas (6), Seiferth (6, 5 Rebounds), Raivio (2), Wenzl

Crailsheim: Russell (6 Punkte), Mad­gen (15, 5 Rebounds, 4 Assists), Turner (18, 5 Assists, 4 Steals), Herrera, Wysocki (5), Neumann (11, 4 Rebounds), Arnold (8), Cuffee (20, 6 von 9 Dreiern), Gay (2)

Viertel: 26:19, 22:21, 27:27, 27:19
Rebounds: 34:26
Assists: 24:19
Steals: 10:7
Blocks: 4:1
Ballverluste: 12:18
Feldwürfe:
60 % (42/70) : 54 % (31/57)
Dreier: 44 % (11/25) : 44 % (12/27)
Freiwürfe: 58 % (7/12) : 79 % (11/14)