Melins Merlins unterliegen Vechta: Abstiegsgespenst spukt weiter

Crailsheim / JOACHIM MAYERSHOFER 25.03.2013
Tabellenführer Vechta war für die Crailsheim Merlins eine Nummer zu groß. Nur die erste Halbzeit war ein Duell auf Augenhöhe. Positiv ist, dass die Merlins den Klassenerhalt weiter selbst in der Hand haben.

Schon vor dem Anwurf erreichte die Merlins frohe Kunde: In erster Instanz hat die Ligaleitung den Protest Jenas (das HT berichtete) abgelehnt, und die beiden Punkte bleiben in Crailsheim. Man müsse aber abwarten, ob sich die Thüringer weiter am grünen Tisch streiten wollen, erklärte Manager Martin Romig, dem die "Trikot-Affäre" sichtlich naheging. "Das braucht kein Mensch in unserer Situation!"

Zur etwas entspannteren Miene trug nach der 78:91-Niederlage gegen Tabellenführer Vechta auch die Tatsache bei, dass die Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg ihre Partien ebenfalls verloren: Essen unterlag in Leipzig, Paderborn in Göttingen, Gotha in Nürnberg. "Gott sei Dank haben alle anderen nicht gegen uns gespielt", so Romig. Die Merlins haben es also in den beiden abschließenden Saisonspielen gegen den Vorletzten Gotha (Gründonnerstag, 20 Uhr, in der Hakro-Arena) und beim Tabellenschlusslicht Leipzig (Ostersamstag, 20.30 Uhr) selbst in der Hand, die Klasse zu halten und "endlich das Abstiegsgespenst" zu vertreiben, wie der Manager betonte.

Dass das nicht schon am Samstag gegen Vechta gelang, lag an zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten der Merlins. War Crailsheim im ersten und zweiten Viertel noch absolut gleichwertig, spielte der Tabellenführer im dritten und vierten Abschnitt seine "Stärken immer stärker" aus, wie es Romig formulierte - und gleichzeitig wurden die Merlins immer schwächer. Abzulesen auch an den Statistiken: Philipp Friedel erzielte bis zur Halbzeit zwölf Punkte, danach keinen mehr; Jonathan Moore blieb im Schlussviertel ohne Zähler; Derek Coleman verteilte in den ersten 20 Minuten herausragende acht Assists, danach stellte ihn Vechta mit einer veränderten Verteidigung völlig kalt. Coleman sei anfangs zu viel penetriert und habe die freien Mitspieler zu einfach gefunden, darauf habe man in der Pause reagiert, verriet Vechtas Trainer Pat Elzie.

Einzig Stevie Johnson, mit 22 Punkten und zehn Rebounds bester Schütze der Partie und auffälligster Merlin, konnte in der zweiten Halbzeit noch dagegenhalten und zeichnete in den letzten zehn Minuten für acht von insgesamt nur 13 Crailsheimer Punkten verantwortlich. Von Trainer Willie Young bekam der Center deshalb ein Extra-Lob. Johnson sei für ihn der Spieler des Spiels, weil er bis zum Schluss viel gearbeitet habe.

Seinem Team sei es aber insgesamt nach der Halbzeitpause nicht mehr gelungen, die Spielzüge der Gäste zu unterbinden und in der Defensive weiter Druck auf den Gegner auszuüben, räumte Young ein. Und offensiv landete auch nur noch ein Dreier bei elf Versuchen im Korb (erste Hälfte fünf von zehn). Man habe nicht mehr die richtigen Antworten auf die Spielweise des Spitzenreiters gefunden. "Die hohe Qualität von Vechta war heute ersichtlich, sie haben zum Schluss mit dem Selbstvertrauen eines Tabellenführers gespielt", sagte Martin Romig und war von der Ausgeglichenheit des Gästekaders beeindruckt: Sechs Spieler punkteten zweistellig, der "begnadete Schütze" (O-Ton Romig) Corey Hassan war mit 20 Zählern (vier von sechs Dreiern) bester Korbjäger seiner Mannschaft, die als Aufsteiger weiterhin auf Platz 1 thront.

Crailsheim - Vechta 78:91 (45:42)

Viertel: 22:21, 23:21, 20:28, 13:21

Crailsheim: Johnson (22 Punkte, 10 Rebounds, 2 Blocks), Friedel (12, 3 Steals), Rose (12), Moore (9), Coleman (9, 10 Assists, 6 Turnover), Crow (8), Lischka (4), Buck (2), Karamatskos

Vechta: Hassan (20, 4 von 6 Dreier), Mädrich (18), Doerksen (14), Fumey (12), Rudowitz (12), Stückemann (11), Williams (4, 10 Assists), Ferguson, Krause, Heitzhausen