Crailsheimer Leichtathlet Europameister vor 30 Jahren

Der Crailsheimer Günter Braun beim Weitsprung im deutschen Nationaltrikot im internationalen Einsatz.
Der Crailsheimer Günter Braun beim Weitsprung im deutschen Nationaltrikot im internationalen Einsatz. © Foto: privat
Crailsheim / Ralf Mangold 09.08.2018
Vor 30 Jahren stand Günter Braun bei einer Europameisterschaft auf dem obersten Treppchen.

Den größten Erfolg in seiner langen Leichtathletik-Karriere feierte der Crailsheimer Günter Braun im internationalen Fünfkampf M 50 bei der Senioren-Europameisterschaft in Verona. „Ich war gerne bei Wettkämpfen im Ausland und habe sie dann öfters mit einem schönen Familienurlaub verbunden“, erinnert sich der inzwischen 80-Jährige, der immer noch aktiv ist und im Oktober bei einem Wurffünfkampf an den Start gehen will. „Mit dem Springen funktioniert es nicht mehr so gut“, gibt er lächelnd zu. Seine Bestleistung im Weitsprung betrug immerhin 6,83 Meter, mit der er den deutschen Meistertitel bei den Senioren M 35 gewonnen hatte.

Bei der EM in Italien 1988 setzte er immerhin noch 5,90 Meter in den Sand. Alle seine Leistungen hat der rüstige Rentner noch genau im Kopf: Speerwurf: 37,80 Meter, 200-Meter-Lauf: 25,20 Sekunden, Diskus-Wurf: 38,00 Meter und der 1500-Meter-Lauf in 5:17 Minuten brachten ihm Gold. „Ich wusste, dass ich mithalten kann, aber von einem Titel habe ich nicht einmal zu träumen gewagt.“

Dreimal in der Woche hat Braun damals trainiert, mit zehn Jahren hat er mit der Leichtathletik angefangen und fühlte sich schon von Kindesbeinen an hingezogen zum Mehrkampf. „Leichtathletik mit Werfen, Springen und Laufen ist die Grundlage auch für jede andere Sportart.“ Bis vor etwa zwanzig Jahren hat Braun regelmäßig an Wettkämpfen im Ausland teilgenommen. „Ich war schon beruflich gern und viel in anderen Ländern und konnte nun im Urlaub viel von Land und Leuten kennenlernen.“ Alle Reisen zu Wettkämpfen hat Braun selbst bezahlt. Und so hatte er auch nie einen Betreuer vor Ort und musste sich um alles selber kümmern. „Mit der Zeit hat man sich unter den Teilnehmern kennengelernt und gegenseitig unterstützt.“ Vor allem mit Hermann Albrecht war Braun öfters bei Auslandswettkämpfen zusammen unterwegs.

Ein Leben mit und für den Sport

Das Thema „Doping“ ist für Braun gar kein Thema: „Ich brauchte nie leistungsfördernde Mittel, ich habe nur meine Lebensweise und Ernährung dem Sport angepasst.“ Im Seniorensport seien zwar einzelne Fälle aufgetreten, „doch das war wirklich die Ausnahme.“ Zuletzt war Braun bei der deutschen Meisterschaft in Nürnberg als Zuschauer und war beeindruckt von den Leistungen der Athleten. „Ich denke, die deutschen Athletinnen und Athleten sind gut vorbereitet und haben in fast allen Disziplinen Endkampfchancen.“ Allerdings sieht er bei den Medaillenaspiranten eher Großbritannien und Frankreich, vielleicht noch Polen vorn. „Aber wer bei einer EM in den Endkampf kommt, hat schon Tolles geleistet.“ Dies werde in der Öffentlichkeit allerdings oft zu wenig gewürdigt.

Den Haller Torben Laidig hat Braun als tollen Sportsmann wahrgenommen. „Ein Erfolg für ihn wäre, wenn er die Qualifikation überstehen würde und im Vorkampf mit den besten zwölf Stabhochspringern dabei wäre. Das Optimum wäre ein Platz im Endkampf unter den Top acht.“ Braun wird auf jeden Fall genau hinschauen. Er will alle Wettkämpfe im TV anschauen. „Die Medienpräsenz bei dieser ,kleinen Olympiade’ könnte einen Schub für die Leichtathletik geben“, hofft Braun auf weiteren Nachwuchs, der später in seine Fußstapfen tritt.

Ein Hohenloher mit Endkampf-Chancen

Morgen um 10.30 Uhr beginnt die Qualifikation der Stabhochspringer. Die ARD überträgt live von der Europameisterschaft in Berlin. Sollte der Schwäbisch Haller Torben Laidig diese Hürde überspringen, wäre er am Sonntag um 19.10 Uhr beim Endkampf im Olympiastadion dabei. rama

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