Basketball Keine Zauberei

Manchmal braucht man nur in die Gesichter zu sehen, um zu wissen, ob es läuft oder nicht. Die Hakro Merlins Crailsheim versammeln sich in einer Auszeit um Head Coach Tuomas Iisalo.
Manchmal braucht man nur in die Gesichter zu sehen, um zu wissen, ob es läuft oder nicht. Die Hakro Merlins Crailsheim versammeln sich in einer Auszeit um Head Coach Tuomas Iisalo. © Foto: Michael Wiedmann
Berlin / Hartmut Ruffer 13.10.2018

Wir zeigen einfach viel zu viel Respekt“, urteilte Ingo Enskat, der Sportliche Leiter der Hakro Merlins in der Halbzeit. „Wir laufen hinterher und kommen auch in der Offense in schlechte Wurfpositionen.“ Mit 31:53 lagen die Crailsheimer in Rückstand und hatten dabei vor allem eines gewirkt: zögerlich.

Dabei wirkten sie entschlossen, als sie gegen 19.40 Uhr gestern Abend das Spielfeld in der Mercedes-Benz-Arena betraten. Sie wurden mit freundlichem Applaus empfangen. Zwar gab es keine organisierte Fanfahrt in die deutsche Hauptstadt, doch rund 50 Anhänger hatten privat die Reise auf sich genommen und nutzten ihre Klatschpappen.

Im Vorfeld hatten nicht nur die Fans der Merlins darüber spekuliert, welchen US-Amerikaner Head Coach Tuomas IIsalo draußen lässt. Durch die Verpflichtung von DeWayne Russel stehen nun sieben US-Boys unter Vertrag, aber nur sechs dürfen auf den Spielberichtsbogen. So musste Sherman Gay zuschauen.

Alba legte ein mächtiges Tempo vor, da half auch eine Auszeit von Tuomas Iisalo nichts. Die Niederlage unter der Woche im Euro-Cup in Zagreb schien die Albatrosse angestachelt zu haben. Nach sechs Minuten stand es 22:9 und der spanische Head Coach von Alba Berlin Aito Garcia Reneses konnte es sich leisten, schon früh den 17-jährigen Franz Wagner aufs Feld zu schicken, einen Doppellizenzspieler. Ansonsten konnte der 71-Jährige, den alle nur respektvoll „Coach Aito“ nennen, in Ruhe zuschauen, was seine Mannschaft machte. Vor allem dank ihrer physischen Stärke verschafften sich die Berliner Respekt. Nach zehn Minuten stand es 33:15. Neun Crailsheimer Punkte gingen dabei auf das Konto von Joseph Lawson.

Lautstarke Fans

Tuomas Iisalo sprach in der Viertelpause mit Nachdruck auf seine Mannschaft, die danach zunächst aus der Distanz etwas besser traf. Doch gute Szenen wie der Dreier von Michael Cuffee wechselten sich mit weniger guten ab: Frank Turner produzierte einen „Airball“, traf also bei seinem Versuch weder Korb noch Brett. „Das kommt einer defensivstarken Mannschaft wie Alba entgegen, die dann schnell umschaltet und zu leichten Punkten kommt, während wir dann wieder von hinten aufbauen müssen“, so Enskat.

Die Crailsheimer Fans jedenfalls waren unabhängig vom Zwischenergebnis in Feierlaune. Sie machten sich lautstark bemerkbar (“Alba, wir hören nichts!“) und bejubelten auch die ersten Punkte von DeWayne Russell. Der Mann mit der Rückennummer 0 verwandelte zwei Freiwürfe. Allerdings kassierte er kurz vor Ende des zweiten Viertels bereits sein drittes Foul, Iisalo nahm ihn sofort vom Feld und brachte wieder Frank Turner. Doch noch immer wirkten die Merlins unentschlossen. „Ja, der Gegner heißt Alba, aber das darf doch erst einmal nicht wichtig sein. Wir haben gegen Gießen gezeigt, wie es geht. Dieses Level sollten wir in jedem Spiel zeigen, egal, ob der Gegner Berlin, Gießen oder MBC heißt“, meinte Ingo Enskat. „Ich hoffe, dass die Mannschaft nach der Pause den Respekt ablegt.“

Merlins werden aggressiver

Tatsächlich war die Körperspannung zu Beginn des dritten Durchgangs deutlich höher – und schon fielen auch häufiger die Bälle durch die Reuse. Ben Madgen versenkte zwei Dreier, beide Male wurde er gut freigespielt. Die Merlins waren nun aggressiver. DeWayne Russel ließ erst einen Berliner ins Leere springen und traf dann jenseits der 6,75-Meter-Linie. Alba beeindruckte das nur bedingt. Zwar mussten sie nun etwas mehr investieren, aber die Berliner trafen nach wie vor regelmäßig. Selbst das dritte Viertel, das das beste der Merlins war, holte sich Alba mit 27:22 Punkten.

Gegen Ende des Spiels taute dann auch das Publikum in der Mercedes-Benz-Arena etwas auf. Vielleicht hielten sich die 7231 Fans auch deswegen zurück, weil sie einen kleinen Schock zu verkraften hatten. In der Halbzeitpause wurde das Pokalviertelfinale ausgelost: Alba muss zum FC Bayern.

Die letzten Minuten standen unter dem Motto „Run and gun“. Beide Seiten legten einige Punkte aufs Scoreboard, am Ende leuchtete ein 115:76 für Alba Berlin auf. 35 Zähler erzielte der Vize-Meister in den letzten zehn Minuten. Sieben Spieler punkteten zweistellig, was auch für die besondere Qualität des Kaders spricht.

Bei den Merlins war Joseph Lawson mit 17 Zählern erfolgreichster Korbwerfer. Das Debüt von DeWayne Russell war mittelprächtig, aber der US-Amerikaner zeigte auch einige starke Aktionen. Ein Sieg bei Alba Berlin war sicher nicht eingeplant und doch blieb am Ende das Gefühl, dass die Merlins es besser können. 15 Turnover leisteten sie sich, das ist für die BBL zu viel.

Am Samstag, 20. Oktober, folgt ein richtungsweisendes Spiel für die Mannschaft von Head Coach Tuomas Iisalo. Sie erwarten dann in der Arena Hohenlohe das Team aus Jena.

So spielten sie

Berlin – Crailsheim

115:76

Berlin: Siva (16 Punkte/3 Dreier), Giffey (8), Mattisseck, Schneider (12), Chapman (13), Hermannsson (14), Wagner (4), Ogbe (8), Giedraitis (12), Sikma (17), Peno (11)

Crailsheim: Russell (7), Madgen (14), Turner (6), Herrera (4), Wysocki (9), Neumann (4), Rush (5), Ferner (5), Cuffee (5), Lawson (17)

Viertel: 33:15, 20:16, 27:22, 35: 23

Rebounds: 45:27

Assists: 33:20

Dreier: 15:11

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