Erfolge verlangen Opfer. Und jede Menge Selbstdisziplin. Das kann Stefan Vasovic – bei Freunden und Mitschülern besser bekannt als „Stefko“– aus eigener Erfahrung bestätigen. Während die Schule die meisten Jugendlichen wie ein Vollzeitjob auslastet, spielte der 18-Jährige nebenher zeitweise nicht nur für ein, sondern sogar bei zwei Teams Basketball.

Gestartet hat er seine Sportkarriere allerdings nicht mit dem Basketball – und auch nicht bei den Hakro Merlins Crailsheim. Sechs Jahre lang spielte Stefko Fußball in seiner Heimatgemeinde Erlenbach. Angefangen hat er, als er sieben Jahre alt war. Nur durch Zufall landete er während eines Familienurlaubs auf einem Basketballplatz und fing aus Langeweile an, mit seinem Fußball auf den Korb zu werfen.

Sein Vater war es, der ihm vorschlug, sich das Basketballtraining bei den Neckarsulm Lions anzuschauen. Daran fand Stefan sofort Gefallen. „Basketball hat mir viel mehr Spaß gemacht als Fußball“, erzählt er, „und ich habe es schnell gelernt.“

Vasovic pendelt lange Zeit zwischen Neckarsulm und Crailsheim

Bei einem Match gegen die Merlins konnte Stefan deren Trainer Ingo Enskat von seinem Talent überzeugen – und spielte von diesem Zeitpunkt an nicht mehr nur in Neckarsulm, sondern auch in Crailsheim. Für das Training bei den Merlins musste er zwei Jahre lang fast täglich pendeln. Ungefähr eine Stunde dauert die Fahrt von seinem Heimatort in der Nähe von Neckarsulm nach Crailsheim. Hausaufgaben sind dabei wortwörtlich auf der Strecke geblieben und mussten auch mal im Auto erledigt werden.

Warum er das auf sich genommen hat? Aus purer Leidenschaft. Auf die Frage, wie wichtig ihm Basketball auf einer Skala von eins bis zehn ist, antwortet Stefan, ohne zu zögern, „500.000!“ und lacht. Eine typische Stefko-­Antwort.

Nachdem er zwei Jahre lang für beide Teams gespielt hatte, wechselte er für die erste Jugendbundesliga-Saison bei den Merlins endgültig zum Crailsheimer Basketballteam. „Das Pendeln war echt anstrengend“, erzählt Stefan. Um sich die langen Fahrtzeiten zu ersparen, zog er vor der zehnten Klasse in das Internat der Schloss-Schule in Kirchberg. So konnte er sich besser auf seine schulischen Leistungen konzentrieren – „ohne Schule läuft nichts“, weiß Stefko.

An das Internatsleben habe er sich schnell gewöhnt: „Ich konnte fast jedes Wochenende heimfahren und war auch vorher wegen Basketballcamps oft von zu Hause weg“, erzählt er. Trotzdem ist und bleibt Stefan ein echter Familienmensch: Wenn es etwas gibt, das ihm wichtiger ist als der Sport, dann sind das seine Eltern und seine beiden jüngeren Brüder. Mit den Merlins scheint Stefan eine Art zweite Familie gefunden zu haben. Besonders zu schätzen weiß er das starke Gemeinschaftsgefühl des Teams und die Unterstützung, die ihm vor allem Geschäftsführer Martin Romig und der sportliche Leiter Ingo Enskat jederzeit bieten. „Die Merlins sind geil“, fasst Stefko treffend zusammen.

Seinen bisher größten persönlichen sportlichen Erfolg feierte Stefan im Frühling. Im Mai durfte er in der deutschen U-18-Nationalmannschaft im Drei-gegen-drei-Basketball spielen. Mit Deutschland belegte er beim Qualifikationsturnier für den Europe-­Cup Platz 7.

Mit der U 19 der Merlins in der Nachwuchsbasketball-Bundesliga in die Play-offs zu kommen und selbst eine gute Saison hinzulegen, sind seine nächsten Ziele. Zudem spielt er auch noch in der Regionalliga-Herrenmannschaft der Zauberer. „Aktuell trainiert er nicht bei uns in der ersten Mannschaft, war aber früher schon mal bei einigen Trainingseinheiten dabei. Ob er es zu den Profis schaffen kann oder nicht, lässt sich momentan schwer sagen. Die Entwicklung in diesem Alter ist nicht immer geradlinig“, sagt Ingo Enskat. „Wohin der Weg geht, wird man in den nächsten Jahren sehen. Als Stefko damals zu uns gewechselt ist, war ich hier sein erster Trainer. Er war der stärkste Spieler in der anderen Mannschaft, als er gegen uns gespielt hat. Seine Entwicklung zu sehen, ist einfach toll. Er ist momentan mit im Förderprogramm beim Individualtraining. In der zweiten Mannschaft und in der NBBL-Mannschaft hat er jeweils eine wichtige Rolle. Für uns im Verein ist er schon einer, wo wir auf die Entwicklung gespannt sind.“

Extra Training in der Basketballhalle muss sein

„Dieses Jahr ist wichtig für mich“, erklärt Stefan Vasovic. Denn er denkt an die Zukunft und will sich dafür die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen. Je besser er spiele, desto höher seien seine Chancen, gescoutet zu werden oder einen Profivertrag zu bekommen. Um das zu erreichen, geht er auch Mal außerhalb der Trainingszeiten in die Halle. „Ich will später vom Basketball leben können“, erklärt Stefko. Seinen Lebensunterhalt mit dem zu verdienen, was er liebt, sei sein größter Traum – und außerdem habe er „keine Lust darauf, das ganze Leben lang im Büro zu sitzen“. Einen Plan B als Alternative zur Sportkarriere gibt es noch nicht. Bis jetzt setzt er alle Karten auf Basketball und konzentriert sich dieses Jahr ganz auf den Sport.

Im Sommer hat Stefko sein Abi­tur mit der Note 2,4 bestanden. Auf die Frage, wie er es geschafft hat, gleichzeitig schulische und sportliche Höchstleistungen zu erbringen, antwortet er locker: „Ich bin nicht der Einzige, der das so macht. Und ich wollte es ja so.“ Unter Druck habe er sich vor allem selbst gesetzt, weil er in der Schule und auf dem Spielfeld immer sein Bestes geben wollte. Man gewöhne sich aber an die Belastung. „Eigentlich ging es, ich hab’ mein Abi ja irgendwie gepackt“, witzelt er und zuckt mit den Schultern. Bescheiden, wie man es von ihm kennt. Wer auf abgehobene Kommentare und Prahlerei wartet, ist bei Stefko an der falschen Adresse.

Klassenkameradin blickt auf die Abireise zurück


Unsere Praktikantin Natalie Jost, die den Artikel geschrieben hat, und Stefan Vasovic haben an der Schloss-Schule Kirchberg gemeinsam Abitur gemacht. Sie waren zwei Jahre lang zusammen in der Kursstufe und sind gut befreundet. Natalie erinnert sich:

„Viel Zeit für Freunde oder Partys ist bei Stefko neben Sport und Schule leider nicht wirklich übrig geblieben. ,Ich hatte aber auch nicht das Verlangen danach, jedes Wochenende in den Club zu gehen oder Alkohol zu trinken‘, sagt er. Wenn wir nach den Abiturprüfungen gefeiert haben, war Stefko schon wieder in der Halle, um zu trainieren. Das Gefühl, etwas zu verpassen, habe er nicht gehabt. ,Mir hat das alles nicht gefehlt‘, erklärt er. Vor unserer Abireise nach Novalja in Kroatien war Stefko nur ein einziges Mal im Club. ,Das konnte ich dort ja nachholen‘, meint er zufrieden. Angemerkt hat man ihm seine mangelnde Partyerfahrung jedenfalls kein bisschen: Offensichtlich fühlt er sich nicht nur auf dem Basketballfeld, sondern auch auf der Tanzfläche recht wohl. Bis früh in die Morgenstunden zeigte er sportliches Durchhaltevermögen. Und ein entscheidender Vorteil beim Feiern mit Stefko ist und bleibt die Tatsache, dass es bei seiner Körpergröße von 1,95 Meter auch in riesigen Menschenmengen unmöglich ist, ihn aus den Augen zu verlieren.“