Rickey Paulding ist nicht Michael Jordan. Der eine, Jordan, 56 Jahre alt, hat mit den Chicago Bulls sechs Meistertitel in der besten Basketballliga der Welt, der NBA, gefeiert, gilt für viele noch immer als bester Basketballer aller Zeiten und sein Name ist eine Weltmarke im Sportartikelgeschäft.

Der andere, Paulding, 37 Jahre alt, gewann 2009 mit Oldenburg die deutsche Meisterschaft, wird wohl jedoch genauso wenig eine eigene Sportartikelmarke gründen, wie in seiner Karriere noch ein NBA-Spiel absolvieren.

Unverkennbare Parallelen

Und trotzdem sind da unverkennbare Parallelen zwischen den beiden Shooting Guards. Die Glatze, der Oberlippenbart, die 23 auf dem Trikot. Dieser wunderbare Fadeaway-Wurf, von Jordan bis zur Perfektion einstudiert, bei dem sich Paulding im ersten Viertel gegen Crailsheim mit einer schnellen Drehung vom verteidigenden Jeremy Morgan befreit, im Rückwärtsfallen trifft und dabei der Nummer 23 aus Chicago so verblüffend ähnlich sieht.

Wegen eines Wurfs allein halten sie in den Staaten Jordan nicht für den „Greatest of all time“, den  „Größten aller Zeiten“. Nein, vielmehr hat Jordan den Basketball mit seiner Siegermentalität geprägt. Diese Mentalität, diesen unbedingten Willen, zu gewinnen, besitzt auch Paulding und wegen diesem wird Oldenburg in Basketballkreisen gerne mal „Pauldingburg“ genannt.

Paulding selbst drückte das am Samstagabend, nachdem er die Merlins mit Oldenburg in einem Overtime-Krimi besiegt hatte, ganz nüchtern aus: „Ich liebe es einfach zu spielen.“ Beim Gastspiel der Oldenburger in der Arena Hohenlohe stand er die gesamten 45 Minuten auf dem Parkett – eine Seltenheit im Basketball. Und das, obwohl er erst am vergangenen Mittwoch mit seinen Baskets im Eurocup in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica mit knapp 33 Minuten am längsten von allen Oldenburgern gespielt hatte.

„Wir haben einen guten Betreuerstab, der darauf achtet, dass wir genug Ruhe und Erholung bekommen.“ So erklärte Paulding seine außergewöhnliche Leistung. „Ich habe ihm eine Pause angeboten, er hat nur gesagt: ‚Coach, ich bin okay.’“, sagte Oldenburgs Headcoach Mladen Drijencic auf der Pressekonferenz nach der Partie.

Crailsheim Merlins liegen zur Halbzeit klar vorne

Pauldings  32 Punkte, die ihn gleichzeitig zum Topscorer der Begegnung machten, waren ein entscheidender Grund dafür, dass die Merlins am Samstag ihre erste Niederlage der laufenden BBL-Saison hinnehmen mussten. Anders als noch im BBL-Pokalspiel Ende September, als die Crailsheimer gegen Oldenburg von Beginn an einem Rückstand hinterherliefen, lagen sie die längste Zeit der Begegnung selbst vorne. Jeremy Morgan brachte Crailsheim mit einem Korbleger in der sechsten Minute in Führung, die die Merlins bis weit in das vierte Viertel nicht mehr hergaben.

Die aggressive Verteidigung der Crailsheimer bereitete den Oldenburgern gerade in Hälfte eins Probleme: In den ersten beiden Viertel leisteten sich die Gäste elf Ballverluste. Mit einem 8:0-Lauf zogen das Heimteam zu Beginn des zweiten Viertels auf 31:18 davon. Einmal mehr punkteten die Gastgeber gut. Wenn das Zusammenspiel und die Spielzüge einmal nicht funktionierten, so schien es, fanden sie durch Einzelaktionen trotzdem einen Weg zum Korberfolg. Etwa durch Jan Span, der mit drei Step-Back-Dreiern, die mittlerweile durchaus als sein Markenzeichen gelten können, die Oldenburger Verteidigung in der ersten Hälfte vor Probleme stellte.

Der gefährlichste Spielzug der Merlins blieb die gesamte Partie über aber das Zwei-Mann-Spiel zwischen Aufbauspieler DeWayne Russell und Center Aaron Jones. Ob Jones per Dunk am Ende von Alley-Oop-Anspielen, per Dreier nach Vorlage von Russell oder Russell, der selbst zum Korb zog, wenn sich Oldenburg zu sehr auf Jones konzentrierte – die beiden Akteure fanden fasst immer einen Weg zu punkten.

Oldenburg dominiert bei den Rebounds

„Das Zusammenspiel zwischen DeWayne Russell und Aaron Jones war sehr schwierig zu stoppen“, sagte Crailsheims Trainer Tuomas Iisalo nach der Partie. Mit 23 Punkten und zwölf Vorlagen bei nur einem Ballverlust war Russell bester Crailsheimer Akteur. „Es freut mich für DeWayne, dass er jetzt mit viel Selbstvertrauen spielt“, so Iisalo über seinen Point Guard.

Dass die Oldenburger nach einem 35:47-Rückstand zur Halbzeit überhaupt noch einmal zurückkamen hing auch damit zusammen, dass sie ihre beiden großen Spieler Rasid Mahalbasic und Nathan Boothe im dritten und vierten Viertel besser in die Partie einbanden. Immer wieder spielten sie Mahalbasic unter dem Korb an, von wo aus er Chancen kreierte. Vor allem aber dominierten die beiden Oldenburger die offensiven Bretter und griffen sich vier (Mahalbasic) und fünf (Boothe) Offensivrebounds. „Wir müssen uns sehr entwickeln gegen größere Mannschaften“, so Tuomas Iisalo. 18 Punkte erzielte Oldenburg aus zweiten Chancen nach Offensivrebounds, die Gastgeber keinen einzigen.

Ein Dreier von Boothe brachte Oldenburg im letzten Viertel in Führung (74:76). Zuvor hatten Russell für Crailsheim und Paulding für Oldenburg mit sieben und elf Punkten im Schlussabschnitt geglänzt. Boothe erhöhte kurz vor Ende der regulären Spielzeit nach einem Offensivrebound auf 77:82. Jones verkürzte von der Freiwurflinie (78:82), ehe er mit einem Alley-Oop-Dunk – angespielt von Russell – die Merlins bis auf zwei Punkte heran- und die Halle zum Beben brachte (80:82). Russell glich mit zwei Freiwürfen aus (82:82).

Die Merlins verteidigten den Oldenburger Angriff, hatten mit 9,1 Sekunden auf der Uhr den Ball. Oldenburg foulte zweimal – noch zwei Sekunden. Russell bekam den Ball in der Ecke, setzte zum Sprungwurf an, Paulding ganz eng hinter ihm. Das Leder flog am Korb vorbei, Russell forderte ein Foul gegen Paulding. Hätten die Schiedsrichter hier pfeifen müssen? „Nein. Die Schiedsrichter haben einen guten Job gemacht“, sagte Tuomas Iisalo. In der Overtime setzten sich die Gäste, angeführt von Paulding, der nochmals sechs Punkte beisteuerte, durch.

Trotz der Niederlage war Iisalo zufrieden. „Das war ein super, super Spiel auf ganz, ganz hohem Niveau. Wir haben heute alles gegeben, was wir hatten. Darum bin ich sehr stolz.“

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So spielten sie


Crailsheim – Oldenburg

93:98

Crailsheim: Russell (22 Punkte, 12 Assists), Span (11), Herrera (5), Bleck (2), Ford (6), Morgan (12), Kovacevic (2), Hawkins (10), Jones (22)
Oldenburg: Hobbs (9 Punkte), Blakes (10), Sears (2), Tadda (4). McClain, Paulding (32, 4 von 7 Dreier), Mahalbasic (11, 14 Rebounds), Schwethelm (6), Boothe (21, 11 Rebounds)
Viertel: 23:18, 24:17, 15:24, 20:23,
11:16 (Overtime)
Rebounds: 27:49
Assists: 22:15
Steals: 7:5
Turnover: 13:20
Dreier: 13:7