Den Hakro Merlins Crailsheim hat eine 20-Punkte-Führung in Würzburg nicht gereicht, um am Freitagabend das Spiel zu gewinnen. Nach Verlängerung zogen die Zauberer mit 92:88 den Kürzeren. Es ist ihre dritte Niederlage in Folge in der Bundesliga, die vierte in den letzten fünf Spielen. Durch den Sieg rückt Würzburg in der Tabelle auf Platz 5, Crailsheim rutscht auf Rang 7 ab.

Für Maurice Stuckey und Dejan Kovacevic war es eine Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte. Kovacevic spielte in der Saison 2017/18 für Würzburg. Stuckey lief sogar fünf Spielzeiten für die Würzburger auf. Der Merlins-Neuzugang sagte vor der Partie am Mikrofon bei Magenta-Sport, dass es sich anfühle, wie ein Stückchen nach Hause kommen. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass man das Publikum in der s.Oliver-Arena nicht ins Spiel kommen lassen dürfe. Er forderte deshalb, dass sein Team viel Energie aufs Parkett bringen und die Schlüsselspieler des Gegners kontrollieren müsse.

Merlins starten mit 10:0-Lauf

Den Merlins gelang ein Traumstart: 10:0 lagen sie nach zweieinhalb Minuten vorne. Sebastian Herrera traf dabei zwei Dreier. Würzburgs Coach Denis Wucherer giftete in der Auszeit: „Hört verdammt noch einmal auf zuzusehen!“ Doch Crailsheim blieb heiß. Javontae Hawkins versenkte den Dreier trotz eines Fouls und auch den Freiwurf obendrauf. Aaron Jones‘ Alley-oop fiel in den Korb, Maurice Stuckey traf zwei Dreier. Alle fünf Merlins-Dreier waren bis dahin in den Korb gesegelt. 5:25 lautete der Spielstand. Er könne sich nicht erinnern, dass in einem Spiel in der BBL nach fünfeinhalb Minuten 25 Punkte bei einer Mannschaft auf der Habenseite standen, sagte Kommentator Chris Schmidt ungläubig. Als die Hausherren dann einen 7:0-Lauf starteten, nahm Merlins-Trainer Tuomas Iisalo direkt die Auszeit (12:25).

Dejan Kovacevic antwortete mit einem krachenden einhändigen Dunking und einem leichten Korbleger (12:29). Als Würzburg auf zehn Zähler herankam, war es erneut Kovacevic, der einen Korbleger und den Bonusfreiwurf traf (19:32). DeWayne Russell zog vehement zum Korb, wurde gefoult, traf beide Freiwürfe. Mit einer 34:19-Führung gingen die Merlins in die Viertelpause. Was für ein Offensivspektakel der Crailsheimer bislang. Sieben von sieben Zweiern, fünf von neun Dreiern, fünf von fünf Freiwürfen landeten im Korb – Wahnsinn! Auch das erste Viertel in Bonn war 19:34 ausgegangen, am Ende hatten die Merlins dort 114:82 gewonnen. In Würzburg sollte es anders kommen.

Zur Halbzeit lagen die Merlins mit 13 Punkten vorne (55:42). Die Dreierquoten waren stark: 50 Prozent (7 von 14) bei den Hausherren, die durch Florian Koch, der drei von vier Dreiern traf (elf Punkte), und Cameron Wells (zwölf) im Spiel gehalten wurden. Crailsheim netzte 9 von 19 Dreiern ein (47 Prozent), Hawkins war mit zwölf Zählern deren bester Korbjäger, Herrera, Kovacevic und Jones steuerten je neun bei.

Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, sagte zur Halbzeit: „Es war ein toller Start. Beide Mannschaften waren in der Offensive sehr gut. Würzburg hat am Ende in der ersten Halbzeit sogar noch eine höhere Dreierquote gehabt als wir. Die Mannschaften haben sich da nichts geschenkt. Bei uns war gut, dass wir variabel waren. Viele Positionen haben was gemacht. Stuckey und Dejan haben von der Bank eine gute erste Halbzeit gespielt. Wenn wir es schaffen, dass die Leute, die reinrotieren, weiter so im Spiel drin sind, kann das ein großer Vorteil für uns sein. Es wird sehr wichtig sein, dass wir weiter so ausgeglichen auf dem Feld agieren.“

Merlins verkorksen drittes Viertel

Doch schon kurz nach dem Start ins dritte Viertel verkürzte Würzburg den Rückstand auf sechs Punkte, nachdem Koch erneut einen Dreier getroffen hatte (49:55). Iisalo nahm die Auszeit. Crailsheim blieb fast drei Minuten ohne eigenen Punkt, bis Fabian Bleck traf (49:57). Einen Stuckey-Dreier (53:60) beantwortete Wells mit einem Dreier (56:60). Kochs Dreier rollte raus, aber Junior Etou legte den Ball rein. Nur noch zwei Punkte Führung für Crailsheim (58:60). Und es kam, wie es sich abgezeichnet hatte. Etou glich das Spiel aus (62:62). In knapp sechs Minuten hatte Würzburg das Spiel gedreht. Dann knickte auch noch Kovacevic um und musste vom Feld, es sah nach einer Bänderverletzung am linken Knöchel aus. Alles lief auf einmal gegen die Merlins. Felix Hoffmann sorgte für die erste Führung der Hausherren (64:62). Hawkins traf nach einem Ausfallschritt auch den Freiwurf (64:65). Hofmann schnappte sich den Abpraller (66:65), Jones per Alley-oop zum 66:67, Etou zum 68:67, Jan Span mit einem Dreier zum 68:70. So ging es auch ins letzte Viertel. Es knisterte in der s.Oliver-Arena.

Die letzten zehn Minuten begannen auf beiden Seiten vogelwild. Die Angst, Fehler zu machen, war bei beiden Teams deutlich zu spüren. Lediglich ein Dreier von Victor Rudd und zwei Zweier von Aaron Jones standen nach dreieinhalb Minuten zu Buche (71:74). Hulls verkürzte auf 73:74, Etou machte das 75:74. Noch vier Minuten auf der Uhr. Maurice Stuckey nagelte zwei Dreier rein (75:80). Wells für drei und mit Zug zum Korb (80:80). Quincy Ford machte 20 Sekunden vor Schluss nur einen von zwei Freiwürfen, Wells zog zum Korb und glich zwei Sekunden vor Schluss zum 84:84 aus. Verlängerung.

Hier behielt Würzburg knapp die Oberhand, weil Crailsheim zu wenige Punkte aus dem Feld und zu viele Fehler machte. DeWayne Russell vergab den möglichen Ausgleich, Florian Koch setzte mit dem 92:88 den Deckel auf die intensive Partie. Bei Würzburg war Cameron Wells mit 25 Punkten bester Korbjäger, aber Felix Hoffmann, Florian Koch und Luke Fischer waren mit ihrem Einsatz und ihrer Körperlichkeit die treibenden Kräfte bei den Gastgebern, die bei den Rebounds klar den Vorteil hatten (50:28). Bei Crailsheim kam Javontae Hawkins auf 18 Zähler, Jan Span (einer von sechs Dreiern) und Quincy Ford (zwei Punkte) erwischten einen gebrauchten Tag. Dafür wusste Maurice Stuckey mit 17 Punkten (fünf von acht Dreiern) und vier Rebounds an alter Wirkungsstätte zu gefallen.

Schlechte Entscheidungen

„Wir haben’s in der Hand gehabt, aber am Ende den Sack nicht zumachen können. Im dritten Viertel haben wir nicht die nötige Toughness gezeigt, als Würzburg den Druck erhöht und wirklich sehr physisch gespielt hat. Da haben wir nicht genug dagegengehalten. Da ist der ganze Vorsprung, den wir zur Halbzeit hatten, in einem Viertel weggegangen“, erklärte Ingo Enskat. „Am Ende der regulären Spielzeit und am Ende der Verlängerung waren wir einfach nicht smart genug und haben schlechte Entscheidungen getroffen. Natürlich sind die Spieler auch erschöpft. Aber trotzdem muss man in der Phase bessere Entscheidungen treffen. Wir haben versucht, es zu individuell zu lösen.“

So spielten sie


Würzburg – Crailsheim

92:88

Würzburg: Hulls (4 Punkte), Obiesie, Rudd (3, 8 Assists), Etou (14), Hassfurther, Richter (4), Bowlin (5), Koch (16, 4 von 7 Dreier), Wells (25, 3 von 6 Dreier), Hoffmann (9, 8 Rebounds), Fischer (12, 10 Rebounds)

Crailsheim: Hawkins (18, 6 Rebounds), Ford (2), Herrera (9, 3 von 7 Dreier), Span (3), Russell (6, 7 Assists), Kovacevic (9), Bleck (8, 2 von 2 Dreier), Jones (16, 5 Rebounds), Stuckey (17, 5 von 8 Dreier), Carpenter

Viertel: 19:34, 23:21, 26:15, 16:14, 8:4
Rebounds: 50:28
Assists: 24:15
Steals: 7:8
Turnover: 18:15
Dreier: 11/27 : 13/33