Völlig konsterniert sitzt Ingo Enskat noch einige Minuten nach Spielende auf seinem Stuhl. „Was wir in der zweiten Halbzeit abgeliefert haben, war unheimlich enttäuschend. Vielleicht ist es Kopfsache. Wir werden uns jetzt zusammen setzen und überlegen, wie es weiter geht.“ Auf jeden Fall müsse das Team in den nächsten Spielen einen neuen Impuls bekommen. Was er damit gemeint hat, ließ Enskat allerdings offen. Möglicherweise könnte auch der Trainer zur Disposition stehen nach dieser desolaten Vorstellung des Schlusslichts gegen den Vorletzten.

So fiel in diesem Jahr nicht nur die Weihnachtsparty ins Wasser, auch weihnachtliche Showelemente vermissten die Zuschauer. Nach einer desolaten Vorstellung im letzten Viertel gab zudem das Weihnachtsspiel keinerlei Grund zum Feiern.  Zumindest Robert Arnold feierte seine Premiere im Merlins-Trikot. Der Neuzugang mit der Nummer 21 durfte sogar gleich in der Starting Five auflaufen. Dafür fand sich für Michael Cuffee dieses Mal kein Platz im Kader.

Und die Merlins begannen hoch motiviert und gingen bereits nach zwölf Sekunden durch Philipp Neumann mit 2:0 in Führung in der proppevollen Arena Hohenlohe. Kurz darauf dann auch schon die ersten Punkte des Crailsheimer Neuzugangs nach einer tollen Körpertäuschung. Vor allem Ben Madgen war von Anfang an präsent – ganz anders wie zuletzt in Ludwigsburg. Er zeigte großen Einsatz, exemplarisch die Balleroberung vor dem zwischenzeitlichen 14:11 durch Sherman Gay.

Die Gäste hatten bereits nach weniger als sieben Minuten fünf Fouls auf ihrem Konto, doch Crailsheim konnte diesen Vorteil nicht nutzen. So stand es nach dem ersten Viertel 20:19 für die Weißenfelser, bei denen der 2,08-Meter-Riese James Farr in der Anfangsphase auffälligster Akteur war.

Auch nach der kurzen Pause lief es nicht mehr rund bei den Gastgebern und so nahm Trainer Tuomas Iisalo beim Stand von 23:26 die erste Auszeit. Ein physischer Abnutzungskampf zweier stark abstiegsgefährdeten Teams folgte. Frank Turner übernahm nun immer mehr das Kommando bei den Einheimischen, auf der anderen Seite begeisterte Lee Moore mit einigen tollen Pässen und Punkten.

Viele Fehler auf beiden Seiten

Allerdings mischten sich auf beiden Seiten immer wieder Fehler ein, sodass sich keine Mannschaft absetzen konnte. Robert Arnold traf mit drei Freiwürfen hintereinander zum 34:34 nach rund 16 Minuten, bevor Turner das Heimteam wieder in Führung brachte. Doch die Verteidigung bei den Gastgebern funktionierte nicht so gut wie zuletzt und selbst trafen die Merlins nur  drei von 14 Dreierversuchen. Zur Halbzeitpause lagen sie mit 39:46 im Hintertreffen.

Defensivleistung enttäuschend

Crailsheims sportlicher Leiter war vor allem enttäuscht von der Defensivleistung seiner Mannen. „Wir machen zu viele einfache Fehler. Die müssen wir unbedingt abstellen, um das Spiel noch zu drehen“, forderte Ingo Enskat. „Wenn wir besser verteidigen, können wir uns das nötige Selbstvertrauen holen, damit vorne auch wieder die Würfe besser fallen.“

Dieses Vorhaben klappte anfangs der zweiten Hälfte noch nicht, die Gäste zogen auf 39:50 davon. Doch als Gästecoach Aleksandar Scepanovic dem bis dahin überragenden Lee Moore eine Pause gönnte und sich dann auch noch wegen Meckerns ein technisches Foul einhandelte, kamen die Crailsheimer zumindest wieder auf neun Punkte in Schlagdistanz.

Nur kurzes Aufbäumen

In der Schlussphase des dritten Viertels schmolz der Vorsprung der Gäste weiter, DeWayne Russell verkürzte auf 52:57 und plötzlich war die Partie wieder völlig offen. Als Sherman Gay dann sogar noch nachlegte, spürte man förmlich in der immer lauter werdenden Halle, eine Wende ist doch noch möglich gegen einen keinesfalls überragenden Gegner. Doch die Gäste ließen sich nur kurz beeindrucken und führten vor dem letzten Viertel wieder mit 64:54.

Und jenes begann gleich mit einem völlig unnötigen Ballverlust, durch den Moore alleine auf den Crailsheimer Korb laufen durfte. Kurz darauf war der Vorsprung des  MBC erstmals auf 18 Punkte angewachsen. Das Heimteam war inzwischen völlig von der Rolle, vielleicht spielten da auch die Nerven bei diesem „Do or die“-Spiel mit.

Erstmals kamen sieben Minuten vor Spielende vereinzelt Pfiffe auf und in der Arena wurde es immer leiser. In der Offense der Merlins war zu wenig Bewegung und die Defense wurde diesem Namen nur noch bedingt gerecht gegen den Tabellenvorletzten, der vor allem bei den Rebounds nun ein mehr als deutliches Übergewicht hatte. So stand es sechs Minuten vor Spielende 56:76 und nur noch größte Optimisten glaubten an eine Aufholjagd. In der Schlussphase wirkten die Crailsheimer fast schon lustlos und überfordert, die Gästefans skandierten „Hier regiert der MBC“ und viele Heimzuschauer verließen vorzeitig ihre Plätze.

„Wenn wir heute verloren hätten, dann hätte ich wohl gleich mit dem Flixbus heim nach Kroatien fahren können“, scherzte Gästecoach Scepanovic und freute sich über ein gutes Spiel und einen hoch verdienten Sieg seiner Mannschaft. Und dies trotz aller Verletzungsprobleme.

Abstiegsgefahr immer größer

Am Ende hieß es 70:89 und Schlusslicht Crailsheim verliert damit vorerst den Anschluss an die Teams in der  gefährdeten Zone. Ein Abstieg dürfte mit so einer Leistung wohl kaum zu verhindern sein.

Tuomas Iisalo sprach von der schlechtesten Halbzeit, die er in seiner Zeit in Crailsheim je erlebt habe. „Das war eigentlich ein Spiel, das wir hätten gewinnen müssen, aber wir haben völlig den Faden verloren und aufgehört, uns gegen die Niederlage zu stemmen“, so der Merlins-Coach. „Ohne Ausnahme hat heute keiner seinen Job erfüllt – und da schließe ich uns als Trainerteam auch nicht davon aus.“

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Crailsheim

So spielten sie


Crailsheim – Mitteldeutscher BC

70:89

Viertel: 19:20, 20:26, 15:18, 16:25

Crailsheim: Gay (14), Turner (11), Ferner (9), Arnold (8), Madgen (8), Neumann (7), Russell (7), Lawson III (4), Wysocki (2), Herrera

MBC: Novak (16), Turudic (15), Moore (14), Farr (13), Releford (13), Kerusch (8), McNelly (5), Brase (4), Darden (1), Brembly