Vater und Sohn Gay waren nach dem Spiel am Mittwoch gegen Braunschweig gleichermaßen begeistert. Neben DeWayne Russell ragte der Center-­Spieler beim zweiten Saisonsieg in Folge aus einer sehr homogenen, fokussiert und kämpferisch auftretenden Crailsheimer Mannschaft heraus. „Ein sehr emotionales Spiel. Wir haben hart gefightet“, sprach Sherman Gay Reporter Jan Lüdeke, der die Partie für Telekomsport kommentierte, nach Ende der Verlängerung ins Mikro. „Wir wollten nach dem Jahreswechsel einen Neustart, sind so gut aufgetreten wie nie zuvor. Natürlich hat mich besonders motiviert, dass mein Vater zu Besuch ist“, erklärte Gay junior, der mit 18 Punkten, erzielt in 27:16 Minuten, einen Karrierebestwert für die BBL ablieferte.

Und der Daddy, der übrigens auf den gleichen Vornamen hört, war nach Spielschluss komplett aus dem Häuschen. „Seit 15 Jahren besuche ich meinen Sohn jetzt im Ausland, und jedes Mal, wenn ich komme, hat er mit seinem Team gewonnen.“ Im Laufe der Zeit sind beide Gays schon gut herumgekommen: Frankreich, Finnland, Venezuela, Deutschland – so lesen sich die Stationen des Crailsheimer Centers. „Es ist sehr interessant und macht mir Spaß, verschiedene Lebensweisen der Menschen und Kulturen kennenzulernen.“

Absolute Rarität

Ein ganz besonderer Hingucker ist die Jacke von Sherman Gay senior. Auf die ist er richtig stolz. Entstanden ist sie im Jahr 2001, als die L. A. Lakers NBA-Meister wurden. Und sie existiert nur in limitierter Auflage und wird in Liebhaberkreisen dem Vernehmen nach im fünfstelligen Dollarbereich gehandelt. Damals hat Gay senior 1200 Dollar auf den Tisch gelegt, um sie zu erstehen.

„Eigentlich“, betont er, „ist Sherman ein Defensivspezialist, andererseits aber auch ein Multitalent. Wenn er punkten soll, punktet er auch.“ Und wie, möchte man sagen, denn neben wichtigen Korblegern steuerte der 2,01 Meter lange, 36 Jahre alte Routinier am Mittwoch auch sehenswerte, krachende Dunkings bei.

Ilshofen

Der stolze Papa (66) schaut für eine Woche bei seinem Filius in Crailsheim vorbei. Vom 15. bis 22. Januar hält er sich vor Ort auf, freut sich schon auf das heutige Spiel gegen Würzburg und hofft auf einen ähnlich fokussierten Auftritt „mit sehr engagierter Defensive und großem Teamspirit“ wie am Mittwoch. Bei seinem letzten Besuch in Crailsheim vor Jahresfrist überreichte er, damals ging es gegen Ehingen in der Pro A, als Repräsentant der Stadt Los Angeles Martin Romig, dem Geschäftsführer der Merlins, eine Urkunde für herausragende sportliche Leistungen. Beim Spiel landeten die Gastgeber einen 102:62-Kantersieg.

Sherman Gay junior freut sich und fühlt sich unterstützt und motiviert, wenn sein Dad im Publikum sitzt. Von Druck, es dann besonders gut machen zu müssen, kann keine Rede sein. „Wir haben weiter hart trainiert. Der erste Sieg hat uns gutgetan. Da wollen wir weitermachen.“ Der Lange ist guter Dinge, dass es am Ende klappen könnte mit dem Klassenerhalt. Der Senior bläst in dasselbe Horn, glaubt, dass die Korbjäger aus Crailsheim jedes Team im unteren Tabellenbereich schlagen können, an einem guten Tag und mit entsprechend nachhaltiger Defensive. Vater und Sohn verbindet jedenfalls die Liebe zu den L. A. Lakers als Team und Kobe Bryant als Spieler.

„Sherman Gay macht das, was er kann und schließt in der Regel sehr hochprozentig ab. Und auch er, als erfahrener Spieler, ist von einer Atmosphäre wie am Mittwoch natürlich positiv beeindruckt. Zum Teil ist er ja wie eine junge Gazelle durch die Halle gelaufen, hat zwei, drei Dunks eingestreut, als hätte er aus dem Jungbrunnen getrunken“, sagt der sportliche Leiter der Hakro Merlins Crailsheim, Ingo Enskat.

Das könnte dich auch interessieren:

Schwäbisch Hall/Winnenden