Stimpfach Abenteuer Sport: frei sein wie ein Vogel

Stimpfach / Johannes Ihle 02.08.2018
Die Sportfliegergruppe Crailsheim gibt es seit 1924. Im fünften Teil der Sportserie haben wir uns mit in den Flieger geschlichen.

Lautlos Gleiten zwischen Wolken, die Aussicht auf Berg und Tal genießen, frei sein wie ein Vogel – all das beschreibt die Faszination Segelfliegen. Bei einem Besuch der Sportfliegergruppe Crailsheim auf ihrem Segelfluggelände in Weipertshofen durfte ich genau diese drei Dinge erfahren.

Wenn ich in den Urlaub gehe, gehört das Fliegen definitiv mit zu den Höhepunkten. Der Start, das Abheben, die Aussicht und die Landung sind etwas Besonderes für mich. Auch mit einem kleinen Motorflugzeug bin ich schon über die Heimat geflogen. Doch in einem Segelflugzeug saß ich noch nie. Daher war die Neugier, aber auch die Spannung vor meinem ersten Gleitflug recht hoch. Nach der Premiere werde ich wissen, dass der Flug in den Urlaub sich wie eine Busfahrt anfühlt und das Wetter eine ganz besondere Rolle spielt. Auch werde ich sehen, dass das Segelfliegen ein Mannschaftssport ist, auch wenn man am Ende alleine oder zu zweit fliegt.

Jedes Wochenende Betrieb

An einem warmen Samstagnachmittag mache ich mich auf den Weg nach Weipertshofen, um das Segelfliegen kennenzulernen. Die Sportfliegergruppe trifft sich in den Monaten von April bis September samstags um 13 Uhr und sonntags um 9.30 Uhr auf dem Fluggelände. Als ich ankomme, sind bereits einige Flieger vor Ort. Doch bis das erste Flugzeug vom Boden abhebt, vergeht noch eine ganze Weile. „Planung und Vorbereitung sind das A und O beim Fliegen“, sagt Pascal Betz, einer von fünf Fluglehrern der Sportfliegergruppe.

Zunächst werden verschiedene Dienste eingeteilt. Die einen kümmern sich um die Seilwinde, mit der die Flugzeuge gen Himmel gezogen werden. Pascal Betz ist an diesem Tag für die Flugschüler verantwortlich, zu denen ich mich dazugeselle. Ein Dritter ist Flugleiter. Dieser überwacht das Geschehen in der Luft und koordiniert Start und Landung. Zudem gibt es auf dem Fluggelände in Weipertshofen eine Besonderheit: Die Start- und Landefläche wird durch zwei Straßen gekreuzt. Daher gibt es noch zwei Straßenposten, die dafür sorgen, dass bei An- und Abflug die Durchfahrten gesperrt werden.

Zwei Fallen für Schüler

Der nächste Schritt: die Flugzeuge aus den Hallen rollen, an den Start befördern und überprüfen, ob sie flugtauglich sind. Hierbei hat Betz eine Herausforderung für seine Schüler: Er hat zwei Fehler eingebaut. Zum einen hat er sein Handy unter dem Sitz versteckt und zum anderen einen Haken gelöst, der für die Sicherheit beim Flug mitverantwortlich ist. Das Handy wird schnell gefunden, der Haken geht uns Schülern durch die Lappen. „Das kann über Leben und Tod entscheiden“, sagt Betz und stellt damit noch einmal klar, wie wichtig die Vorbereitung ist.

Ich nehme im Zweisitzer hinter Pilot Bernd Gehringer Platz und werde festgeschnallt. Das Seil wird am Flieger eingehakt. Die Nervosität steigt. Plötzlich drückt es meinen Körper in den Sitz, mein Kopf geht nach hinten, wir heben ab. Innerhalb weniger Sekunden sind wir im Steilflug oben angekommen, das Seil klinkt sich aus – Stille. Kein Motorengeräusch, das einem um die Ohren weht. Ein angenehmes Gefühl im Körper macht sich breit.

Und nun? Während ich den Ausblick genieße und mit einem breiten Grinsen dasitze, ist Pilot Gehringer auf der Suche nach Thermik. Das heißt: Aufwind, der uns mit dem Segelflieger weiter aufsteigen lässt. An diesem Tag sucht er leider vergeblich. Die äußeren Bedingungen lassen es nicht zu, dass wir höher steigen. Nach ein paar Runden über Weipertshofen geht es wieder in Richtung Erde. Beim Auftritt auf den Boden wird der Körper noch einmal kräftig durchgeschüttelt.

Gestrandete Gmünder

Eine halbe Stunde später versuchen wir unser Glück erneut – vergebens. Das Wetter spielt an diesem Tag einfach nicht mit. Dies ist wohl der einzige negative Punkt, der sich am Segelfliegen finden lässt: Das Wetter muss passen. Ein weiteres Beispiel dafür liefern an diesem Tag drei Segler aus Schwäbisch Gmünd, die in Weipertshofen zwischenlanden müssen, da nicht genügend Aufwind herrscht. Mittels eines Motorseglers zieht Gehringer sie in Richtung Heimat. Auch hier zeigt sich wieder, dass Segelfliegen ein Mannschaftssport ist.

Doch allein die wenigen Minuten in der Luft, die ich genießen durfte, haben mir gezeigt, warum Woche für Woche Flugbegeisterte den Weg nach Weipertshofen finden. Der rasante Start bietet einen Kick vergleichbar mit einer wilden Achterbahnfahrt, oben in der Luft schwebt man dahin – stets auf der Suche nach dem passenden Wind – und kann dazu den schönen Ausblick genießen. Ein faszinierendes Gefühl, das man so wohl nur beim Segelfliegen bekommt.

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