Erst zum zweiten Mal in der BBL-Geschichte der Crailsheimer Basketballer ist ein Spiel mit den Merlins im frei empfangbaren Fernsehen übertragen worden. Ende Oktober 2015 war die Partie der Zauberer gegen Gießen auf Sport 1 zu sehen gewesen. 80.000 Zuschauer in der Spitze hatten nach Angaben des Fernsehsenders die herbe 56:100-Niederlage der Merlins verfolgt. Gestern Abend wurde das Spiel Crailsheim gegen Eisbären Bremerhaven live übertragen – wieder auf Sport 1. Dieses Mal allerdings mit dem besseren Ende für die Hausherren, die mit dem dramatisch errungenen 86:80-Sieg einen weiteren Schritt Richtung Klassenerhalt machten.

Es gab einen Akteur auf dem Feld, der 2015 schon gegen Gießen das Merlins-Trikot getragen hatte: Konrad Wysocki hatte damals ein ganz schwaches Spiel abgeliefert, keinen einzigen Punkt erzielt. Gestern gegen Bremerhaven überzeugte der Routinier mit neun Punkten und zehn Rebounds. Unter den Brettern hatten die Crailsheimer die Lufthoheit, entschieden das Duell mit 42:27 für sich. Das war auch bitter nötig, da von der Dreierlinie gestern fast nichts fallen wollte. Nur 5 von 26 (19 Prozent) fanden den Weg durch den Ring. „Dass wir mit so einer Dreierquote überhaupt gewinnen, zeigt, wie verrückt dieses Spiel war“, sagte Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, nach der nervenaufreibenden Partie.

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Bremerhaven hatte nur wenig Zeit zur Erholung. Die Eisbären spielten am Montagabend in Bamberg (74:100), hatten also nur einen Tag Pause vor dem Spiel gegen Crailsheim. Beide Teams standen gehörig unter Druck, hatte doch der Abstiegskonkurrent MBC am Dienstag mit einem Sieg gegen Gießen vorgelegt. Und das merkte man der Partie auch an, die nichts für Feinschmecker war. Die Eisbären, als Schlusslicht angereist, sind durch die gestrige Niederlage schon zwei Siege hinter den Merlins zurück, allerdings würden sie aufgrund des 93:80-Erfolgs am ersten Spieltag gegen Crailsheim den direkten Vergleich bei möglicher Punktgleichheit für sich entscheiden. Crailsheim hat nun sechs Siege auf dem Konto. Doch dass es überhaupt mit dem Erfolg klappen sollte, war lange Zeit nicht abzusehen.

Zur Halbzeit lagen die Gastgeber mit 29:36 zurück, spielten ohne Ideen und mutlos. Vor allem das zweite Viertel war richtig schlecht. Ingo Enskat war natürlich dementsprechend bedient: „Mir fehlt komplett die Energie im Spiel. Wir scheinen völlig erstarrt zu sein. Druck muss man positiv sehen. Für solche Spiele spielt man doch Basketball. Es fehlt an beiden Enden. Im Angriff attackieren wir den Korb nicht, in der Verteidigung ist es auch nicht das, was ich sehen will. Wir sollten im dritten Viertel nicht so viel nachdenken, sondern einfach mal spielen.“

Und genau das taten die Zauberer im dritten Spielabschnitt, in dem sie mächtig aufdrehten. Mit einem 8:0-Lauf und einem 11:0-Lauf drehten sie den Rückstand zu einer 59:53-Führung. Zudem blieben sie zehn Minuten ohne Turnover. Mit drei Punkten Vorsprung ging es ins vierte Viertel, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Merlins-Wirbelwind DeWayne Russell musste mit dem fünften Foul schnell auf der Bank Platz nehmen. Frank Turner leistete sich mehrere wilde Ballverluste. Dafür sorgte Anthony Canty mit einem Dreier und einem Zweier für das 67:62 für Bremerhaven. Das Spiel schien Crailsheim erneut entglitten zu sein. „Nach dem wahnsinnigen dritten Viertel haben wir wieder unseren Rhythmus verloren. Man hofft immer, dass man näher herankommt aber Bremerhaven hat immer gepunktet“, erklärte Ingo Enskat.

Der Schlüssel für den Sieg: Der Bremerhavener Warren schubst Madgen

Eine Minute vor Schluss lagen die Gäste mit 78:75 in Front, nach zwei Freiwürfen von Joe Lawson und einem Freiwurf von Frank Turner hieß es 19 Sekunden vor dem Ende 78:78. „Und dann gewinnen wir durch ein völlig verrücktes Finish“, sagte Enskat und schüttelte grinsend den Kopf. Chris Warren leistete sich nach einem Freiwurf von Frank Turner einen überflüssigen Schubser gegen Ben Madgen, der von den Schiedsrichtern mit einem unsportlichen Foul geahndet wurde. Frank Turner verwandelte seinen zweiten Freiwurf, Ben Madgen traf seine beiden Freiwürfe sicher, und Crailsheim erhielt zudem noch Ballbesitz. Mit elf Punkten in der letzten Minute, darunter sieben erfolgreichen Freiwürfen in den letzten 19 Sekunden, holten die Merlins den Sieg, dem Frank Turner mit einem unglaublichen Korbleger mit der Sirene die Krönung verpasste. Was folgte, war grenzenlose Erleichterung und überschwänglicher Jubel bei den Merlins und ihren Fans.

Die Stimmungslage bei Bremerhavens Trainer Michael Mai war auf der Pressekonferenz natürlich eine ganz andere. „Gratulation an die Crailsheimer. Sie haben in der zweiten Halbzeit mehr gekämpft. Vor allem im dritten Viertel wollten sie es mehr als wir. Nach der Halbzeit haben sie gezeigt, dass sie wissen, was für ein Spiel das ist. Wir haben im dritten Viertel zu wenig gezeigt. Das ein Spiel dieser Bedeutung so entschieden wurde, wie es entschieden wurde, ist schade. Wir müssen nach vorne schauen. Es sind noch zehn Spiele und wir müssen weiterkämpfen.

Für die Merlins geht es nach der Allstar-Game-Pause am kommenden Wochenende in der Bundesliga genau gegen den Gegner weiter, gegen den sie das erste Live-Spiel im Free-TV bestritten haben: Am Samstag, 30. März (18 Uhr), müssen sie in Gießen ran.

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So spielten sie


Crailsheim – Bremerhaven

86:80

Crailsheim: Wysocki (9 Punkte, 10 Rebounds, 4 Assists), F. Turner (16, 7 Assists), Madgen (19, 4 Rebounds, 4 Steals), Herrera (2), Lawson (15, 5 Rebounds), Ferner, Cuffee (3, 6 Rebounds), Russell (13, 6 Assists), Gay (6), Neumann (3)

Bremerhaven: Warren (10, 7 Assists), Canty (5), Breitlauch (8), Wimberg (7), Bleck (14), Moten (4), E. Turner (8), Summers (10), Benson (8), Jackson (6, 4 Rebounds)

Viertel: 19:21, 10:15, 30:20, 27:24
Rebounds: 42:27
Assists: 20:19
Steals: 8:8
Dreier: 5/26 : 11/22