Rot am See Fitnessstudio an der frischen Luft

Rot am See / Johannes Ihle 16.08.2018
Im letzten Teil unserer Serie waren wir beim Training des McHohenlohe in Rot am See. Nach rund zwei Stunden ist klar: Mit Kraft alleine kommt man nicht weit.

Männer in Röcken, die mit einer Mistgabel Strohsäcke in die Höhe werfen oder ein großes Holzstück an einem Seil durch die Gegend ziehen – ein skurriles Bild, das sich am Ortsrand von Rot am See zeigt. Seit sieben Jahren trainiert die Mannschaft McHohenlohe, die mittlerweile aus 14 Leuten besteht, von April bis September zwei- bis dreimal in der Woche und bereitet sich auf verschiedene Veranstaltungen der Highland Games vor. Bei einer Trainingseinheit darf ich mitmachen und muss feststellen, dass es bei den meisten Disziplinen zwar um Kraft geht, aber auch Koordination, Schnelligkeit und Köpfchen gefragt sind.

Bei Mannschaftswettkämpfen gilt es meist 8 bis 13 Disziplinen zu absolvieren, die vom jeweiligen Veranstalter vorgegeben werden. Während es Disziplinen gibt, die jeder für sich alleine bewältigen muss, kommt es bei anderen Wettbewerben auf die Team-Leistung an. In zehn Disziplinen werde ich mich mit den starken Männern messen.

Zwischen Spaß und Ernst

Los geht es mit dem Strohsackhochwurf. Ziel: Einen Strohsack mit Hilfe einer Mistgabel über gespannte Seile werfen – je höher, desto mehr Punkte gibt es. Nachdem mir Bailey McThomas, der eigentlich Thomas Seliger heißt, erklärt, dass ich die Mistgabel rund drei Zentimeter in den Strohsack stecken muss und mit Schwung das Ding in die Höhe befördern soll, mache ich mich auf zu meinem ersten Versuch. Nach zwei zaghaften Anläufen fliegt der Sack über das zweite Seil. Vier von möglichen zehn Punkten würde das in einem Wettkampf für mich bedeuten.

Weiter geht es mit Gewichthochwurf. Ein Gewicht von rund 19 Kilogramm wird einarmig nach oben geworfen und muss ebenfalls über die gespannten Seile fliegen. Nach mehreren kläglichen Versuchen erreicht das Gewicht das erste Seil – fliegt aber nicht drüber. „Die Höhe war da“, höre ich von gleich mehreren Stimmen aus der Runde. Wir ziehen weiter, es warten noch einige andere Disziplinen auf mich.

Baumstammwerfen

Nach den Disziplinen Gewichtweitwurf, Steinstoßen und Hufeisenwerfen, die ich mal besser, mal schlechter bewältige, kommen wir zur Königsdisziplin der Highland Games: dem Baumstammwerfen. Dabei gilt es einen Baumstamm so zu werfen, dass dieser sich längs um 180 Grad dreht und das Ende, das der Werfer in den Händen hatte, von diesem weg zeigt und möglichst gerade liegen bleibt. Die Stämme sind zwischen vier und sechs Metern lang und haben ein Gewicht zwischen 35 und 60 Kilogramm.

Die erste Hürde: Den Stamm in den Händen zu halten und dabei nicht umzukippen. Bailey McThomas gibt mir Hilfestellung, ehe er loslässt und ich zum ersten Wurf ansetze. Vergeblich. Der Stamm plumpst vor mir nieder. „Gar nicht so einfach wie es aussieht“, denke ich mir. Allmählich schwinden die Kräfte, als ich es doch noch schaffe und den Stamm um die eigene Achse drehe. Ein Lächeln macht sich in meinem Gesicht breit, die anderen klatschen. Damit hatte wohl keiner gerechnet – auch ich nicht.

Nachdem ich beim Farmers Walk zwei Holzklötze von jeweils rund 40 Kilogramm eine Strecke von etwa zehn Metern hin- und zurückgetragen habe, stehen die Mannschaftswettbewerbe auf dem Plan. Beim Baumstammslalom wird ein Baustamm von circa fünf Metern Länge und rund 50 Kilogramm schwer, geschultert und mit der ganzen Mannschaft im Slalom um Pfähle herumgeführt. Hierbei kommt es auf Schnelligkeit und Geschick an.

Im Sekundentakt wird die Richtung geändert, damit man um die Pfähle herumkommt. Vor, zurück, nach links und rechts. Sichtlich überfordert klemme ich mich an den Stamm und lasse mich von den anderen mitziehen. Eine Hilfe bin ich bestimmt nicht. Nach rund 20 Sekunden ist alles vorbei und wir schmeißen den Stamm im Ziel zu Boden.

Bei der nächsten Disziplin, dem Stammziehen, steht die Schnelligkeit im Vordergrund. Dabei wird ein Holzstück an einem Seil eine bestimmte Strecke gezogen und im Ziel an den nächsten Spieler übergeben.

Zum Abschluss steht die wohl schwierigste Disziplin von allen an: Eine Steinkugel – entweder 73, 90 oder 110 Kilogramm schwer – wird vom Boden aufgenommen und muss auf ein 1,30 Meter hohes Podest gelegt werden. Ich entscheide mich für die „leichteste“ Kugel. Ich gehe in die Knie und schiebe meine Hände unter die Betonkugel. Mit Schwung nehme ich diese auf und setze sie auf meine Oberschenkel, ehe ich mich mit kleinen Schritten und aufgeblasenen Backen auf den Weg zum Podest mache. Kurze Pause – und dann mit einem Ruck hoch die Kugel. Mit Ach und Krach hieve ich das Ding nach oben und auf das Podest. Glücklich und zufrieden strecke ich die Arme in die Luft und lasse mich feiern.

Jeder trainiert für sich

Das Training ist beendet, meine Arme und Beine brennen, ich spüre so gut wie jeden einzelnen meiner Muskeln. Während an diesem Tag reihum trainiert wurde, ist das eigentlich nicht üblich. Normalerweise übt jeder das, wonach ihm ist – ähnlich wie in einem Fitnessstudio. Auch wenn es bei den Wettkämpfen selbst ernst und ehrgeizig zugeht, steht bei den Sportlern vor allem der Spaß im Vordergrund.

Sommerserie „Abenteuer Sport“

Luca Schmidt und Johannes Ihle, beides Volontäre des Hohenloher Tagblatts, werden sich in diesem Sommer in verschiedenen Sportarten ausprobieren. Da geht es beispielsweise zum Segelfliegen, Motocross oder auch zum Bogenschießen. Im Winter wird die Sportredaktion dann diese Serie fortsetzen und bei Gemeinden im HT-Verbreitungsgebiet vorbeischauen.

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