Basketball Merlins siegen: emotionales Tollhaus tobt

So sieht ein emotionaler Ausbruch aus bei Ingo Enskat, dem sportlichen Leiter der Merlins: Er streckt die Arme in die Luft und genießt den Erfolg innerlich.
So sieht ein emotionaler Ausbruch aus bei Ingo Enskat, dem sportlichen Leiter der Merlins: Er streckt die Arme in die Luft und genießt den Erfolg innerlich. © Foto: Steffen Förster
Ilshofen / Joachim Mayershofer 14.02.2019
Leidenschaft auf dem Feld und den Rängen treibt Crailsheim zum verdienten Triumph über Bayreuth. Drei Hallensprecher müssen während der 40 Minuten ran.

Unfassbar, was sich am Mittwochabend in der Arena Hohenlohe abspielte! Da lagen die Hakro Merlins Crailsheim gegen Bayreuth zwischenzeitlich mit elf Punkten zurück, im letzten Viertel noch mit acht, und die Zauberer gewannen das Spiel 97:90. Geschäftsführer Martin Romig, der sportliche Leiter Ingo Enskat, Trainer Tuomas Iisalo, die Spieler und jeder Merlins-Fan hatte ein verschwitztes Lächeln im Gesicht. „Es war ein unglaublich emotionaler Sieg“, freute sich Ingo Enskat. „Jeder in der Halle hat diesen Sieg heute absolut verdient! Der Funke muss einfach so von den Spielern aufs Publikum überspringen und umgekehrt, nur so haben wir als kleine Mannschaft eine Chance.“

Schlechter Start der Merlins

Die Merlins starteten denkbar schlecht in die Partie. 0:8 lagen sie nach knapp eineinhalb Minuten schon zurück. Trainer Tuomas Iisalo nahm die frühe Auszeit. Joe Lawson beendete von der Freiwurflinie die punktlosen zwei Minuten (2:8). Und er blieb heiß. Ein toller Steal und ein krachender Dunk, dazu ein Dreier. Plötzlich hieß es 12:11 für die Gastgeber. Auszeit Bayreuth. Wie hart in der Defensive gearbeitet wurde, zeigte ein heftiger Cut am linken Unterarm von Michael Cuffee, den Teamarzt Dr. med. Jens Rossek mit einem Verband versorgen musste. Und auch fünf Steals zeugten von guter Antizipation. Weil aber Andreas Seiferth vier Punkte hintereinander machte, gingen die Gäste mit einer 26:21-Führung in die Viertelpause.

Der 2,09 Meter lange Nationalspieler behielt sein sicheres Wurfhändchen, zeichnete für die weiteren sechs Punkte verantwortlich, machte also zehn Punkte in Folge (21:32). Als Seiferth eine Verschnaufpause erhielt, drehten die Merlins auf, verkürzten auf 32:35. Dass Seiferths Center-Kollege Eric Mika schon drei Fouls auf dem Zettel hatte, war sicher kein Nachteil für Crailsheim. Aus der Auszeit kam Bayreuth allerdings besser, stellte auf 32:41. Postwendend folgte das Timeout der Merlins. Dass die Oberfranken letztlich mit einer Zehn-Punkte-Führung in die Halbzeit gingen, lag vor allem am Trio Kassius Robertson (19 Punkte), der eine perfekte Wurfquote aufwies, Andreas Seiferth (zwölf) und De’Mon Brooks (elf), die genauso viele Punkte erzielten wie die Crailsheimer zusammen (42:52).

„Robertson hat bislang den Unterschied gemacht. Immer, wenn sie einen Wurf brauchten, war er zu Stelle. Teils auch mit wilden Dingern. Er ist von uns nicht zu stoppen gewesen“, sagte Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, in der Halbzeit. Man müsse verhindern, dass er in eine gute Wurfposition komme. Auch unter dem Korb lasse das Team zu viele einfache Punkte zu, und offensiv fehle die Balance zwischen Dreiern und „mal lieber einfachen zwei Punkten“.

Aus der Kabine kamen die Hausherren mit viel Energie, knabberten den Rückstand schnell auf (49:52). Und doch zog Bayreuth wieder auf 56:49 weg. Konrad Wysocki traf einen Dreier (52:56) und wurde bei einem weiteren Dreierversuch gefoult, was die Schiedsrichter aber nicht als Foul in der Wurfbewegung werteten. Dazu erhielt Trainer Tuomas Iisalo ein technisches Foul, und Hallensprecher Danny Jüngling musste sein Amt aufgeben, weil er sich zu arg aufgeregt hatte. Nicht die ersten zweifelhaften Entscheidung der Referees, die in der Bewertung verschiedener Aktionen oft zweierlei Maß anlegten.

Erneuter Krimi

Doch davon schienen die Merlins richtig angestachelt. Joe Lawson gelang tatsächlich der Ausgleich (57:57). Ben Madgen hechtete im Kampf um den Ball sogar auf den Tisch des Schiedsgerichts. „Go, fight, win“, riefen die Fans, die Halle bebte. Auch Hallensprecher Daniel Feuchter wurde von den Schiedsrichtern der Arena verwiesen. So wurde Jochen Schmidt ins Amt gehievt. Michael Cuffee glich aus (62:62). Ein Bayreuther Goaltending, der Ball wurde zu spät auf dem Weg zum Korb geblockt, sorgte für das 64:66. Wieder bahnte sich ein Krimi an.

Doch die Gäste führten nach knapp drei Minuten im letzten Viertel mit 78:70. Beim 75:80 aus Sicht der Merlins fielen freie Dreier nicht. Mit ablaufender Uhr haute DeWayne Russell dann aber einen Dreier durch den Ring (78:81), und wenig später nagelte er erneut einen rein. Führung Crailsheim, Auszeit Bayreuth bei noch dreieinhalb Minuten zu spielen (83:82). Wysocki tat es ihm gleich, zwei Dreier (89:84). Absoluter Wahnsinn!

Mit 91:88 ging es in die letzte Minute. Keinen hielt es mehr auf den Sitzbänken. Sherman Gay sorgte herrlich freigespielt für das 93:88. Nur noch 24 Sekunden. Eric Mika machte das 93:90. 18 Sekunden. Zwei Freiwürfe Lawson, 95:90. 13 Sekunden. Gregor Hrovat traf nicht. Frank Turner durfte an die Freiwurflinie, machte beide, 97:90. Crailsheim drehte die Partie und gewann sensationell.

Robertson, Topscorer bei Bayreuth, war nur noch ein Punkt in der zweiten Halbzeit gelungen. Bei Crailsheim überragte Joe Lawson mit 27 Zählern.

Der Sieg war auch bitter nötig, denn der Drittletzte und nächste Merlins-Gegner, der MBC, gewann ebenso überraschend gegen Ludwigsburg.

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So spielten sie

Crailsheim – Bayreuth

97:90

Crailsheim: Madgen (10 Punkte, 12 Rebounds), Wysocki (14, 4 von 5 Dreiern), Turner (8, 11 Assists), Herrera, Cuffee (10), Ferner (6, 2 von 3 Dreiern), Russell (8, 2 von 3 Dreiern, 7 Assists), Gay (6), Neumann (8), Lawson (27, 4 von 6 Dreiern)

Bayreuth: Brooks (17, 5 Rebounds), Doreth (6), Hrovat (8), Meisner, Mika (8), Robertson (20, 4 von 5 Dreiern, 5 Rebounds), Thomas (7), Seiferth (14), Raivio (8), Anderson (2, 6 Assists)

Viertel: 21:26, 21:26, 22:14, 33:24
Rebounds: 31:26
Assists: 28:22
Turnover: 14:13
Dreier: 15/31 : 9/22

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