Basketball Die Chance bleibt am Leben

Bei der XXL-Shopping-Nacht in Crailsheim verfolgten auf dem Rathausplatz gut 400 Zuschauer auf Großleinwand das Spiel.

Klaus Helmstetter und Joachim Mayershofer
Die Hakro Merlins Crailsheim zittern sich am Freitagabend zum Sieg in Jena. Dann gehen alle Blicke nach Berlin, wo Bremerhaven in die Verlängerung muss.

Vor der Partie in Jena erhielten die Hakro Merlins Crailsheim frohe Kunde: Sollten sie sportlich die Klasse halten, erhielten sie für die BBL-Saison 2019/2020 auch die notwendige Lizenz. Unter Vorsitz von Dr. Thomas Braumann hatte der Lizenzligaausschuss der Basketball-Bundesliga in Köln getagt, um die Anträge für die Saison 2019/2020 zu bewerten. Erstmalig müssen die teilnehmenden Teams einen erhöhten Mindestetat von drei Millionen Euro und ein positives Eigenkapital von 250.000 Euro nachweisen.

Crailsheimer schlagen Oldenburg im letzten Saisonspiel in Würzburg völlig verdient mit 99:87 und halten die erste 1. Liga. Konkurrent Bremerhaven verliert beim MBC.

Und die Hakro Merlins Crailsheim erhalten die Lizenz „mit Auflage“. Der Zusatz erklärt sich aus dem Umstand, dass die tatsächliche Erteilung zum einen die sportliche Qualifikation (Klassenerhalt) und zum anderen den Nachweis des Mindestetats in Höhe von jetzt drei Millionen Euro voraussetzt. „Wir befinden uns derzeit an der Grenze zu diesem Betrag, wobei noch nicht alle einschlägigen Gespräche geführt sind“, erklärt Hakro-Merlins-Geschäftsführer Martin Romig auf Nachfrage zur Sache optimistisch. „Es ist ein Ritterschlag für die Region, verbunden mit erheblichem Aufwand und viel Energie, wenn wir die hohen wirtschaftlichen Hürden schaffen. Grund genug, allen Beteiligten an dieser Stelle auch einmal Danke zu sagen!“

Die Crailsheimer Korbjäger müssen beim Absteiger gewinnen, um Aktien im Rennen um den Ligaverbleib zu behalten.

Nur mit einem Sieg war noch der Klassenerhalt möglich

Keine Lizenz für die deutsche Eliteliga erhalten haben die Eisbären Bremerhaven und die Falcons aus Nürnberg, einer der beiden Aufsteiger aus der Pro A. Im ersten Fall bemängelt der Ausschuss einen „unzureichenden Eigenkapitalnachweis“, im zweiten geht es um den „fehlenden Nachweis der Leistungsfähigkeit und einer Spielstätte“, wie die Liga in einer Meldung wissen lässt. Die beiden betroffenen Teams haben Rechtsmittel eingelegt.

Über die weitere Entwicklung mag Martin Romig nicht spekulieren. „Ich konzentriere mich auf die sportliche Entwicklung und darauf, dass wir den Klassenerhalt schaffen.“ Die Situation an den anderen Standorten, insbesondere denen, an die bislang keine Lizenz vergeben wurde, will der Crailsheimer Geschäftsführer nicht kommentieren. „Ich sehe die Situation als ergebnisoffen an, kenne aber die jeweiligen Unterlagen nicht und kann deshalb dazu auch nicht mehr sagen.“ Vieles ist noch spekulativ: Es könnte sein, dass Bremerhaven und Nürnberg nachträglich doch die Lizenz erhalten, dass die BBL in der nächsten Saison nur mit 16 Mannschaften spielt, es könnte auch wieder zu einem Wildcard-Verfahren kommen.

Die Ausgangslage vor dem Spiel der Merlins in Jena war klar: Nur mit einem Sieg hatte man am letzten Spieltag noch die Chance auf den Klassenerhalt, Jena stand schon als erster Absteiger fest. Und die Zauberer begannen stark, genauer gesagt Konrad Wysocki, der brandheiß loslegte, nach eineinhalb Minuten schon drei Dreier versenkt hatte (2:9). Bei den Gastgebern war vor allem Derrick Allen gut im Spiel, der bis zum Ende des ersten Viertels (27:29) ebenfalls neun Punkte verbuchen konnte.

Der Power Forward war es auch, der Jena nach einem Acht-Punkte-Rückstand (36:44) mit vier Punkten in Folge im Spiel hielt (40:44), bis zur Halbzeit schon 17 Punkte gesammelt hatte. Trotz guter Trefferquoten aus dem Feld (12 von 17 Zweiern, 7 von 15 Dreiern) konnten sich die Merlins nicht entscheidend absetzen (47:48). Schlimmer noch: Jena ging mit einer 55:54-Führung in die Halbzeitpause.

„Wir haben die meiste Zeit geführt, aber am Ende wieder Fehler eingebaut, durch die der Gegner einfache Punkte bekommen hat. Wir werden in der zweiten Halbzeit vor allem in der Defensive zulegen müssen. Das Zusammenspiel vorne ist ganz vernünftig. Wir sollten unsere Würfe von außen, wenn wir so viele nehmen, wieder besser treffen. Ben muss seine Würfe reinmachen. Aber hinten in der Verteidigung und beim Rebound müssen wir viel härter arbeiten, weil das die Aktionen sind, durch die wir dem Gegner einfache Punkte wegnehmen können“, sagte Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, zur Halbzeit.

Die Crailsheimer Korbjäger müssen beim Absteiger gewinnen, um Aktien im Rennen um den Ligaverbleib zu behalten.

Ein Kampf mit vielen Auf und Abs

Doch ins dritte Viertel starteten die Crailsheimer schlecht. Trainer Tuomas Iisalo nahm nach fünf Minuten und beim Stand von 59:64 aus Merlins-Sicht die Auszeit. Von dieser profitierten die Gäste, gingen nach einem Korb von Philipp Neumann mit 65:64 in Führung. Auszeit Jena. Nach einem 10:0-Lauf hieß es 69:64 für Crailsheim, das den Fünf-Punkte-Vorsprung bis zur letzten Viertelpause hielt (69:74).

Mit seinem vierten Dreier sorgte Wysocki für das 69:77, DeWayne Russell legte zum 69:79 nach. Bei noch knapp sechs Minuten auf der Uhr betrug der Vorsprung aber nur noch zwei Punkte (81:83), Iisalo nahm die nächste Auszeit. Reggie Williams glich aus (83:83), ein 11:0-Lauf von Jena. Frank Turner versenkte den Zweier plus Freiwurf (83:86), Wysocki machte das 83:88, traf auch den Freiwurf nach einem technischen Foul (83:89). Noch zwei Minuten zu spielen. Williams netzte den Dreier ein (86:89). Allen traf zum 88:89. Auf der Gegenseite packte sich Wysocki nach Russell-Fehlwurf den Rebound. Russell durfte an die Freiwurflinie und traf beide (88:91). Nur noch sechs Sekunden auf der Uhr. Williams verwarf den Dreier. Die Merlins gewinnen mit 91:88.

„Was für ein Kampf mit vielen Auf und Abs. Wir haben uns einen zweistelligen Vorsprung geholt, sind dann nicht clever genug und verspielen ihn wieder. In der Schlussphase machen wir wieder unsere Würfe rein“, sagte Ingo Ensakt nach der wieder einmal nervenaufreibenden Partie.

Doch das Zittern hatte noch kein Ende. Jetzt gingen alle Blicke nach Berlin, wo Bremerhaven, Abstiegskonkurrent der Merlins, kurz vor Schluss gegen Alba sogar führte, letztlich aber dort noch in die Verlängerung musste (98:98). Von diesem Spiel hing es ab, ob die Merlins am Sonntag doch noch den Klassenerhalt schaffen können mit einem Überraschungssieg und einer gleichzeitigen Niederlage der Eisbären Bremerhaven beim Mitteldeutschen BC am Sonntag. Und Berlin gewann mit 107:104.

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So spielten sie

Jena – Crailsheim

88:91

Jena: Mazeika (7 Punkte), Reyes-Napoles, Wolf (7), Jostmann, Allen (26), Marin, McElroy (14), Joyce (15, 12 Assists), Heber, Williams (19, 9 Rebounds)

Crailsheim: Madgen (4), Turner (14, 6 Assists), Gay (4), Thompson (6, 7 Rebounds), Wysocki (18, 4 von 5 Dreier), Herrera (7), Ferner (3), Neumann (7, 6 Rebounds, 2 Blocks), Russell (14, 6 Assists), Cuffee (14)

Viertel: 27:29, 28:25, 14:20, 19:17
Rebounds: 32:36
Assists: 24:18
Dreier: 9/22 : 10/26