Tennis Der Traum vom Tennis-Profi

Der Crailsheimer Ken Berger ist eines der größten Talente in der Region. Seit über drei Jahren lebt er nun schon im Internat einer Tennisakademie bei Murr und will Tennisprofi werden.
Der Crailsheimer Ken Berger ist eines der größten Talente in der Region. Seit über drei Jahren lebt er nun schon im Internat einer Tennisakademie bei Murr und will Tennisprofi werden. © Foto: Ralf Mangold
Ralf Mangold 16.08.2017

Hoch konzentriert vor jedem Schlagwechsel steht Ken Berger auf Court eins. Seine beidhändige Rückhand lässt seinen Gegner oftmals verzweifeln. Dennoch ist es ein ganz enges Spiel am Auftakttag des LBS-Cups gegen Luca Schondelmaier mit Höhen und Tiefen auf beiden Seiten. Den ersten Satz gewinnt der Crailsheimer, im zweiten hat sein Trainingspartner Schondelmaier knapp die Nase vorn – also Match Tiebreak.

Doch hier zeigt Bergers Gegner deutlich bessere Nerven. Nach zwei unnötigen Fehlern schießt der 14-Jährige wütend einen Ball auf den Nachbarcourt. „Ken fehlt noch die nötige Nervenstärke. Wenn er nach ganz oben will, muss er sich mental noch verbessern“, ist Thomas Anderle trotz der knappen Niederlage angetan von dem starken Auftritt seines Schützlings. „Er hat seine Technik in den letzten Monaten stark verbessert. Wenn er sich jetzt noch körperlich entwickelt, dann könnte zudem sein Aufschlag eine seiner Stärken werden.“

Über 20 Jugendliche begleitet Anderle bei dem Turnier in Crailsheim. „Wir sind jetzt fünf Wochen lang auf verschiedenen Turnieren zusammen unterwegs“, erklärt der Konditionstrainer der Tennisakademie in Murr. „Wer gewinnt, darf am nächsten Tag wieder spielen, bei einer Niederlage heißt es trainieren“, erzählt er schmunzelnd. Eine Ausnahme macht er bei Berger, „der bekommt bei seinem Heimturnier frei und kann mit seinen Eltern etwas unternehmen.“ Für Berger steht am kommenden Wochenende noch ein Turnier auf dem Programm, dann beginnen auch für ihn die Sommerferien. „Die Jungs sollen dann auch mal richtig abschalten und den Schläger ein paar Tage zur Seite legen.“

Mit 14 Jahren bei den Herren

Der erfahrene Tenniscoach freut sich, dass der Tennissport in den letzten Jahren wieder mehr Zulauf bekommen hat. Einen wei­teren Schub erhofft er sich durch die Erfolge von Alexander Zverev, „so einen Boom wie mit Steffi Graf und Boris Becker wird es aber wohl nicht mehr geben“. Die guten Spieler der Akademie bekommen die Möglichkeit, schnell in höheren Herrenligen Fuß zu fassen, die ganz guten sogar in der Bundesliga.

Berger spielt mit seinen 14 Jahren nicht nur in der Junioren-Verbandsliga mit Erdmannhausen, sondern mit seinem Heimatverein TSV Crailsheim auch schon bei den Herren in der Bezirksklasse 1. Ins Training geht er beim TSV allerdings nicht. Ganz knapp hat er mit seinem Team vor ein paar Wochen den Aufstieg verpasst, das soll im nächsten Jahr aber nachgeholt werden. Jeden Tag von 14 bis 19 Uhr steht Training auf dem Programm, nur unterbrochen durch eine Stunde mit Hausaufgabenmachen. Außer Schule und Tennis bleibt da nicht viel freie Zeit. „Abends haben wir so zwei, drei Stunden für uns“, erzählt Berger.

Rafael Nadal als Vorbild

Aber er macht es gerne, denn sein Traum ist, irgendwann mal wie sein Vorbild Rafael Nadal Tennisprofi zu werden. Sehr aufgeräumt und überlegt wirkt Berger, obwohl er gerade mitten in der Pubertät ist. Bei jeder Frage überlegt er sich genau die passende Antwort und wirkt dabei äußerst reflektiert. Trotz der Niederlage gegen seinen Akademie-Kollegen, spricht er dann auch von einem guten Spiel. „Eigentlich ist Luca deutlich besser, aber ich konnte heute meine Bestleistung abrufen und habe ihn beinahe besiegt.“

Seit dreieinhalb Jahren lebt Berger schon im Internat in Murr. Alle Nachwuchstennisspieler haben hier das gleiche Ziel. „Bei manchen ist das Konkurrenzdenken schon sehr ausgeprägt, aber ich habe auch viele gute Freunde hier, die mir immer zur Seite stehen.“ Als eigene Stärke bezeichnet er seine Laufbereitschaft. Auf die Frage, wo er sich noch verbessern könne, antwortet er spontan: „Bei allem.“ Insbesondere im mentalen Bereich müsse er noch an sich arbeiten, das sei bei engen Spielen extrem wichtig. Neben Team- und Einzeltraining steht beinahe täglich  eine Stunde Kräftigung und Schnelligkeit auf dem Trainingsplan.

Punkte für die Rangliste

Von Freiburg und München, gar aus Hamburg und Lübeck reisen die Mädchen und Jungs von der U 10 bis U 18 zu dem dreitägigen Jugendturnier nach Crailsheim. 133 Teilnehmer haben bei der 36. Auflage gemeldet, sodass die Vorrundenspiele aus Platzgründen teilweise beim ESV ausgetragen wurden. Aber nicht nur die Quantität des größten Turniers in der Region hat in den vergangenen Jahren wieder leicht zugelegt, auch die Qualität wird immer höher. „Hier geht es um Punkte für die deutsche Rangliste“, erklärt Michael Fuchs, der nicht nur Sportwart beim TSV ist, sondern auch seit drei Jahren Turnierleiter dieser Großveranstaltung ist.

Info Am heutigen Mittwoch stehen die Halbfinal- und Endspiele auf dem Programm. Anschließend wird dann am Spätnachmittag die Siegerehrung im Clubhaus durchgeführt.