Gießen / Joachim Mayershofer Wer denkt, der Sieg der Hakro Merlins Crailsheim gegen Bremerhaven sei ultimativ verrückt gewesen, der muss sich das Ende des Spiels in Gießen ansehen – und Frank Turners Zauberwurf.

Wenn Merlins-Fans an den einen Wurf denken, der ihnen aus all den Spielen der Crailsheimer Basketballer am meisten im Gedächtnis haften geblieben ist, dann kommt fast allen wohl Willie Youngs siegbringender Korb beim Weihnachtsspiel 2006 gegen Kirchheim in den Sinn. Nicht nur für Martin Romig war Young der König des Buzzerbeaters. Nun muss sich der Geschäftsführer der Hakro Merlins Crailsheim aber auf einen Thronfolger einstellen. Denn am Samstagabend traf Frank Turner beim 115:114-Sieg in Gießen einen völlig verrückten Dreier mit der Schlusssirene und machte sich damit zu einer Merlins-Legende.

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Was die 3370 Zuschauer in der Sporthalle Gießen-Ost erlebten, zeigte wieder einmal, wie herrlich verrückt die Sportart Basketball sein kann. Ins letzte Viertel war es ausgeglichen gegangen (86:86). Mit einem 14:0-Lauf setzte sich Gießen dann jedoch auf 108:98 ab. Es waren nur noch 108 Sekunden zu spielen, die Partie schien entschieden. Doch die Crailsheimer steckten nicht auf. Nach Punkten von Joe Lawson, Frank Turner und Ben Madgen waren die Gäste wieder auf einen Zähler herangekommen (108:107). Zehn Sekunden vor Schluss sah Turner schon wie der Unglücksrabe in diesem Spiel aus, als er einen Freiwurf vergeben und damit den Ausgleich verpasst hatte (111:110). Als Jared Jordan auf der Gegenseite ebenfalls einen Freiwurf liegen ließ (114:112), blieben den Merlins noch 3,5 Sekunden für den letzten Angriff.

Konrad Wysocki passte von der Grundlinie zu Frank Turner.

Der rannte in die gegnerische Hälfte und ließ den Ball irgendwo zwischen Mittel- und Dreierlinie Richtung Korb segeln.

Mannschaftskollege Ben Madgen stand schon mit hängenden Schultern links neben ihm, Frank Turner schlitterte nach dem Wurf auf dem Boden Richtung Mad­gens Beine – und als der Basketball mit der Schlusssirene durch den Ring rauschte, flippte Magenta-Sport-Kommentator Sebastian Ulrich am Mikrofon aus:

„Der fällt, der fällt, der fällt. Da wirst du ja wahnsinnig!“

Merlins flippen aus vor Freude

Frank Turner wurde von seinen Mannschaftskollegen quer durch die Halle gejagt, ein Jubelknäuel bildete sich, unfassbare Emotionen brachen sich Bahn.

Im Kampf um die Playoff-Plätze haben die Ulmer Bundesliga-Basketballer gegen die Löwen Braunschweig einen wichtigen Heimsieg gefeiert.

„Ich habe gedacht, dass das Spiel gegen Bremerhaven schon verrückt war. Aber für dieses Spiel und den Sieg habe ich wirklich keine Worte“, sagte Merlins-Trainer Tuomas Iisalo bei der Pressekonferenz. „Die Jungs haben über 40 Minuten gekämpft. Wir hatten zwar in der Defensive ein paar Probleme mit ihren Match-ups, aber ich bin einfach nur stolz auf das Team. Ein großartiger Sieg, vor allem für Frank Turner. Er ist unser Leader, hatte zwischendurch ein paar Fehler in seinem Spiel. Aber wir brauchen ihn einfach. Er hat es verdient, uns durch solch einen Wurf zum Sieg zu führen.

Der sportliche Leiter Ingo Enskat freute sich ebenfalls: „Einfach nur der Wahnsinn! Als Frank hochgeht und der Ball in der Luft ist, scheint förmlich die Zeit stehenzubleiben. Und dann explodiert alles im Jubel. Nach so vielen letzten Angriffen in dieser Saison, in denen wir am Ende den Kürzeren gezogen haben, freue ich mich unglaublich für Tuomas und die Jungs, dass sie diesmal ihre Belohnung eingefahren haben.“

Gießens Trainer Ingo Freyer ärgerte sich über die Niederlage: „Wir haben natürlich letzten Endes durch den Buzzerbeater verloren, aber eigentlich haben wir im Vorfeld die Fehler gemacht, die so nicht hätten passieren dürfen. Wir haben uns viele dumme Fouls eingefangen oder auch einige Freiwürfe nicht getroffen, die hätten sitzen müssen. Es waren schon viele Faktoren, weswegen dann ein so glücklicher Schuss am Ende das Spiel entscheiden kann.“

Heißes Duell der Center-Riesen

Der umjubelte Held Frank Turner war mit 25 Punkten bester Korbjäger der Crailsheimer. Fünf Merlins punkteten zweistellig, bei Gießen waren es vier Akteure. Herausragend wieder einmal Center-Riese John Bryant mit einem Double-Double (30 Punkte, elf Rebounds). Auch Jared Jordan gelang dieses Kunststück (16 Punkte, 13 Assists). Brandon Thomas steuerte in diesem punktreichen Spiel 27 Zähler für seine Farben bei, während Merlins-Center Philipp Neumann im Duell mit John Bryant eine starke Vorstellung zeigte (18 Punkte, acht Rebounds, drei Blocks). „Wir haben das ganze Jahr gekämpft und ein paar sehr schmerzhafte Niederlagen erlitten. Der Sieg heute ist einer, für den wir ganz hart gearbeitet haben“, sagte Turner lächelnd. Vielleicht hat er einen neuen Glücksbringer im Kampf um den Klassenerhalt, in dem Crailsheim nun sieben Siege auf dem Konto hat: Turner trug sein Stirnband mit Michael-Jordan-­Logo nämlich falsch herum.

Die Hakro Merlins Crailsheim bestreiten am Samstag, 6. April, um 20.30 Uhr ihr nächstes Heimspiel in der Bundesliga. Zu Gast in der Arena Hohenlohe in Ilshofen ist dann Alba Berlin.

Info Karten gibt es in den Zeitungsshops in Crailsheim, Gaildorf und Schwäbisch Hall, bei TC Buckenmaier in Crailsheim, an der Abendkasse oder unter www.hakro-merlins.com/tickets.

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So spielten sie

Gießen – Crailsheim

114:115

Gießen: Bryant (30 Punkte, 11 Rebounds, 6 Assists), Thomas (27, 4 von 6 Dreier, 4 Steals), Jordan (16, 13 Assists), Bell (13), Landis (9), Gordon (6), Lischka (6), Agva (5), Pjanic (2)

Crailsheim: Turner (25, 3 von 4 Dreier, 6 Assists), Madgen (20, 3 von 5 Dreier, 6 Rebounds), Neumann (18, 8 Rebounds, 3 Blocks), Lawson (16, 4 von 6 Dreier), Russell (12), Cuffee (8), Gay (8), Ferner (5), Wysocki (3), Herrera

Viertel: 31:32, 28:33, 27:21, 28:29
Rebounds: 34:40
Assists: 28:26
Steals: 10:5
Turnover: 7:12
Dreier: 11/23 : 16/35

4

Spiele hat es in dieser BBL-Saison gegeben, bei denen beide Teams dreistellig gepunktet haben: MBC gegen Vechta 100:106, Bamberg gegen Gießen 109:101, Vechta gegen Bonn 112:117 und Gießen gegen Crailsheim 114:115