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Crailsheim / Ralf Mangold  Uhr
Seit vielen Jahren spielt Walter Lechler schon erfolgreich Schach. Am nächsten Wochenende strebt er den Titel bei der deutschen Amateurmeisterschaft an.

Vor Kurzem hat sich Walter Lechler zum fünften Mal für die deutsche Schach-Amateurmeisterschaft qualifiziert. Seinen größten Erfolg feierte er vor fünf Jahren in Wiesbaden mit Platz 3. In den letzten 18 Monaten blieb er in 28 Spielen unbesiegt und rechnet sich nun sogar Chancen auf den Titelgewinn in der Leistungsklasse E aus.

Wie sind Sie zum Schach gekommen?

Walter Lechler: Ich habe erst spät, mit 20 Jahren, angefangen zu spielen. Vorher war ich hauptsächlich beim Fußball. Von meinem großen Bruder habe ich dann Schach gelernt und immer mehr Gefallen daran gefunden. 1990 bin ich in den Schachclub von Crailsheim eingetreten. Anfangs waren wir noch in der Kreisklasse, aber wir haben richtig Dampf reingebracht und den Durchmarsch bis in die Landesliga geschafft. Später gab es sogar ein kurzes Intermezzo in der Verbandsliga, aber da war ich schon nicht mehr dabei. Ich denke, mehr wie Landesliga ist für mich nicht drin. Das Schöne am Schach ist, man ist völlig unabhängig und kann es immer und überall spielen.

Was braucht eigentlich ein guter Schachspieler?

Strategie, Konzentration, dazu ein fotografisches Gedächtnis – Schach ist Kopfsache. Mit einem hohen IQ tut man sich da natürlich leichter. Früher habe ich Schachspiele und die Analysen im TV verfolgt. Mittlerweile gibt es gute Hilfsmittel wie Datenbanken, spezielle Programme oder auch Schachcomputer, gegen die man üben kann. Am wichtigsten ist aber, was der jeweilige Verein einem an Unterstützung anbieten kann. Schach spielen kann man in jedem Alter. Und das Gute ist, bei diesem Sport können auch Männer gegen Frauen spielen.

Gerhard Späth aus Burlafingen ist Amateur-Weltmeister im Schach. Seine aggressive Spielweise hat ihm den Titel gesichert.

Wie haben Sie sich für die deutsche Amateurmeisterschaft qualifiziert?

Seit 2001 gibt es diese Veranstaltung. Ich war von Anfang an dabei und habe es insgesamt fünfmal geschafft, mich für das Endturnier zu qualifizieren. Hier sind sogar Großmeister aus ganz Deutschland am Start – allerdings nicht in meiner Spielklasse. Es gibt insgesamt sieben Qualifikationsturniere. In Dresden konnte ich in diesem Jahr erneut einen Platz unter den Top 7 belegen und habe mich damit für das dreitägige Finalturnier Ende Mai in Magdeburg qualifiziert.

Sie haben den C-Trainer-Schein an der Sportschule in Ruit abgelegt. Wie sieht denn überhaupt so ein Schachtraining aus?

Ich spiele momentan in Ellwangen, bin aber dort nicht mehr als Trainer tätig, weil ich mich wieder mehr auf mein eigenes Spiel und Training konzentrieren möchte. Ich war über 20 Jahre lang Trainer und habe dort vor allem jungen Spielern die Grundlagen des Schachs erklärt oder auch Spiele mit ihnen zusammen analysiert. Wichtig für einen Schachspieler ist die Konzentrationsfähigkeit, das lässt sich ebenfalls trainieren. Zudem muss man verschiedene Züge und die Regeln lernen, aber auch das angemessene Benehmen gehört dazu. Die Nachwuchsspieler sollte man je nach Leistungsstärke entsprechend fördern und bei Turnieren begleiten. Wichtig ist, in den Schulen im Rahmen der Ganztagsbetreuung etwas anzubieten, um neue Mitglieder zu gewinnen. Besonders den großen Talenten sollte man außerdem die Möglichkeit bieten, bei einem anderen Verein höherklassig trainieren und spielen zu können.

Uraufführung am Theater Lindenhof: In „Chaim und Adolf“ geht es um die Enträtselung von zwei Familiengeschichten.

Sie waren nicht nur Trainer, sondern auch rund acht Jahre lang Bezirkskassierer und sogar ein Vierteljahrhundert Kreisspielleiter sowie als Schiedsrichter in verantwortungsvollen Positionen. Bleibt da überhaupt noch Zeit für das eigene Spiel?

Man muss da schon aufpassen, dass man nicht zu viel macht. Aber vor allem die Schiedsrichtertätigkeit hatte schon einen besonderen Reiz. Man kommt viel herum in ganz Deutschland und ist bei Bundesligaspielen ganz nah dran an den Großmeistern. Aber ich spiele am liebsten selbst, und habe deshalb inzwischen keinen Posten mehr. In der Regel bin ich jedes Jahr bei rund 20 Einzelturnieren dabei.

Einige Vereinswechsel haben Sie schon hinter sich. Gibt es dafür einen bestimmten Grund ?

Ich wollte immer wieder mal etwas Neues ausprobieren, andere Bezirke als Spieler kennenlernen. Zudem war es mein Ziel, die Vereine voranzubringen und ihnen beim Aufstieg zu helfen. Ich will ständig meine Spielstärke verbessern und den größtmöglichen sportlichen Erfolg. Dafür müssen die Voraussetzungen bei einem Verein gegeben sein. Mit 15 Jahren habe ich die längste Zeit in meinem Heimatverein in Crailsheim gespielt – vielleicht komme ich auch irgendwann wieder zurück, wir haben immer noch guten Kontakt zueinander.

Geld regiert die Welt – auch beim Schach?

In der Bundesliga wie beispielsweise in Schwäbisch Hall spielen Großmeister aus der ganzen Welt, deutsche Talente kommen dadurch nur noch wenig zum Zug. Das sollte man von den Statuten her anders regeln, auch wenn die deutsche Bundesliga dann vielleicht nicht mehr eine der stärksten Ligen der Welt sein sollte. Ein gutes Gegenbeispiel für mich ist Schwäbisch Gmünd, das es mit Spielern aus der Region bis in die 2. Liga geschafft hat. Das vermisse ich ein bisschen – wobei ich zugeben muss, dass es schon toll ist, wenn man Großmeistern in der Region beim Spielen über die Schulter schauen kann. Zudem ist es beim Schach so, dass die Distanz zu den „Stars“ lange nicht so groß ist wie beispielsweise beim Fußball. Man kann gegen die Profis sogar bei Simultan-Schachturnieren selber spielen.

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