Crailsheim / Joachim Mayershofer  Uhr
NBA-Star John Stockton hat die Geschichte der Merlins beeinflusst, wie Martin Romig erklärt. Ex-Zauberer Alexander Rüeck kennt den zweifachen Olympiasieger schon länger.

Merlins-Geschäftsführer Martin Romig ergriff am Freitagabend unmittelbar vor dem Spiel gegen Göttingen in der Arena Hohenlohe in Ilshofen das Mikrofon und betonte, dass es ihm eine besondere Ehre sei, „jemanden im Publikum begrüßen zu dürfen, der in der Gründungszeit der Merlins, damals in den 1980er-/­90er-Jahren, als Weltklassespieler in der NBA sich unzählige Duelle mit den besten Spielern der Welt in dieser Sportart geliefert hat. Der mit dafür gesorgt hat, dass wir im Jugendalter, in der internetlosen Zeit, händeringend auf das Päckchen aus den USA mit Spielvideos von der NBA gewartet haben. Ich bin mir nicht sicher, ob er weiß, welch großen Einfluss er fern seiner Heimat auf eine kleine verrückte Gruppe in Hohenlohe hatte. Dafür möchte ich mich heute persönlich bei ihm bedanken. Ich darf heute begrüßen, Mitglied der Hall of Fame, Olympiasieger mit dem Dream Team der USA 1992 und 1996, zehnfacher NBA All-Star, der beste Assistgeber der NBA und Mitglied der Gruppe der 50 besten Spieler aller Zeiten! Ein herzliches Willkommen in der Arena Hohenlohe! Please welcome von den Utah Jazz: Mister John Stockton!“

Die BG Göttingen gewinnt in Ilshofen gegen die Hakro Merlins Crailsheim und sichert sich damit den Klassenerhalt. Der ist für die Zauberer kaum mehr zu schaffen.

Bescheidener Millionär

Kaum hatte Romig diese Rede vorgelesen, brandete in der Arena tosender Applaus auf, die Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen und spendeten einem Mann Beifall, der ganz unscheinbar unter dem Bereich der Gästefans, hinter dem Korb Platz genommen hatte. „Er hat vermutlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag auf dem Konto, ist aber ein ganz bodenständiger, sympathischer Mensch geblieben“, erklärt das Merlins-Eigengewächs Alexander Rüeck, der John Stockton schon länger kennt. Zwei Jahre, von 2011 bis 2013, spielte Rüeck in der Pro A bei der BG Karlsruhe mit Michael Stockton zusammen. Der Spielmacher der BG Göttingen ist eines von sechs Kindern von John Stockton, Sohn David spielt in der Bundesliga für Bayreuth.

Mit beiden Söhnen und einigen Enkelkindern stand John Stockton nach dem Göttinger Sieg in Ilshofen am Spielfeldrand, plauderte mit ihnen und Alexander Rüeck, gab Autogramme auf Klatschpappen oder stand für Fotos zur Verfügung. „Wenn man nicht wüsste, wer er ist, würde man ihn für einen ganz normalen Spielervater halten“, sagt Rüeck. „Er ist ein sehr familiärer Typ, wenn wir uns sehen, reden wir kaum über Basketball.“ Wobei im Gespräch dann schon ab und zu eine nette Anekdote erzählt werde.

An das erste Kennenlernen mit der NBA-Legende – Stockton hält die Rekorde für die meisten Assists (15 806) und Steals (3265), er bildete mit Karl „The Mailman“ Malone bei den Utah Jazz eines der besten Duos in der Geschichte der NBA – kann sich Alexander Rüeck noch gut erinnern. „Das war etwas Besonderes, ich war schon aufgeregt. Früher habe ich ihm im Fernsehen zugeschaut. Als Utah 1997 und 1998 gegen Michael Jordan und die Chicago Bulls in den NBA-Finals gespielt hat, bin ich nachts extra aufgestanden, habe durchgemacht und bin danach in die Schule“, sagt der 35-Jährige, der seine Basketballkarriere beendet hat und als Sales Development Leader in der industriellen Bildverarbeitung arbeitet.

Verlieren die Hakro Merlins Crailsheim am Freitag zu Hause, ist der Abstieg aus der Bundesliga kaum noch zu vermeiden.

Stockton bekommt Standing Ovations

Dass John Stockton in der Arena Hohenlohe mit Standing Ovations begrüßt wurde, verursachte auch bei Rüeck Gänsehaut. „Das habe ich noch nicht gesehen, dass Leute wegen ihm extra aufgestanden sind und ihm so lange applaudiert haben. Ihm ist das aber eher unangenehm, er ist für so etwas viel zu bescheiden.“ John Stockton habe im Gespräch mit Rüeck verraten, dass er die Stimmung in der Arena Hohenlohe super fand. „Ich freue mich so, dass er mal ein Spiel der Merlins gesehen hat. Schon zu Zeiten in der Hakro-Arena habe ich ihm gesagt, dass er unbedingt mal ein Spiel der Merlins besuchen muss, wenn er in Deutschland ist. Die Hakro-­Arena ist meine absolute Lieblingshalle in Deutschland, die Atmosphäre da war so krass!“

Nach der Niederlage gegen Göttingen droht den Merlins der Abstieg in die zweite Liga. „Ich habe gehofft, dass sie diese Saison die Klasse halten können. Vorbei ist es ja noch nicht“, sagt Rüeck. In manchen engen Spielen habe das Glück und die Erfahrung gefehlt, glaubt er. Trotzdem finde er, dass der Basketball in Crailsheim eine „Riesenentwicklung genommen hat. Man muss die Kirche auch im Dorf lassen: Crailsheim ist der kleinste Standort in der Bundesliga, so etwas hier überhaupt zu stemmen, ist toll. Es war zu Zeiten in der Landesliga nicht daran zu denken, dass man einmal in den Top 20 in Deutschland etabliert ist. John Stockton wurde jetzt ja auch in der Merlins-Familie willkommen geheißen. Ich freue mich immer wieder, wenn ich hier bin.“

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