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Crailsheim / CTF  Uhr
Es gibt Momente im Sport, in denen ein einziger letzter Spielzug am Ende der Saison über den ultimativen Triumph oder die Niederlage entscheidet.

Es gibt Momente im Sport, in denen ein einziger letzter Spielzug am Ende der Saison über den ultimativen Triumph oder die Niederlage entscheidet. Im Finale um die deutsche Meisterschaft im American Football der Damen am Samstag hatten die Hurricanes gleich zwei solcher Momente innerhalb der letzten 100 Sekunden Spielzeit. Bei vier Punkten Führung der Hurricanes und knapp zwei Minuten auf der Uhr spielte Berlin einen vierten Versuch, zwei Meter vor der Crailsheimer Endzone, aus. Ein Stopp der Ballträgerin hätte Angriffswechsel bedeutet und somit den Hurricanes ermöglicht, die restliche Spielzeit auslaufen zu lassen, was den Sieg gesichert hätte. Doch wie so oft in den vergangenen Jahren war es Susanne Erdmann, die im entscheidenden Moment die entscheidenden Punkte für die Berlinerinnen erzielte. Ein letztes Aufbäumen der Crailsheimerinnen brachte sie im Anschluss noch einmal mit wenigen Spielzügen über fast das komplette Feld. Als Receiver Jeanette Beastoch am Ende der Angriffsserie einen Pass von Quarterback Gabi Duvinage unter Bedrängnis in der Endzone nicht kontrollieren konnte, waren die Berlin Kobras zum siebten Mal in Folge deutscher Meister. Den Spielerinnen vom TSV Roßfeld fehlten letztlich nur fünf Meter, um das Finale zu gewinnen.

Dabei fing alles recht vielversprechend für den süddeutschen Meister aus Crailsheim an. Nach punktelosem ersten Viertel gelang es den Hurricanes zuerst Zähler auf die Tafel zu bringen. Jeanette Beastoch fing den Touchdown-Pass von Gabi Duvinage zum 6:0, bevor sie im Anschluss die fällige 2-Point-Conversion zum 8:0 erlief. Erst unmittelbar vor der Halbzeit gelang es den Titelverteidigerinnen durch einen Touchdown-Pass auf 8:6 zu verkürzen. Die Defense vereitelte die fällige 2-Point-Conversion und rettete die knappe Führung in die Pause.

Das Spiel bot auch nach dem Seitenwechsel alles, was sich die Zuschauer von einem Finale erwarten. Die beiden Trainercrews zogen mit Fake-Punts, Onsidekicks, Reverses und diversen Trickspielzügen alle Register, wodurch beide Teams regelmäßig mit Bigplays glänzen konnten. Im Crailsheimer Angriff waren es vor allem die beiden Receiver Anja Treiber und Jeanette Beastoch mit spektakulären Catches und die Läufe von Runningback Johanna Frankenberg, die für viel Raumgewinn sorgten. Auch die Defense von Koordinator Vitalis Reisenhauer zeigte eine solide Leistung und stoppte die Kobras regelmäßig nach wenigen Versuchen. Die Kombination Duvinage/Beastoch und die von Frankenberg vollendete 2-Point-Conversion sorgten Mitte der zweiten Halbzeit für die Crailsheimer 16:12-Führung.

Doch nun machte sich langsam die Doppelbelastung vieler Hurricanes-Verteidiger bemerkbar, die auf beiden Seiten des Balls aktiv waren und nur gelegentlich für wenige Spielzüge vom Feld durften. Hatten die Hurricanes bis ins vierte Quarter noch knapp 70 Prozent Ballbesitz, wurden nun die Drives der Berlinerinnen immer länger, bis ihnen letztlich, bereits innerhalb der 2-Minute-Warning, der entscheidende Touchdown gelang. Am Ende blieb den Crailsheimerinnen nur die Silbermedaille und die Erkenntnis, dass die Berliner Serienmeisterinnen an diesem Tag das abgeklärtere Team waren, die in der entscheidenden Phase die Erfahrung aus sechs gewonnen Finalspielen in die Waagschale werfen konnten.

Trainerstimme Tom Nittel und Statistik