Zusammenhalten haben sich die Hakro Merlins Crailsheim im Kampf um den Klassenerhalt nicht nur auf die Fan-T-Shirts geschrieben. Als Energizer holten die Zauberer im Heimspiel gegen die Basketball Löwen Braunschweig ihren alten Hallensprecher Danny „Pimp“ Jüngling wieder an Bord, der zusammen mit Daniel Feuchter dem Publikum ordentlich einheizte und sich mit diesem am Mikrofon abwechselte.

Waren die Crailsheimer Spieler bei der Vorstellung der Mannschaft noch verspätet eingelaufen, so waren sie im Spiel dann gleich heiß. Frank Turner gelang ein Steal, Philipp Neumann ein Block, Ben Madgen traf den Dreier – der große Favorit aus Braunschweig, der zuletzt sechs Bundesligaspiele in Folge gewonnen hatte, sogar neun der letzten zehn Partien, musste um jeden Punkt mächtig kämpfen. 15:12 waren die Hausherren nach einem Zweier von Michael Cuffee vorne. Nach einem Block von Sherman Gay und Punkten von DeWayne Russell stand es 19:17. Dass Braunschweig letztlich mit einer Drei-Punkte-Führung (27:24) in die Viertelpause ging, lag auch an einem wahnsinnigen Dreier von DeAndre Lansdowne gegen den foulenden Sebastian Herrera.

Nach sechs Zählern der Merlins in Folge zu Beginn des zweiten Abschnitts nahm Gästetrainer Frank Menz schnell die Auszeit (30:27), aus der aber Crailsheim besser kam. Reggie Arnold traf den Korbleger trotz eines Fouls, erhöhte auf 33:27. Die Zuschauer tobten jetzt schon. Erst recht, als Konrad Wysocki noch den Dreier nachlegte und lässig die Zunge beim Jubel heraushängen ließ (36:27). Bahnte sich hier die Sensation an?

Es geht hin und her

Die Schiedsrichter verhängten ein unsportliches Foul gegen Frank Turner. Doch Thomas Klepeisz traf keinen der Freiwürfe, zudem leisteten sich die Löwen einen Schrittfehler. Turner versenkte einen Freiwurf zum 37:27 nach knapp 13 Minuten.

Knapp zwei Zeigerumdrehungen später war der Zehn-Punkte-Vorsprung allerdings auf drei Zähler geschmolzen. Merlins-Coach Tuomas Iisalo nahm die Auszeit. Mit einem Dreier glich Brayon Blake aus (37:37), doch Madgen konterte (39:37). Scott Eatherton stellte auf 39:39, vergab aber den Freiwurf. Russell netzte den Dreier ein, Turner traf (44:41). Es ging hin und her. Die Spannung war zum Greifen nah. Shaquille Hines foulte Cuffee bei einem spektakulären Block (47:43). Als Russell kurz vor der Sirene den Dreier zum 50:44 traf, bebte die Halle.

„Man merkt, dass die Mannschaft durch den Sieg in Frankfurt viel Selbstvertrauen getankt hat“, sagte der sportliche Leiter Ingo Enskat in der Halbzeit. „Da ist dieser Funke dabei, den wir hoffentlich beibehalten. Dass wir nach dem Lauf von Braunschweig geantwortet haben, ist ein super Zeichen. Sechs Punkte Vorsprung sind aber nicht viel, wir müssen es in der zweiten Halbzeit noch einmal genauso machen.“

Merlins bauen Vorsprung aus

Der Funke blieb erhalten, breitete sich gar zu einem Feuer aus. Neumann gelang ein Block, Madgen der Dreier zum 53:44. Lansdowne verkürzte auf 49:55 aus Sicht der Gäste. Die Verteidigung der Merlins funktionierte, Braunschweig überzog die Wurfuhr. Madgen erhöhte auf 57:49. Neumann bekam ein unerklärliches Foul angehängt, eigentlich hatte Scott Eatherton das Offensivfoul begangen. Der erste Freiwurf ging im gellenden Pfeifkonzert der Fans daneben, Neumann animierte die Zuschauer zu noch mehr Radau (59:50).  Auszeit Braunschweig bei noch 5.20 Minuten auf der Uhr im dritten Viertel. „Hier regieren die Hakro Merlins“, hallte es durch das Rund, angefeuert von Pimp. Russell stibitzte Eatherton den Ball. Gay legte nach schöne Zuspiel von Russell nach (61:50). Bazoumana Kone traf den Dreier (61:53), Braunschweig ließ nicht locker. Hines‘ Dreier brachte die Löwen auf sieben Punkte heran (63:56). Doch Russell antwortete mit einem Step-back-Dreier in bester Luka-Doncic-Manier zum 68:57, vergrößerte mit einem Freiwurf den Vorsprung auf zwölf Zähler (69:57). Weil Christian Sengfelder einen Dreier versenkte, ging es mit 73:62 ins letzte Viertel. Elf Punkte Vorsprung für die Merlins, wer hätte das vor dem Spiel gedacht.

Kampf um jeden Zentimeter

Im Schlussabschnitt nahm Iisalo nach vier schnellen Punkten der Gäste früh die Auszeit (73:66). „We will rock you“, rief Pimp ins Mikrofon, die Zuschauer standen auf und klatschten. Noch lauter, als Turner den Dreier traf (76:66). Arnold nagelte den weiten Dreier rein (79:68). Beide Mannschaften kämpften um jeden Zentimeter Platz und jeden Ball. Lansdowne mit fünf Punkten in Folge stellte den Spielstand auf 79:76 bei noch fünfeinhalb Minuten auf der Uhr. Das große Bibbern begann. Keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Es knisterte! Sengfelder traf zum 79:78. „Alle gemeinsam“, animierte „Pimp“ die Zuschauer. Russell traf zum 81:78, Kone zum 81:80, Lansdowne zum 81:83. Gay machte den Steal, Russell legte zum 83:83 ein. Noch zweieinhalb Minuten. Zwei Freiwürfe für Russell. Nummer 1 saß, Nummer 2 nicht (84:83). Eatherton vertändelte den Ball. Ballbesitz Crailsheim bei noch 1.35 auf der Uhr. Arnold vergab den Dreier. Gay klaute Hines den Ball, legte den Basketball mit Foul spektakulär in den Korb, 86:83 stand es 47 Sekunden vor Schluss. Pimp schrie so laut, dass er schon lange keine Stimme mehr hatte. „Defense, Defense!“ Aber Thomas Klepeisz haute den Dreier rein (86:86). Turner verpasste den Korbleger, Gay holte den Rebound. Zwei Freiwürfe. Der erste ging vorbei, der zweite auch. 13 Sekunden. Angriff Braunschweig, doch Crailsheim erkämpfte den Ball. Noch 2,8 Sekunden. Madgens Dreier saß nicht. Verlängerung. Was für eine Spannung, kaum auszuhalten. „Das Ding holen wir uns“, sagte „Pimp“. Fünf Minuten obendrauf. „Fünf Minuten Vollgas!“

„Unglaublich stolz auf die Mannschaft“

Gay machte die ersten Punkte, Russell und Cuffee erarbeiteten gemeinsam den Ballbesitz, Arnold haute den Dreier rein (91:86). Madgen und Russell warfen sich ins Getümmel, erneut Ballgewinn Merlins. Noch drei Minuten. „Go, fight, win.“ Gay erhöhte auf 93:86. Was war denn hier los? Braunschweig machte das 93:88. Arnold und Gay tippten den Rebound zu Madgen. Noch eineinhalb Minuten. Eatherton an der Freiwurflinie. Der erste sprang raus, der zweite drin (93:89). Cuffee mit den Freiwürfen. Nummer 1 daneben, Nummer 2 drin (94:89). Noch 1.15 Minuten. Lansdowne und Sengfelder verlegten. Madgen traf beide Freiwürfe (96:89). Das sollte doch reichen? Hines Dreier (96:92). Gay stopfte den Ball massiv durch den Ring. 98:92 bei noch 28 Sekunden Spielzeit. „Wer nicht hüpft, der ist kein Merlin, hey, hey.“ Als Ben Madgen 17 Sekunden vor Schluss an die Linie geschickt wurde, grinste Tuomas Isalo schon leicht (99:92). Lansdowne legte zum 99:94 ein. Noch sieben Sekunden. „Wir geben nochmal Vollgas hier!“ Schluss, aus, Sieg!

„Ich bin einfach nur unglaublich stolz auf die Mannschaft und die Trainer“, sagte Ingo Ensakt nach dem zweiten Sieg der Merlins in Folge erleichtert.

Bereits in zehn Tagen treffen die Löwen und die Merlins wieder aufeinander. Die Rückrunde beginnt für Crailsheim am Sonntag, 27. Januar, um 18 Uhr mit dem Auswärtsspiel in Braunschweig.

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So spielten sie


Crailsheim – Braunschweig

99:94

Crailsheim: Turner (14 Punkte, 7 Assists, 4 Steals), Gay (18, 7 Rebounds), Herrera (5), Wysocki (3), Cuffee (6), Madgen (13, 7 Rebounds), Neumann (4, 2 Blocks), Arnold (15), Russell (21, 5 Steals)

Braunschweig: Nawrocki, Blake (10), Lansdowne (25), Klepeisz (9), Sengfelder (10), Kone (17, 7 Assists), Hines (10, 11 Rebounds), Rahon (3), Eatherton (10), Lagerpusch

Viertel: 24:27, 26:17, 23:18, 13:24, 13:8
Rebounds: 33:45
Assists: 27:23
Steals: 14:5
Dreier: 10/24 : 14/35