Bremerhaven / Ralf Mangold Lange halten die Hakro Merlins Crailsheim die Bundesligapartie in Bamberg offen. Am Ende gewinnt der Tabellenfünfte aber dennoch verdient mit 101:92 gegen den Liganeuling.

Wir hatten schon bei der Anreise eine äußerst positive Stimmung im Bus“, so Crailsheims sportlicher Leiter Ingo Enskat, der sich zumindest Außenseiterchancen beim mehrfachen deutschen Meister ausgerechnet hatte. Die Gäste fanden dann auch gut in die Partie und führten nach rund drei Minuten sogar mit 10:6. Nicht im Kader waren übrigens die überzähligen Ausländer Robert Arnold und Michael Cuffee.

Der Dreier von Hollis Thompson zum 13:9 hatte die erste Auszeit durch den Bamberger Trainer Federico Perego zur Folge, der überhaupt nicht zufrieden war mit dem Auftritt seines Teams. Der Merlins-Neuzugang mit der Nummer 34 sorgte mit Joseph Lawson und Ben Madgen für insgesamt fünf Dreier bis zur Viertelpause.

Doch der Anfangselan der Crailsheimer Offense flaute immer weiter ab und es schlichen sich einige Ballverluste auf beiden Seiten ein. So ging der Favorit aus Bamberg zwei Minuten vor der Viertelpause mit 17:16 in Front. Die Führung wechselte nun hin und her. Die Gäste um den starken Joseph Lawson spürten, hier ist eine Überraschung möglich, und führten nach dem ersten Viertel knapp mit 23:22.

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Der Bamberger Bryce Taylor zeigte eine ganz starke Partie. Er war der erste Spieler, der zweistellig punkten konnte und zum 26:25 zu Beginn des zweiten Abschnittes traf. Am Schluss kam er auf 16 Punkte und war neben Ricky Hickman (19) und Nikolaos Zisis (15) bester Werfer der Gastgeber.

Doch die Crailsheimer blieben in Schlagdistanz, schafften nach 14 Minuten durch den ansonsten wenig eingesetzten Philipp Neumann erneut den Ausgleich. Was folgte, war dann allerdings ein 9:0-Lauf der nun immer stärker werdenden Bamberger und plötzlich lautete der Zwischenstand Mitte des zweiten Viertels 40:31. Die Crailsheimer ließen sich aber nie abschütteln. Angetrieben vom gut aufgelegten Frank Turner, der sich allerdings auch immer wieder in Einzelaktionen verzettelte, und Ben Madgen, der bereits 16 Punkte bis zur Halbzeitpause auf seinem Konto hatte, glichen die Merlins zwischenzeitlich wieder aus (45:45). Der in der Partie gegen Crailsheim geschonte Tyrese Rice wurde aufseiten der Bamberger schmerzlich vermisst.

Bamberg bei Rebounds stärker

Vor dem zweiten Durchgang führte der klar favorisierte Tabellenfünfte lediglich mit 51:49 gegen den Aufsteiger. Die Statistiken waren relativ ausgeglichen, nur bei den Rebounds lagen die Oberfranken deutlich mit 15:7 vorn. „Die erste Hälfte hat mir sehr gut gefallen, wir waren von Anfang an sehr präsent“, freute sich Enskat. „Wir spielen mit viel Energie nach vorne und versuchen da Druck zu machen.“

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Gut kamen die Gäste aus der Kabine und gingen mit zwei Dreiern und einem 6:0-Lauf sogar wieder in Führung. Doch die hielt nicht lange. Der Offense der Gäste fehlten die Überraschungsmomente und den Ex-NBA-Spieler Hollis Thompson konnten die Merlins zu wenig ins Spiel einbinden. Zudem zogen die Bamberger immer wieder schnell zum Brett und so hatten die Crailsheimer bereits Mitte des dritten Viertels schnell wieder fünf Fouls auf ihrem Konto. Die Folge war ein 14:0-Lauf der Bamberger, die auf 70:60 vorentscheidend davonzogen. Genau davor hatte Enskat eigentlich noch in der Pause gewarnt: „Wir dürfen keinen Lauf der Bamberger zulassen, dann kann heute etwas möglich sein.“

Joe Lawson beendete schließlich diese „Dürreperiode“ mit seinem vierten Dreier bei fünf Versuchen und Crailsheim fand wieder zurück in die sehr physische Partie. Vor dem letzten Viertel stand es 71:77 aus Sicht der Crailsheimer. In jenes kamen die Bamberger jedoch besser rein und stellten die Crailsheimer Defense immer öfter vor unlösbare Probleme am eigenen Brett. Nach drei Minuten stand es 87:76 für Bamberg und Crailsheims Trainer Tuomas Iisalo versuchte mit einer Auszeit, dem Spiel vielleicht doch noch eine Wende zu geben. Offensichtlich konnten die Merlins aber nicht mehr zulegen, zu viel Kraft hatten sie wohl in den ersten drei Vierteln verbraucht. 80 Sekunden vor Ende war das Spiel dann endgültig entschieden, die Bamberger führten mit 13 Punkten. Endstand war 101:92 in der Brose-Arena. Vor allem die klaren Vorteile bei den Rebounds (40:19) dürften wohl entscheidend für Bambergs Sieg gewesen sein.

Lob für die Crailsheimer

Ein dickes Lob gab es dann auch für die Gäste vom Bamberger Bryce Taylor, dem besten Mann auf dem Parkett: „Die Crailsheimer haben sehr gut gespielt und uns das Leben vor allem in der ersten Halbzeit schwer gemacht.“ Für den Sieg entscheidend war für ihn die verbesserte Defense seines Teams in Durchgang zwei. Zudem hatten einige Crailsheimer nicht ihren besten Tag, Joschka Ferner und Sherman Gay steuerten gar keine Punkte bei, Sebastian Herrera und Konrad Wysocki gerade einmal zwei beziehungsweise vier Punkte.

Auch der zuletzt starke DeWayne Russell blieb blass und kam am Ende lediglich auf sieben Punkte. Crailsheims Neuzugang Hollis Thompson zeigte sich verbessert im Vergleich zu seiner Premiere in der Vorwoche, doch wechselten sich bei 13 Punkten immer noch Licht und Schatten im Verlauf des Spiels ständig ab. Topscorer der Merlins und zugleich auch die auffälligsten Spieler waren Ben Madgen (22), Joseph Lawson III (21) und Frank Turner (18).

„Das war eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber dem Spiel gegen Berlin“, resümierte schließlich Ingo Enskat kurz nach der Partie. „Der Ball lief allerdings in der zweiten Hälfte nicht mehr so flüssig. Das lag daran, dass Bamberg in der Verteidigung zugelegt hat. Man hat im Verlauf des Spiels gesehen, wie tief die Bamberger besetzt sind. Wir haben uns insgesamt gut verkauft, aber brauchen jetzt die nötigen Siege bis Saisonende.“

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So spielten sie

Bamberg – Crailsheim

101:92

Viertelergebnisse: 22:23, 29:26, 26:22, 24:21

Bamberg: Hickman (19), Taylor (16), Zisis (15), Harris (13), Rubit (12), Alexander (9), Heckmann (7), Olinde (7), Kulboka (2), Drell (1), Schmidt

Crailsheim: Madgen (22), Lawson III (21), Turner (18), Thompson (13), Russell (7), Neumann (5), Wysocki (4), Herrera (2), Ferner, Gay

Fanbus fährt zum Spiel nach Jena

Die Supporters der Merlins fahren mit einem Fanbus zum letzten Auswärtsspiel nach Jena. Abfahrt ist am Freitag, 10. Mai, um 14.30 Uhr an der Hakro-Arena in Crailsheim. Anmeldung unter www.merlins-supporters.de. Nähere Infos gibt es bei Michael Freimüller, Telefon 01 74 / 6 53 16 10 oder E-Mail: info@merlins-supporters.de.