Drei Viertel gewonnen und am Ende doch verloren. Bis zur Schlusssirene war das Duell zwischen den beiden Aufsteigern völlig offen. 21 Sekunden vor Spielende kamen die Crailsheimer bis auf drei Punkte heran. Doch dann eine wohl spielentscheidende Szene: Sherman Gay brachte freistehend den Ball nicht in den Korb des Gegners. Doch die Merlins gaben nie auf, und so gab es drei Sekunden vor Schluss sogar noch einmal die Chance auf eine Verlängerung, doch der Dreierversuch Madgens fand nicht den Weg in die Reuse.

„Die Jungs haben toll gekämpft und hatten es am Ende sogar noch selbst in der Hand, den Ausgleich zu schaffen“, ärgerte sich Ingo Enskat, dass die Überraschung knapp verpasst wurde. Der sportliche Leiter der Merlins war insgesamt zufrieden mit dem Auftritt seines Teams. „Es waren viele gute Sachen dabei, aber am Ende sind es wieder viele Kleinigkeiten wie die Rebounds oder die Ballverluste, die das Spiel entscheiden.“

Die Gäste mussten kurzfristig auf den verletzten Joseph Lawson III und Sebastian Herrera verzichten, fanden aber dennoch gut ins Duell der beiden Liganeulinge. Nach rund drei Minuten führten sie mit 9:2 im mit 3150 Zuschauern ausverkauften Rasta-­Dome. Alleine sechs Punkte erzielte in dieser eindrucksvollen Anfangsphase Sherman Gay. Beide Mannschaften agierten mit hohem Tempo, sodass es viele schnelle Würfe auf die Körbe auf beiden Seiten gab. Probleme hatte Vechta insbesondere bei den Dreiern, von sechs Versuchen landete nur einer im Korb. So führten die Merlins nach zehn Minuten mit 25:22.

Zu viele einfache Ballverluste

Zu Beginn des zweiten Viertels schlichen sich jedoch immer wieder einfache Ballverluste bei den Crailsheimern ein, welche die immer mit hohem Risiko spielenden Gastgeber nutzen konnten. So gingen sie Mitte des zweiten Viertels erstmals mit 33:32 in Führung. Mit einem Dreier schaffte aber der bis dahin beste Gästeakteur, Frank Turner, noch einmal den Ausgleich. Doch Crailsheim hatte irgendwie ein wenig den Faden verloren und musste ab diesem Zeitpunkt immer einem Rückstand hinterherlaufen.

Auffälligste Spieler aufseiten von Vechta waren in der ersten Hälfte Seth Hinrichs, der immer wieder seine Mitspieler mit tollen Zuspielen in Szene setzte, und Winterneuzugang Clint Chapman mit elf Punkten und sieben von insgesamt 21 Rebounds des Heimteams. Crailsheim konnte in dieser Rubrik lediglich 14 vorweisen, ansonsten waren die Statistiken relativ ausgeglichen. Letztlich stand es zur Pause dennoch 50:42 für den Tabellenvierten.

Besser aus der Kabine kam das Team aus Vechta. Die kämpferisch starken Crailsheimer leisteten sich zu Beginn des zweiten Durchgangs zu viele Fehlwürfe und zeigten nun auch immer wieder unerklärliche Lücken in der Defensive. Crailsheims bester Korbjäger Ben Madgen hatte bis Mitte des dritten Viertels gerade einmal zwei Punkte auf seinem Konto und auch DeWayne Russell hatte nicht gerade seinen besten Tag erwischt, obwohl beide am Ende noch auf 15 Punkte kamen. Hollis Thompson fehlt immer noch die richtige Bindung zum Spiel und wieder wechselten sich Licht und Schatten beim Neuzugang aus Amerika ab,

Treffsicher von der Freiwurflinie

So zogen die Gastgeber um Top­scorer Thomas Joseph Bray, der zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Punkte auf seinem Konto hatte, auf 65:52 davon. Die Merlins leisteten sich zwar einige Turnovers, waren aber vor allem von der Freiwurflinie äußerst treffsicher (83 Prozent). So ging es nur noch mit einem Sieben-Punkte-Rückstand in den finalen Abschnitt, und das Spiel war noch lange nicht entschieden.

Spannend blieb es dann auch im vierten Viertel, die Gäste blieben immer in Schlagdistanz. Ben Madgen traf nun besser und mit einem Dreier brachte er die Crailsheimer vier Minuten vor Schluss auf fünf Punkte heran. Vechta-Coach Pedro Calles war gar nicht mit der Leistung seines nun lange nicht mehr so souverän wirkenden Teams einverstanden und nahm beim Stand von 88:84 drei Minuten vor Schluss eine Auszeit. DeWayne Russell sorgte mit zwei leichten Fehlpässen dafür, dass das Spiel nicht schon in dieser Phase zugunsten der Gäste kippte. Der starke Turner konnte wegen einer Verletzung seinem Team zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr helfen. Letztlich gewann Vechta ein wenig glücklich in einer ausgeglichenen Partie mit 95:92.

Vechta sichert sich Platz 4

„Wir hatten die Play-Offs überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt“, freute sich Rasta-Geschäftsführer Stefan Niemeyer. Mit dem knappen Sieg über Crailsheim ist ihnen Platz vier nicht mehr zu nehmen. Philipp Neumann ärgerte sich hingegen nach dem Spiel über einige aus seiner Sicht fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen. „Ich denke, Vechta hatte ein einfacheres Spiel erwartet“, so der 2,09-Meter-Riese. „Mit neun Leuten zu spielen, war schwierig für uns. Jetzt müssen Siege gegen Jena und Göttingen her, um den Klassenerhalt doch noch zu schaffen.“

Dass der Knoten nach sechs Niederlagen beim Tabellenvorletzten in der entscheidenden Schlussphase der Saison endlich platzt, hofft auch Enskat: „Mit der heute gezeigten Leistung können wir gegen jeden Gegner mithalten. Aber um zu gewinnen, müssen wir wohl noch eine Schippe drauf legen.“ Bereits am Freitag kommt Göttingen nach Ilshofen.

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So spielten sie


Vechta – Crailsheim

95:92

Vechta: Bray (22), Hinrichs (17), Young (16), Chapman (14), Hollins (8), Kessens (6), Herkenhoff (6), Chrisen (4), Carter (2)

Crailsheim: Cuffee (18), Madgen (15), Russell (15), Gay (14), Turner (9), Wysocki (8), Thompson (7), Neumann (6), Ferner

Viertel: 22:25, 28:17, 24:25, 21:25
Rebounds: 38:37
Dreier: 11/27: 12/29