Gegen drei Mannschaften haben die Hakro Merlins Crailsheim in ihren vier Spielzeiten in der Basketball-Bundesliga noch nicht gewinnen können: gegen den FC Bayern München, gegen s.Oliver Würzburg und gegen Alba Berlin. Gegen die Hauptstädter gab es bislang sechs Vergleiche, die meist mit deutlichen Siegen der Albatrosse endeten. Im Vorjahr kassierten die Merlins mit 76:115 in Berlin ihre höchste Auswärtsniederlage und mit 69:105 in der Arena Hohenlohe auch die höchste Heimniederlage der Saison. Und auch das siebte Spiel beider Teams in der BBL sollte an die Berliner gehen. Der achtfache deutsche Meister gewann gestern Abend mit 98:82. Nach zuletzt vier Siegen in Folge verloren die Merlins wieder einmal.

Vor dem Spiel war die Favoritenrolle rein tabellarisch nicht so klar verteilt wie in der vergangenen Saison, als Berlin ins Finale um die deutsche Meisterschaft eingezogen war und Crailsheim ganz knapp den Klassenerhalt geschafft hatte. Berlin ging als Tabellendritter ins Rennen, Crailsheim als Vierter.

Schweigeminute für Kobe Bryant

Bevor das Spiel angepfiffen wurde, gab es eine Schweigeminute für den am Sonntag bei einem Helikopter-Absturz tödlich verunglückten NBA-Superstar Kobe Bryant. Zu Ehren der Black Mamba und seiner Tochter Gianna ließen beide Mannschaften bei ihrem jeweils ersten Ballbesitz die Wurfuhr bewusst ablaufen – Bryant hatte die Trikotnummer 24 getragen, 24 Sekunden hat ein Team in der BBL Zeit für einen Angriff. Eine besondere Erinnerung an einen besonderen Spieler.

Besondere Erinnerungen wurden gestern auch bei Tuomas Iisalo und seinem Bruder Joonas geweckt. Weil ihr Vater in den 1980er-Jahren in Berlin für einen TV-Sender gearbeitet hatte, hatte der finnische Cheftrainer der Merlins als kleiner Junge vier Jahre in der Hauptstadt gelebt. Sein jüngerer Bruder Joonas, der im Sommer als Assistenzcoach nach Crailsheim kam, hat 1986 in Berlin sogar das Licht der Welt erblickt.

Das finnische Bruder-Duo durfte ein gutes erstes Viertel seiner Mannschaft sehen. Nach zehn Minuten hieß es 22:22, Maurice Stuckey hatte per Dreier ausgeglichen. Der sechste Treffer bei zwölf Dreier-Versuchen der Merlins. Die Hakro Merlins nahmen vor dem direkten Aufeinandertreffen die meisten Dreier in der Liga (32 pro Spiel) und trafen auch die meisten (im Schnitt zwölf). Die beste Dreier-Quote gehörte aber Alba, das im Schnitt 11 von 24 (44,2 Prozent) von der Dreierlinie traf (Merlins: 37,6 Prozent). Gestern betrugen die Quoten am Ende 39 Prozent (Berlin; 9 von 23) und 34 Prozent (Crailsheim; 12 von 35).

„Sons“ von Alba Berlin treffen ihre Dreier

Mitte des zweiten Viertels geriet Crailsheim ins Hintertreffen. 36:47 stand es zwei Minuten vor Schluss des Abschnitts. Insbesondere die beiden Berliner „Sons“ setzten den Gästen mächtig zu. Der Schwede Marcus Eriksson kam zur Pause auf elf Punkte (drei von vier Dreiern), der Isländer Martin Hermannsson erzielte 13 Zähler (zwei von drei Dreiern). Mit 52:40 gingen beide Teams in die Kabinen.

„In den letzten Minuten des zweiten Viertels haben wir etwas die Linie verloren. Wir haben vorne unsere Aktionen nicht reingemacht und hinten vom Kopf her nicht mehr die gleiche Intensität aufs Feld gebracht, die wir in den ersten Minuten hatten. Das ist ärgerlich, damit haben wir Alba den ganzen Vorsprung mit aufs Feld gegeben. Davor war das Spiel ausgeglichen. Dann haben wir uns den Schneid abkaufen lassen“, sagte Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, in der Halbzeit. „Wir müssen zusehen, dass wir einen guten Start ins dritte Viertel hinlegen, hinten wieder mehr Präsenz zeigen und vorne wieder das Selbstvertrauen aufbauen, dadurch dass wir offene Würfe wieder reinmachen.“

Im dritten Abschnitt zog Alba Berlin zwischenzeitlich dann allerdings sogar auf 18 Punkte davon (71:53). Tuomas Iisalo versuchte den Lauf mit einer Auszeit zu stoppen bei noch knapp 2:40 Minuten auf der Uhr. Doch Crailsheim konnte den Abstand nur auf 16 Zähler verkürzen (59:75). Das letzte Viertel endete dann remis (23:23), womit die Gastgeber das Spiel mit 98:82 gewannen.

Merlins nicht am Maximum der Leistungsfähigkeit

„Der Knackpunkt waren für mich die fünf Minuten vor der Halbzeit. In der zweiten Halbzeit sind wir nicht mehr richtig herangekommen. Wir haben uns zwar noch ein paar Punkte herangekämpft, aber eine wirkliche Siegchance war nicht mehr da. Wenn man hier in Berlin gewinnen will, müssen wir am Maximum sein, das waren wir heute nicht. Da hatten wir deutlich bessere Spiele in dieser Saison. Im nächsten Spiel gegen Bonn müssen wir wieder da sein, wenn wir den Sieg holen wollen“, sagte Ingo Enskat.

Bester Werfer bei Berlin war Martin Hermannsson mit 18 Punkten, auf die gleiche Ausbeute kam bei den Merlins Jeremy Morgan. Bei Alba punkteten fünf Spieler zweistellig, bei den Gästen waren es vier.

Alba Berlin weist nun eine Bilanz von elf Siegen und drei Niederlagen auf, hat noch zwei Nachholspiele in der Hinterhand. Die Hakro Merlins Crailsheim beenden die Vorrunde mit zehn Siegen und sechs Niederlagen auf Platz 5.

So spielten sie


Berlin – Crailsheim

98:82

Berlin: Eriksson (11 Punkte, 3 von 6 Dreier), Hermannsson (18, 2 von 4 Dreier), Giedraitis (17, 2 von 2 Dreier, 2 Steals), Giffey (2), Nnoko (12, 7 Rebounds, 2 Blocks), Siva (7, 7 Assists), Sikma (10, 9 Rebounds, 5 Assists), Thiemann (8), Mattisseck (6, 2 von 3 Dreier), Mason (4), Ogbe (3)

Crailsheim: Herrera (10 Punkte), Hawkins (7), Jones (11, 7 Rebounds), Russell (11), Morgan (18, 3 von 10 Dreier, 2 Steals, 2 Blocks), Span (9, 3 von 6 Dreier, 4 Assists), Kovacevic (2), Stuckey (5), Bleck (9, 2 Steals), Carpenter

Viertel: 22:22, 30:18, 23:19, 23:23
Rebounds: 36:31
Assists: 22:17
Steals: 5:7
Turnover: 16:14
Dreier: 9/23 : 12/35

10


von 16 Spielen in der Vorrunde der Bundesliga-Saison 2019/2020 haben die Hakro Merlins Crailsheim gewonnen. Die Rückrunde beginnt am Samstag mit dem Spiel gegen Bonn.