Wenn an den Samstagen in den Wintermonaten eine der drei Glocken im Turm der Sankt-Nikolaus-Kirche in Gammesfeld um 16 Uhr zum Abendgebet läutet, dann sieht man am Vereinsheim der Spvgg eine Gruppe Nordic Walker mit den Stöcken scharren. Sobald der letzte Glockenschlag verstummt ist, setzen sich bis zu 15 Hobby­sportler in Bewegung – und zwar immer über Hertershofen Richtung Hausen am Bach. Im Winter werde nur auf dieser Straße gelaufen, weil die Verletzungsgefahr ansonsten zu groß sei, erklärt Sonja Schüttler, die die seit 2002 bestehende Nordic-Walking-­Gruppe der Spvgg Gammesfeld leitet. Wenn das Wetter wieder schöner wird, dann werde die Streckenauswahl variabler gehandhabt, sagt die 57-Jährige. „Wir laufen aber immer etwa eine Stunde und sechs Kilometer.“ Und das bei fast jedem Wetter. „Wir waren alle schon mal so nass, dass wir unsere Kleidung auswinden konnten. Und wir sind einmal auch in ein richtiges Gewitter reingelaufen – da bekamen wir Angst“, erinnert sich Schüttler. Letztes Jahr sei allerdings gar kein Lauftreff ausgefallen – obwohl die Leiterin, die 2003 den Walking-Treff-Betreuerschein des Württembergischen Leichtathletikverbands erworben hat, selbst ein hartes Jahr hinter sich hat und nicht mitlaufen konnte.

Ab März wieder aktiv

Sonja Schüttler wurde im Juni 2018 ein gutartiger Tumor hinter dem Ohr entfernt. Hören, Schlucken, Kurzzeitgedächtnis, Gleichgewicht – die Probleme waren und sind noch vorhanden. „Es fühlt sich an wie bei einer Seekrankheit“, erklärt sie. Zu allem Überfluss ist vor Kurzem noch ein leichter Herzinfarkt hinzugekommen, bald geht es in die Reha. Sonja Schüttler ist davon überzeugt, dass ihr der regelmäßige Sport dabei geholfen hat, die gesundheitlichen Schwierigkeiten noch einigermaßen glimpflich zu überstehen. „Ich hoffe, dass mir in der Reha gezeigt wird, wie ich herzschonend Nordic Walking machen kann. Dann bin ich ab März, wenn es wieder heller ist, wieder dabei“, erklärt die Gruppenleiterin.

Beim Besuch des HT-Redakteurs am vergangenen Samstag muss sich Sonja Schüttler mit einigen Dehnübungen, die sie vormacht, zufriedengeben. Auf das Laufen muss sie verzichten. Sieben Walker, manche mit, manche ohne Stöcke, machen sich auf den Weg. Auch wenn der kalte Wind ordentlich über die Felder pfeift. Feste Wander- oder Trekkingschuhe (sie sind besser als Joggingschuhe), allwettertaugliche Jacke und Hose, warme Mütze oder Stirnband, Walking-Stöcke – mehr braucht es nicht für dieses Hobby. „Das Schöne ist, dass man Walken in jedem Alter anfangen kann“, sagt Schüttler.

Bestes Beispiel: Gerhard Appel (77) und seine Gattin Herta (72). Die beiden sind zwei der fünf bis sechs Gruppenmitglieder, die Schüttler als „harten Kern“ bezeichnet. Gerhard Appel hat am Montag seinen 77. Geburtstag gefeiert – natürlich auch mit den Freunden aus der Walking-Gruppe. „Geselligkeit steht bei uns hoch im Kurs“, sagt Sonja Schüttler. Mal geht es zum gemeinsamen Essen nach Bettenfeld, mal ins Freilichttheater nach Rothenburg, oft ins Vereinsheim – und zwischen 10- und 15-mal pro Jahr zu diversen Volkswandertagen in der Umgebung, zum Beispiel nach Jagstheim, Sindringen oder Pfedelbach.

Laufen für guten Zweck

Fest im Kalender verankert ist die Aktion „Deutschland wandert – Deutschland hilft“: Unter diesem Motto findet jährlich um den 3. Oktober eine Benefiz-Wanderaktion des Deutschen Volkssportverbandes (DVV) zugunsten von Mukoviszidose-Patienten statt. Dieses Jahr geht es nach Diebach. 2017 wurde die Veranstaltung in Gammesfeld ausgetragen. „Mehrere Tausend Euro konnten gespendet werden“, sagt Sonja Schüttler. Vielleicht sind dann am 3. Oktober ein paar neue Walker dabei. Und auch ein paar Männer, deren Vornamen nicht mit dem Buchstaben G beginnen. „Drei unserer mitlaufenden Männer heißen Gerhard, einer Günter – aber bei uns dürfen natürlich auch andere Namen mitmachen“, sagt Sonja Schüttler und lacht.

Info Neue Walking-Interessierte sind in der Gruppe der Spvgg Gammesfeld immer willkommen. Die Walking-Gruppe trifft sich von Januar bis März montags um 19.30 Uhr und samstags um 16 Uhr, von April bis September montags um 19.30 Uhr und freitags um 19.30 Uhr am Vereinsheim. Kontakt: Sonja Schüttler, Telefon 0 79 58 / 768.

HT-Mitarbeiter probieren selbst aus


Als Fortsetzung der Sommerserie besuchen Mitarbeiter des Hohenloher Tagblatts wieder verschiedene Gemeinden im Verbreitungsgebiet und probieren sich in diversen Sportarten aus, die normalerweise nicht so sehr im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. rama